„Herr der Ringe“ könnte erfolgreichster Film aller Zeiten werden
Schlammschlacht um begehrte Oscars

Vorhang auf für die Academy Awards der amerikanischen Filmindustrie. Am Sonntag werden zum 74. Mal in Hollywood die begehrten Oscars verliehen. Filme wie "A beautiful mind" stehen ganz oben auf der Favoriten-Liste. Die Filmbranche freut sich: 2001 war das bislang erfolgreichste Kino-Jahr.

HB SAN FRANCISCO. Es ist wie in einem Hollywood-Film: Intrigen, Tratsch und wunderschöne Menschen. Wenn sich Filmstars, Regisseure, Kritiker und Fans am Sonntag (24.) zu den 74. Academy Awards - bekannt als "Oscars" - im 90 Mill. $ teuren neuen Kodak Theatre in Hollywood versammeln, wird der Spannungsbogen wie in einem guten Drehbuch seinen Höhepunkt erreicht haben. Wie selten in den vergangenen 74 Jahren ist immer noch weitgehend offen, welche Stars die begehrte Statue in Empfang nehmen werden.

Der Oscar für den besten Film, der als prestigeträchtigster unter den Preisen gilt, ist heiss umkämpft. Die Favoriten sind "A beautiful Mind" aus dem Hause Universal und der erste Teil der Tolkien-Trilogie "Herr der Ringe" der Produktionsfirma New Line, Ableger von AOL Time Warner, der mit 13 Nominierungen einen großen Vorsprung vor den Mitbewerbern hat.

Gute Chancen hat auch "Moulin Rouge" aus den Miramax-Studios des Disney-Konzerns. Der bunte Musical-Film hat bereits vor kurzem den Producer's Guild Award gewonnen, der als guter Indikator für einen Oscar-Gewinn gilt. In den vergangenen neun von zwölf Jahren haben die Gewinner des Producer-Preises auch den begehrten Oscar mit nach Hause genommen. Auch der satirische Krimi "Gosford Park" und der Film "In the bedroom" sowie "Black Hawk down" haben nach Meinung von Experten noch gute Chancen.

Weil es keinen klaren Favoriten gibt, kämpfen die rivalisierenden Studios vehement darum, ihren Film in der Gunst der 5 600 Academy-Mitglieder, die über die Oscars entscheiden, ganz nach oben zu bringen. Gerüchte, dass Mathematik-Genie und Nobelpreisträger John Nash, auf dessen Lebensgeschichte der Oscar-Favorit "A beautiful mind" basiert, homosexuelle Neigungen habe und zudem Antisemit sei, kamen der Konkurrenz ganz recht. Über Wochen wurden die Gerüchte gegen den unter Schizophrenie leidenden Mathematiker genüsslich in den Medien ausgebreitet, auch wenn Nash selbst sie in einer Abendfernseh-Show dementierte. Schließlich protestierte auch der Oscar-nominierte Nash-Darsteller Russell Crowe gegen die Schmähkampagne: "Das war jenseits jeglichen Verantwortungsgefühls." Auch die Diskussion um die Nominierung der schwarzen Schauspieler Halle Berry (Monster's Ball) und Denzel Washington (Training Day) hält an: Gewinnen sie nicht, sind Diskriminierungs-Vorwürfe zu erwarten.

Die Schlammschlacht kommt nicht von ungefähr: Schließlich geht es bei den Oscars um viel Geld. Der Preis für den besten Film bedeutet mindestens 100 Mill. $ zusätzlicher Einnahmen an der Kinokasse und beim Video-Verkauf. "Für die Studios ist das wie ein Hauptgewinn", sagt Linda Mann, Chefin von Deignan/Mann, einer auf Unterhaltung spezialisierten Marketing-Agentur. Auch die Filmstars profitieren: "Für relativ unbekannte Schauspieler kann das Honorar für einen Film nach dem Oscar-Gewinn über Nacht von 250 000 $ auf 5 Mill. $ steigen", erklärt Mann.

Allein die Nominierungen für den Oscar machen sich schon beim Umsatz der Studios positiv bemerkbar. Bestes Beispiel: Moulin Rouge, der nicht nur für den besten Film nominiert ist, sondern mit Hauptdarstellerin Nicole Kidman zudem noch Chancen auf einen Oscar für die beste Hauptdarstellerin hat. Nach der Nominierung stiegen die Umsätze aus dem DVD-Verkauf um 160%, obwohl der Film in den Kinos kein Kassenschlager war. "Alle nominierten Filme haben eine Umsatzsteigerung erfahren, und bei Moulin Rouge war es eben bei den Videos, weil der Film nicht mehr im Kino läuft", sagt Steve Feldstein, Sprecher für den Geschäftsbereich Home Entertainment beim Studio 20th Century Fox.

Auch "Herr der Ringe" könnte durch einen Oscar zum neuen rekordverdächtigen Umsatzschlager werden: Weltweit spielte der Streifen bereits 800 Mill. $ ein. In den USA hat er mit Einnahmen von 315 Mill. $ den Kassenschlager "Harry Potter" überholt. Experten rechnen damit, dass eine Oscar-Verleihung die Einnahmen an den Kinokassen auf 1 Mrd. $ steigern könnte. Damit hat "Herr der Ringe" beste Chancen, den Schmacht-Streifen "Titanic" als kommerziell erfolgreichsten Film aller Zeiten abzulösen. Auch das amerikanische Kino feiert Rekorde: Das vergangene Jahr war das beste der US-Filmgeschichte. Es wurden Kinokarten im Wert von 8,41 Mrd. $ verkauft.

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