Herr der Vernetzung
Interview mit Albert Goller, Leiter Zentralstelle E-Business

Albert Goller soll die ehrgeizige Strategie des Siemens-Konzerns umsetzen. Als Leiter eines "Center of Excellence" koordiniert er künftig alle Siemens-Aktiviäten im E-Business.

DÜSSELDORF. Das Ziel, das der Konzern mit seinen E-Business-Aktivitäten erreichen will, ist hoch: Kosteneinsparungen in Höhe von 2 bis 3 % des Umsatzes, mittelfristig sogar 3 bis 5 %. Der online abgewickelte Anteil des Einkaufs soll auf 50 % gesteigert werden. Derzeit liegt er bei 10 %. Alle Prozesse sollen in Zukunft elektronisch ablaufen: Vom Einkauf bis zur Vermarktung. Seine Strategie beschreibt Goller gegenüber Handelsblatt.com so: "Wir bündeln das Wissen, das es in dem Konzern, der in über 190 Ländern vertreten ist, bereits gibt. Wie sind so eine Art Katalysator. Wir treiben innovative Geschäftsideen voran und stellen sie anderen zur Verfügung." Konkret bedeutet das: Hat ein Mitarbeiter in Hongkong ein bestimmtes Problem, gibt er es elektronisch ein. Wahrscheinlich hat sich irgend ein Kollege weltweit schon mal damit beschäftigt und kann seine Erfahrungen mitteilen. So werden Ressourcen gespart.

Aber die Aufgabe von Goller und seinem 42-köpfigen Business Team geht weit über Wissensmanagement hinaus. Um sämtliche Aktivitäten im Konzern mit seinen 440 000 Mitarbeitern zu vernetzen, ist vor allem Überzeugungsarbeit nötig. Der 40-Jährige ist seit 1973 im Konzern tätig und kennt die Geschäftsprozesse. Um nicht in das "Spannungsfeld zwischen Zentrale, Regionen und Bereichen gedrückt zu werden", hat er den Platz für seine Abteilung außerhalb eines Siemens-Headquarters am Münchener Flughafen gewählt. Hier hoffen er und seine Truppe, den "E-Spirit" zu bekommen. Goller bietet hier auch Start-ups einen Brutplatz, um von Synergien zu profitieren. B.Focus, MobilePress, The Agilience Group und Siemens Mobil Travel sind bereits eingezogen. Siemens fungiert auch als Venture Capital Geber.

Das Hauptziel bleibt, die Kosten im Konzern zu senken. Beispielsweise soll mit Click2procure ein Marktplatz mit weltweitem katalogbasiertem Bestellsystem, E-Ausschreibungs- und Auktionstool sowie Informationsquellen wie zum Beispiel einer globalen interaktiven Lieferantendatenbank entstehen. Das Unternehmen hofft hier auf seinen Wissensvorsprung in bestimmten Bereichen. In Krankenhäusern - einem der Hauptabnehmer von Siemens-Produkten - sollen Internetlösungen wie die Vernetzung, Überwachung und Auswertung von Patientendaten und der automatischen Online-Instruktion der Ärzte und des Pflegepersonals verkauft werden.

Siemens kooperiert mit i2 Technologies, IBM und Commerce One. i2 Software ist gefragt bei dem Aufbau von Marktplätzen, wenn beispielsweise eine Ausschreibung realisiert wird. IBM hat sich Siemens ins Boot geholt, um die Auftragsweitergabe zu optimieren.

Gollers Team besteht aus Leuten unterschiedlicher Richtung: Experten für Informations- und Kommunikationsstrukturen, für Produktion und Logistik, für Business Services und für Mobile Business, Spezialisten für E-Procurement und E-Commerce und Prozessexperten für Knowledge Management und E-Recruitment.

Weitere "Center of Excellence" sollen in Atlanta (USA) und Singapur (Asien) gegründet werden. Sie sollen der Zentrale in München Detailwissen über die Länder liefern.

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