„Herr der Asse“ mit Ladehemmung
Popp wurde vom Regen gestoppt

Nach einer über weite Strecken bravourösen Vorstellung musste der 26-Jährige im Viertelfinale der 117. All England Championships in Wimbledon gegen den Australier Mark Philippoussis in die Warteschleife.

HB/dpa LONDON. Beim Stande von 6:4, 6:4, 3:6, 3:6, 2:2 und 0:30 bei Aufschlag des "Aussie" wurde die Partie auf Donnerstag vertagt. Als die grünen Planen im miesen Londoner Wetter um 19.30 Uhr Ortszeit zum vierten und letzten Mal am Mittwoch hochgezogen werden mussten, hatte der Mannheimer seine klare Führung leichtfertig verspielt und den fast drei Sätze lang unter Ladehemmungen leidenden "Herrn der Asse" wieder aufgebaut.

Ins Semifinale wollten auch Lokalmatador Tim Henman und der Franzose Sebastien Grosjean. Ihr Viertelfinale fiel beim Stande von 6:7 (8:10), 6:3, 3:6, 2:1 aus Sicht des Briten ebenfalls dem strömenden Regen zum Opfer. Die beiden anderen Viertelfinals zwischen Roger Federer (Schweiz) und Schüttler-Bezwinger Sjeng Schalken (Niederlande) sowie Jonas Björkman (Schweden) und Andy Roddick (USA) wurden erst gar nicht begonnen.

Als sich der Himmel über London verdunkelte und den Spielbetrieb das erste Mal an diesem Tag lahm legte, hieß es 1:1 und 30:0 für Philippoussis. Doch schon während der 65-minütigen ersten Pause, der eine zweite von 45 Minuten folgte, ohne dass die beiden Akteure auch nur einen Ballwechsel hätten spielen können, wusste Popp, dass alle Trümpfe in seiner Hand lagen. Denn der "Lebemann" aus "down under" hatte ihn unterschätzt - zumindest aber falsch eingeschätzt.

"Philippoussis wird sich wundern, weil Popp von der Grundlinie aus spielt", orakelte der dreimalige Wimbledonsieger Boris Becker. Der Australier hatte nach seinem großartigen Achtelfinalerfolg gegen den Amerikaner Andre Agassi Ahnungslosigkeit offenbart und gemeint: "Mein nächster Gegner ist ein großartiger Serve-and-Volley-Spieler."

Gegner stehen sich zum ersten Mal gegenüber

Dass er nicht viel wusste von seinem Kontrahenten, mag keine Schande sein. Schließlich standen sich beide auf den Tennis-Courts dieser Erde noch nie gegenüber. Popp war dafür zu lange verletzt, nachdem er vor drei Jahren in Wimbledon im Viertelfinale stand. Auch der in San Diego lebende Australier plagte sich mit allerlei Verletzungen herum. Drei Mal musste er sich am linken Knie operieren lassen. Seine Karriere hing am seidenden Faden.

Doch Philippoussis' Unwissenheit machte sich für den 2,01 m großen Popp bezahlt. Die Hammeraufschläge seines Gegenübers, der gegen Agassi mit 46 Assen Goran Ivanisevic' Rekord aus dem Jahr 1997 egalisierte, schreckten ihn nicht. "Wenn er viele Asse schlägt, ist nichts zu machen. Ich will versuchen, ihm mein Spiel aufzwingen."

Das gelang ihm zweieinhalb Sätze lang hervorragend. Wie im Achtelfinale gegen Olivier Rochus taten ihm die Besinnungspausen gut. Bis auf die im vierten Satz. Nach der neuerlichen 105 Minuten langen Pause verlor Popp den Faden und stand gegen den nun Asse am Fließband produzierenden Australier auf verlorenem Posten. Als im entscheidenden fünften Satz der Regen zurück kam nach Wimbledon und das Match vertagt wurde, war es für Popp wie eine Erlösung.

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