Herbstgutachten
4,1 Millionen Arbeitslose erwartet

Die erhoffte Konjunkturwende geht auch 2003 am Arbeitsmarkt vorbei. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten sogar eine weiter steigende Arbeitslosigkeit. Sie rechnen jetzt für das kommende Jahr im Schnitt mit einem Zuwachs der Erwerbslosenzahl um rund 50 000 auf 4,1 Millionen.

HB/dpa BERLIN. Dies erfuhr die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Montag vorab aus dem Herbstgutachten der sechs Institute. Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte demnach um 30 000 auf 38,7 Millionen ansteigen.

Das Gutachten wird an diesem Dienstag letztmals an Finanzminister Hans Eichel übergeben, bevor die konjunkturpolitische Zuständigkeit auf Wirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement übergeht. Der Preisauftrieb soll laut Vorhersage mit 1,6 Prozent im Vergleich zu durchschnittlich 1,4 Prozent 2002 nur leicht anziehen.

Ebenso wie Wirtschafts- und Bankenverbände schrauben auch die Institute die Wachstumsraten für 2002 und 2003 deutlich nach unten. Fünf von ihnen erwarten für 2003 nur noch einen Zuwachs des BIP von 1,4 Prozent nach nur plus 0,4 Prozent in diesem Jahr. Profiteure sollen aber die neuen Länder sein, denen ein Wachstum von 2,3 (2002: 0,2) Prozent zugetraut wird. Im Westen Deutschlands ist danach nur mit plus 1,3 (0,4) Prozent zu rechnen.

Damit würde Ostdeutschland, wo das Inlandsprodukt 2001 sogar um 0,1 Prozent gesunken war, erstmals seit Jahren den Westen Deutschlands beim Wirtschaftswachstum überholen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW/Berlin) bleibt auch angesichts der geplanten Haushaltseinschnitte und der dämpfenden Wirkung auf den Konsum bei niedrigeren Wachstumsraten.

In ihrem Frühjahrsgutachten waren die Institute noch von einer Zunahme der gesamtwirtschaftlichen Leistung um 0,9 Prozent für dieses Jahr und 2,4 Prozent für 2003 ausgegangen. Mit plus 1,4 Prozent weichen sie jetzt aber bereits leicht von den 1,5 Prozent ab, die Eichel jetzt als Sicherheitsmarge für die Bundeshaushalte 2003 und 2004 in der Koalition vorgegeben hat.

Erste Hoffnungsschimmer am trüben Konjunkturhimmel sieht die Bundesbank. Sie beruft sich dabei auf die zuletzt registrierten leichten Zuwächse bei den gewerblichen Auftragseingängen und bei der Industrieproduktion. Für Juli und August zusammen gebe es "eine spürbare Ausweitung der Erzeugung gegenüber dem zweiten Quartal", heißt es im Monatsbericht der Bundesbank.

Den Institutsberechnungen zufolge ist 2003 mit einem Zuwachs der Arbeitslosenquote auf 9,6 Prozent zu rechnen nach 9,5 Prozent in diesem Jahr. Die durchschnittliche Jahreszahl der Arbeitslosen steigt damit leicht über den vorläufigen Tiefpunkt im Jahr 1999 mit damals 4,095 Millionen.

Der Arbeitsgemeinschaft gehören neben dem DIW das Hamburger HWWA- Institut, das Kieler Institut für Weltwirtschaft, das Rheinisch- Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI/Essen), das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sowie das Münchner ifo- Institut für Wirtschaftsforschung an.

Laut Konjunkturbericht des Bundesverbandes deutscher Banken geht die Talfahrt bei Konjunktur und Beschäftigung wegen massiver Risiken vorerst weiter. Die Fachleute des Verbandes gaben auf Anfrage wie die Institute ein Wirtschaftswachstum von etwa 1,4 Prozent für 2003 an. Für das laufende Jahr seien höchstens 0,4 oder 0,5 Prozent zu erwarten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%