Herbe Verluste für Technologiewerte
Ifo-Index und Tech-Werte belasten Dax

Unter dem Druck eines unerwartet schwach ausgefallenen und erneut rückläufigen Ifo-Geschäftsklima-Indexes sowie kräftiger Kursverluste der Technologiewerte hat der Dax am Mittwoch unterhalb der Marke von 3 700 Punkten geschlossen. Diese Schwelle gilt unter Börsianern als Gradmesser dafür, ob der Dax seine jüngste Erholung fortsetzen kann oder nicht.

Reuters FRANKFURT. "Der Gegenwind für die deutsche Wirtschaft wird stärker", sagte der Volkswirt Bernd Weidensteiner von der DZ Bank mit Blick auf den im dritten Monat hintereinander gefallenen Ifo-Index. Es müsse jedoch abgewartet werden, ob es durch die Jahrhundertflut in Ostdeutschland verzerrende Effekte gegeben habe. Die Technologiewerte hätten unterdessen im Sog der schwachen US-Börsen gestanden, fügte der Händler Frank Albrecht von M.M. Warburg hinzu.

Der Deutsche Aktienindex schloss am Mittwoch 4,4 Prozent schwächer bei 3 682,84 Zählern, während am Neuen Markt der Auswahlindex Nemax 50 um 3,9 Prozent auf 497,91 Punkte fiel. Der Nebenwerte-Index MDax lag 1,4 Prozent im Minus bei 3 422,50 Stellen. Der Dow Jones EuroStoxx50 der größten europäischen Aktien gab um 4,3 Prozent auf 2 728,61 Zähler nach.

Der Geschäftsklimaindex für Westdeutschland ging im August nach Angaben des Ifo-Intituts auf 88,8 Punkte von 89,9 Zählern im Juli zurück. Experten hatten lediglich mit einem Rückgang auf 89,0 Stellen gerechnet. Ein dreimaliger Rückgang des IFO-Index in Folge gilt als Zeichen einer wirtschaftlichen Abschwächung. Der drohende US-Militärschlag gegen den Irak belaste die Aktien zusätzlich, sagten Händler. Die Nervosität an den Finanzmärkten lasse sich am steigenden Ölpreis ablesen. Der Terminkontrakt auf die führende europäische Marke Brent ist seit Mitte August um zehn Prozent gestiegen. Die Kriegssorgen belasteten auch den Dollar, hieß es weiter.

Die Aktien der Börsenschwergewichte Siemens und SAP fielen um 6,2 Prozent auf 78 Euro beziehungsweise um 5,8 Prozent auf 48,30 Euro. Die Papiere dieser Branche würden unter anderem von der gesenkten Geschäftsprognose des Netzwerk-Ausrüsters Nortel belastet, sagten Händler. Das Unternehmen hatte außerdem den Abbau von 7000 Stellen angekündigt. Daneben teilten die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs mit, Sun Microsystems werde im laufenden Quartal voraussichtlich die durchschnittlichen Gewinnerwartungen der Experten verfehlen.

Zu Handelsbeginn hatten Händlern zufolge die Spekulationen um ein bevorstehendes Gerichtsurteil zum Kurseinbruch von rund 17 Prozent bei MLP geführt. Kleinaktionäre hatten gegen eine Kapitalerhöhung bei dem Finanzdienstleister geklagt. Das Gericht wies die Klage am Mittwoch zurück. Eine Revision wurde nicht zugelassen. In der Folge erholten sich die Papiere von ihren Tiefständen und schlossen nur noch 3,2 Prozent im Minus bei 15,85 Euro.

Activest-Fondsmanager Andreas Schäfer sagte, die vielen negativen Schlagzeilen um MLP sowie die fehlende Transparenz belasteten die Aktie. "Ein Großteil des MLP-Geschäfts hängt von dem Netzwerk der Berater ab und die Frage ist nun, wie lange diese angesichts der Nachrichtenlage noch motiviert sind", fügte er hinzu. Zuletzt war der Finanzdienstleister wiederholt wegen angeblicher Bilanzunregelmäßigkeiten in die Schlagzeilen geraten. MLP hat die Vorwürfe stets nachdrücklich dementiert.

Auch die übrigen Finanzwerte standen stark unter Druck. Die Subindizes für die Banken und Versicherer im Dax fielen um 4,4 beziehungsweise um 6,7 Prozent. Händlern zufolge gab es keine kursrelevanten Nachrichten. Diese Werte würden vom schwachen Gesamtmarkt mitgezogen. Vor der Bekanntgabe eines voraussichtlich hohen Quartalsverlustes am Donnerstag gaben die Aktien der Münchener Rück um 6,7 Prozent auf 183,20 Euro nach.

Im MDax gehörten die Papiere von Beate Uhse mit einem Plus von 6,6 Prozent auf 9,65 Euro zu den gefragtesten Titeln. Der Erotikkonzern hat im ersten Halbjahr trotz der Konsumflaute mehr verdient und umgesetzt als im Vorjahreszeitraum.

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