Herbstgutachten: Rezession in den USA unvermeidlich
Institute betonen hohe Konjunkturrisiken

Nach Auffassung der sechs Wirtschaftsforschungsinstitute kann sich die Weltwirtschaft im ersten Halbjahr 2002 erholen - freilich nur dann, wenn die politische Lage nicht weiter eskaliert.

wmu DÜSSELDORF. Die große weltpolitische Unsicherheit schlägt sich im Herbstgutachten der sechs Wirtschaftsforschungsinstitute in zahlreichen "Wenn, dann"-Formulierungen nieder. Noch stärker als sonst betonen die Institute, dass ihre Wachstumsprognosen nur gelten, wenn die zu Grunde gelegten Annahmen stimmen. Die stark gebeutelte Weltwirtschaft werde sich im ersten Halbjahr 2002 wieder erholen, heißt es im Gutachten - wenn keine weiteren massiven Terroranschläge in den USA oder anderswo erfolgen, wenn die militärischen Aktionen der USA und ihrer Alliierten zeitlich und geographisch begrenzt bleiben und wenn die Ölversorgung nicht beeinträchtigt wird, der Ölpreis also nicht über 25 Dollar pro Barrel steigt.

Einen negativeren Konjunkturverlauf als prognostiziert halten die Ökonomen durchaus für denkbar. "Risiken gibt es genug", sagte Oscar- Erich Kuntze vom Münchner Ifo-Institut gestern bei der Vorstellung des Herbstgutachtens. Gustav Horn vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) stellte mit Verweis auf die jüngsten Milzbrandanschläge gar die Annahmen des Gutachtens bereits wieder in Frage.

Die Institute stellen im Gutachten klar, dass die Terroranschläge in den USA keineswegs die Hauptursache für die starke Abschwächung der Weltkonjunktur seien. Diese belasteten aber in viererlei Hinsicht die weitere Wirtschaftsentwicklung: erstens durch die unmittelbare Beeinträchtigung der gesamtwirtschaftlichen Produktion nach dem 11. September, zweitens durch die gestiegene Unsicherheit von Unternehmen und Verbrauchern, drittens durch die daraus mittelbar folgenden Konsequenzen wie etwa Entlassungen, viertens durch langfristige Folgen wie dauerhaft höhere Kosten, zum Beispiel für mehr Sicherheit und Verteidigung.

Die Institute erwarten, dass die negativen direkten und indirekten Folgen zunächst deutlich überwiegen. Sie führten im dritten und vierten Quartal 2002 in den USA unweigerlich in die Rezession. Vor allem die expansive Geld- und Fiskalpolitik lässt dort aber laut Herbstgutachten im ersten Halbjahr 2002 recht schnell die Produktion steigen. Der Anstieg falle aber deutlich weniger dynamisch aus als in vergangenen Aufschwungphasen. Diese Erwartung haben die Institute auch für die Weltkonjunktur insgesamt. Für die USA rechnen die Ökonomen mit einer Jahreswachstumsrate von 0,9 % in diesem und 1,7 % im kommenden Jahr. Für die Industrieländer insgesamt lautet die Prognose 0,9 % bzw. 1,4 %.

Die von der US-Regierung beschlossenen Ausgabenprogramme bewirken dem Gutachten zufolge in den USA einen zusätzlichen fiskalischen Impuls von rund 1 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Auf Grund der konjunkturbedingten staatlichen Einnahmenausfälle und der hohen Staatsausgaben erwarten die Institute, dass der US-Haushalt in diesem Jahr erstmals seit 1996 wieder mit einem Defizit abschließen wird. Zugleich werde die Geldpolitik der Fed noch expansiver: Die Zinsen würden in den USA noch weiter - auf 2 % - sinken, heißt es im Gutachten.

Weiterhin schwarz sehen die Institute für die japanische Konjunktur. 2001 und 2002 wird das BIP dort laut Prognose des Herbstgutachtens im Jahresvergleich schrumpfen (um 0,6 % bzw. 0,3 %). Die Geldpolitik sei ausgereizt, die Fiskalpolitik trotz eines weiteren Ausgabenprogramms wirkungslos. Die Arbeitslosenquote werde bis Ende 2002 auf etwa 6 % steigen.

In den südostasiatischen Schwellenländern, die wie Japan besonders unter dem Einbruch der IT-Industrie leiden, wird das BIP dem Gutachten zufolge 2001 noch um 1,5 % steigen Im kommenden Jahr werde die Wachstumsrate wieder auf 3,5 % zulegen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%