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Hermès will bei Leica einsteigen

dpa SOLMS/PARIS. Deutsche Qualitätskameras könnten künftig in den französischen Hermès-Luxusläden neben edlen Seidenkrawatten und teuren Uhren im Regal stehen. Die französische Hermès International SCA will ab Ende Dezember beim hessischen Kamerahersteller Leica Camera einsteigen.

Allerdings läuft das Angebot, 30 % des Leica-Grundkapitals zu übernehmen, friedlicher als eine Offerte des vergangenen Jahres ab. Damals wollte das Hamburger Wertpapier-Handelshaus Beuttenmüller den ehemaligen VW-Einkaufschef Jose Ignacio Lopez beim angeschlagenen Kamerahersteller auf den Thron setzen. Leica wehrte sich damals verbissen - heute reicht der Kameraproduzent dem neuen Interessenten freundschaftlich die Hand und rät den eigenen Aktionären zum Verkauf.

Ein Blick hinter die Kulissen des derzeitigen Angebots zeigt ein anderes Geschäftsgebaren der Franzosen als das der Hamburger. Bei einem Besuch französischer Industrieller der Leica-Produktionsstätte im Sommer 1999 im mittelhessischen Solms - darunter auch Hermès- Großaktionär Jean-Louis Dumas - seien der Vorstand des Optik- Unternehmens, Hanns-Peter Cohn, und der französische Gast ins Gespräch gekommen. "Jeder der beiden erzählte dem anderen, was für ihn im Geschäft wichtig ist", plaudert Furchheim.

Offensichtlich gefiel Dumas die Firmengeschichte. Als der Leica- Chef bei den Gesprächen das Strategiepapier des Unternehmens aus der Tasche zog, sei es um den Franzosen geschehen gewesen, erzählt Furchheim. "Dumas kam auf die Idee einer Beteiligung - er verbindet beide Häuser mit emotionalen Marken und Werten".

Beide Unternehmen können auf eine lange, von Handwerk geprägte Firmengeschichte zurückblicken. Die Hessen bauten 1925 die erste Kleinbildkamera der Welt und hatten sich zuvor einen Namen mit Mikroskop- und Fernglasherstellung gemacht. Hermès begann 1837 in Paris mit einem Sattlergeschäft. Später folgte die Herstellung von weiteren Qualitätsprodukten. Im vergangenen Jahr setzte der Luxuswarenhersteller 28,3 % mit Lederwaren, 14,1 % mit Kleidung, 10,5 % mit Seidentüchern, 9,6 % mit Uhren, 6,9 % mit Krawatten und 5,6 % mit Parfums um.

Aus Sicht von Leica erstreckt sich die Zusammenarbeit zunächst nur auf finanzieller Basis. "Es ist nicht geplant, dass Hermès mehr als 30 % kauft", sagt Furchheim. Nach den Worten des Leica- Sprechers "hat die Zusammenarbeit in Zukunft eine weite Spannbreite". So sei es nicht auszuschließen, dass Leica-Produkte auch in Hermès- Läden verkauft würden.

Der Kamerahersteller versteht die Zusammenarbeit mit Hermès als reinen Zugewinn. Leica schrieb im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2000/2001 (31. März) einen Verlust nach Steuern von 6,7 Mill. DM, 2,1 Mill. DM mehr als ein Jahr zuvor.

Bevor die Hessen den Franzosen die Hand reichten, "haben wir uns zu dem Angebot eine unabhängige Stimme eingeholt", erzählt Leica- Sprecher Gero Furchheim. Nach Auskunft der DG-Bank sei es "ein faires Angebot" zu dem man Ja sagen könne. Auch müssten die Beschäftigten keine Entlassungen befürchten, betont der Unternehmenssprecher. "Da Hermès überhaupt nichts mit Optik zu tun hat, ist es anders als bei zwei Banken, die zusammengehen." Bei der französisch-hessischen Liaison gebe es keine Arbeitsplätze, die doppelt besetzt seien.

Leica rät den Aktionären, bis zum 20. Dezember die Aktien für 12,50 Euro pro Stück an Hermès zu verkaufen. Immerhin liege das Angebot 30 % über dem durchschnittlichen Kurswert der Leica Aktie der vergangenen drei Monate und sogar 42 % über dem Durchschnittswert des vergangenen Jahres. Nach Leica-Angaben ist ohnehin der Ausgabekurs von rund 24 Euro aus dem Jahr 1996 nicht mehr zu erreichen.

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