"Herr der Ringe" greift nach fünftem WM-Gold
Diskus: Lars Riedel so locker wie nie

Der "Herr der Ringe" ist wieder da. Zehn Jahre nach seinem Gold-Wurf von Tokio greift Lars Riedel nach seinem fünften WM-Titel.

sid EDMONTON. "Die Chance ist da", sagt der 34 Jahre alte Diskus-Hüne aus Chemnitz vor der Qualifikation am Montag (Finale am Mittwoch) und wirkt so locker wie selten zuvor: "Ich bin gesund und in Topform. Die anderen haben sich im Vorfeld der WM verbuddelt, so dass ich nicht weiß, was sie drauf haben."

"Die anderen" sind keine Geringeren als Litauens Olympiasieger Virgilius Alekna, der bereits am März in Stellenbosch mit 70,99 Meter die Weltjahresbestmarke setzte, sowie der Südafrikaner Frantz Kruger, seit dem gleichen Datum mit 69,96 m Nummer zwei der Weltrangliste. Danach stürzten Alekna und Kruger vorübergehend auf 63-Meter-Niveau ab, Riedel hingegen steigerte sich bei den deutschen Meisterschaften auf 67,28 m. Nur der Olympiazweite von Sydney scheint in der Lage, nach den Auftaktpleiten von Kugelstoßer Oliver-Sven Buder und Hammerwerfer Karsten Kobs die Ehre der deutschen Werfer in Edmonton zu retten.

"Mich irritieren die großen Weiten der Konkurrenz zu dem frühen Saison-Zeitpunkt", sagt Riedels Trainer Karlheinz Steinmetz, der anstelle des neuen Bundestrainers Jürgen Schult mit nach Kanada durfte. Zum Favoritenkreis zählen auch der starke Ungar Robert Fazekas (Saisonbestmarke 68,09 m) und der Spanier Mario Pestano (67, 92).

Im obligatorischen Abschluss-Trainingslager in Albufeira ("Portugal ist für uns schon eine Institution") holte sich Riedel den Feinschliff für Edmonton. Für seine Verhältnisse war der Riese mit dem anfälligen Rücken so gut wie verletzungsfrei - auch eine Frage der Routine. "Lars ist einer, der seine Verletzungen gut verwaltet, deswegen lässt er sich von kleineren Blessuren nicht mehr aus der Ruhe bringen", erklärt Steinmetz.

Die geplanten Belastungen in der Vorbeitung konnte der Olympiasieger von 1996 komplett umsetzen. "Schon vor Wochen habe ich den Medizinball in unserer Sporthalle bis an die Decke geworfen", verriet ein gelöster Lars Riedel: "In der Vergangenheit war ich dann meist in 70-Meter-Form."

Sollte die klassische Scheibe für Riedel nach Bronze von Sevilla vor zwei Jahren tatsächlich zum insgesamt fünften Mal zum WM-Tophit werden, nähme er die Fährte von Sergej Bubka auf. Der Stabhochsprung-Weltrekordler aus der Ukraine, der seine Karriere im Vorjahr beendete, hatte die ersten sechs Weltmeisterschaften gewonnen. Neben Riedel holte bislang nur Äthiopiens Langstrecken-Star Haile Gebrselassie viermal WM-Gold in einer Disziplin.

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