Herkömmliche Druckerzeugnisse können nur ein Mal verwendet werden
Die elektronische Zeitung zum Anfassen

Mit einem Monitor kann man schlecht Fliegen vertreiben, ein E-Book eignet sich auch nicht gerade dafür. Das digitale Pendant zur Tageszeitung soll bald Abhilfe schaffen: Mit dem elektronischen Papier kann man nicht nur lästige Insekten verscheuchen, sondern ist immer auf dem Laufenden. Denn obwohl es sich anfühlt wie Papier und in der Hand liegt wie eine Zeitung, ist es ein Display, und setzt damit dort an, wo das E-Book in eine Sackgasse geraten scheint.

HB DÜSSELDORF. "Das e-Book wird ein Flop", behaupten Forrester Research in ihrer aktuellen Studie. Das Marktforschungsunternehmen erwartet im Bereich des Electronic-Publishing innerhalb der nächsten fünf Jahre insgesamt einen Umsatz von 7,8 Mrd. $, das sind rund 17,5 % des Gesamtumsatzes der Verlags- und Druckindustrie in den USA. Das e-Book soll dazu lediglich 251 Mill. $ beitragen.

"Die von den Verlegern erwarteten Umsätze beim e-Book sind unrealistisch, das Lesen am Bildschirm schreckt den motiviertesten Leser weiterhin ab", weiß Senior-Analyst Daniel P. O?Brian von Forrester. "Aber die Verlage können trotzdem nicht einfach zum Tagesgeschäft übergehen, denn die Vorteile des Vertriebs über das Internet erfordern wesentlich flexiblere digitale Vertriebskanäle, als das e-Book." Abhilfe schaffen soll zukünftig das elektronische bzw. digitale Papier. Es lässt sich immer wieder neu beschreiben wie ein herkömmlicher Bildschirm, dabei verhält es sich wie herkömmliches Papier.

Millionen elektronische Kügelchen

Möglich wird das durch Millionen elektronische Kügelchen in einer dünnen, transparenten Plastikschicht. Sie schwimmen in einem Ölfilm und lassen sich mit Hilfe einer elektrischen Ladung drehen, so dass die gewünschte Farbhälfte nach oben zeigt. So kann ein Bild oder ein Buchstabe dargestellt werden. Das Verfahren erinnert an den Toner bei einem Kopierer, mit dem Unterschied, dass sich das digitale Papier im Gegensatz zum herkömmlichen immer wieder beschreiben und löschen lässt. Außerdem machen ihm Eselsohren nichts aus, und es kann bei reflektierendem Licht und schrägem Winkel betrachtet werden.

E-Paper soll die Tageszeitung revolutionieren

Xerox, Palo Alto/Kalifornien, will in absehbarer Zeit mit dem digitalen Papier die Tageszeitung revolutionieren. Diese kann jeden Tag aufs Neue und auch während des Lesens automatisch aktualisiert werden. Damit könnte die aufwendige Distribution von Zeitungen über den Kiosk und Zeitungsausträger entfallen. Außerdem ist das Papier wiederverwendbar. "Im Zuge der Weiterentwicklung der mobilen Kommunikation insbesondere UMTS ließe sich die digitale Zeitung beispielsweise über die kabellose Bluetooth-Technologie aktualisieren, so dass der Nutzer nicht auf stationäre Internetzugänge angewiesen ist", sagt Uta Letzel, Communications Managerin bei Xerox Deutschland, zu Handelsblatt.com.

Elektronische Schilder

Mit dem Spin-off Gyricon Media beschreitet die Xerox Corporation den Weg der Vermarktung der von ihr entwickelten Technologie der digitalen Dokumentendisplays: Gyricon wird elektronische Schilder anbieten, die auf der E-Paper-Entwicklung der Mutterfirma beruhen. Die Schilder sind netzwerkfähig, wieder beschreibbar und per Mausklick aktualisierbar. Sie können zur Warenkennzeichnung in Geschäften, zu Werbezwecken und als Anzeigetafeln eingesetzt werden. "Die Markteinführung der ersten kommerziellen E-Paper-Produkte wie batteriebetriebene Werbeschilder und andere drahtlose Lösungen soll 2001 erfolgen," so Bob Sprague, Chef von Gyricon Media Inc.

Elektronische Tinte Die "elektronische Tinte" des 1997 gegründeten Unternehmens E-Ink funktioniert ganz ähnlich wie das E-Paper von Xerox. E-Ink, ein Spin-off des Massachusetts Institute of Technology, profiliert sich mit dem Produkt "Immedia". Das papierdünne Display wird vom Safeway Supermarkt als Anzeigetafel eingesetzt, und die Tageszeitung Arizona Republic versendet ihre aktuellen Nachrichten auf den Immedia-Displays. Während einer dreimonatigen Versuchsphase wurden die Ausgaben des Blattes an 50 Stationen in und um Phoenix versandt und permanent aktualisiert. E-Ink hat aber noch viel mehr vor: Nahezu papierdünn soll sich das E-Paper nicht nur mit mehrenen Seiten als "echtes" Buch bündeln, sondern zukünftig auch in Handy-, PDA- und Armbanduhr-Displays einbauen, ja sogar in Kleidung integrieren lassen.

Neben elektronischen Tageszeitungen, Zeitschriften und faltbaren Displays eignet sich das digitale Papier auch für elektronische Lehrbücher: Schüler sollen darin blättern, die Inhalte durchsuchen und Seiten markieren können, ähnlich wie sie es mit herkömmlichen Büchern tun. Und alles soll auch in Farbe funktionieren: IBM arbeitet zurzeit an einem farbigen digitalen Papier, das aber erst in vier oder fünf Jahren zur Marktreife gelangen wird.

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