Herbst startet der erste Anbieter in Deutschland
Streitschlichtung im Web

Selbst Rechtsanwälte sind gegen die Tücken des Online-Einkaufs nicht immer gefeit: Guido Broscheit und Holger Müller hatten vor anderthalb Jahren im Internet ein ISDN-Telefon zum Preis von 100 Euro für ihr Büro in der Berliner Kanzlei Hatzfeld Schlüschen ersteigert. Doch die Freude über das vermeintliche Schnäppchen währte kurz, denn der Anbieter wollte nicht liefern.

Um das bereits gezahlte Geld zurückzubekommen, hätten die beiden Juristen vor Gericht ziehen müssen - was sie wegen des geringen Streitwerts und der zu erwartenden langen Verfahrensdauer lieber bleiben ließen. Aber: Ihnen kam die Idee, Deutschlands erste Cyber-Plattform zu gründen, um solche und andere Streitigkeiten zu schlichten.

Im Juli 2001 erblickte so die Just Fair GmbH das Leben, die von Herbst an unter der Geschäftsführung der beiden Anwälte und mit renommierten Professoren wie Otto Sandrock und Arnold Vahrenwald im Beirat zunächst eine automatische Schlichtung von Konfliktfällen in Kernbereichen wie dem E-Commerce anbieten will. Als Kunden im Visier hat die Firma dabei vor allem Online-Versteigerer, Versicherungs- und Touristikfirmen sowie letztlich alle Netz-Verkäufer, die den Surfern Bedenken beim Web-Shopping nehmen wollen.

Wie ein Gütesiegel soll das Just-Fair-Logo auf Seiten erstrahlen, deren Geschäftspartner sich im Streitfall der computergestützten Annäherung ihrer gegenseitigen Interessen oder einer ergänzenden Mediation durch Rechtsexperten unterwerfen. Die aus der Schlichtung resultierenden Vergleiche sollen selbst bei einer Nicht-Anerkennung durch den Schuldner von der anderen Streitpartei einklagbar sein.

Erweitern wollen die Just-Fair-Macher dieses Basisangebot stufenweise bis hin zur Durchführung von gerichtsähnlichen Verfahren übers Internet, die mit einem vollstreckbaren Schiedsspruch enden. Solche Verdikte kommen gerichtlichen Urteilen gleich.

Für die Entwicklung der Plattform stehen Just Fair und Sefirot als Preisträger des Vernet-Wettbewerbs für "verlässliche Transaktionen in offenen Kommunikationsnetzen" 1,4 Mill. Euro Fördergelder des Bundeswirtschaftsministeriums zur Verfügung. Eine erste Startfinanzierung hatten ein Business-Angel aus Köln und eine Bremer VC-Gesellschaft geleistet.

Eingetütet ist zudem bereits eine Kooperation mit der römischen Filmhochschule Magica zum Aufbau eines Online-Schiedsgerichts für die europäische Filmbranche. Damit will Just Fair der für ihre komplizierten Verträge bekannten Filmbranche vor allem bei grenzüberschreitenden Streitigkeiten ein zeit- und kostengünstiges Instrument zur Schlichtung zur Verfügung stellen.

Spezielle Bereiche planen die Berliner auch für den Profisport sowie die Kreditkarten- und Telekommunikationsbranche. Bei Marken- oder Domain-Streitigkeiten hoffen die Anwälte ebenfalls auf Aufträge.

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