"Herr Kaiser" berät nicht unabhängig
Gebühren und falsche Etiketten

Wer sich von einem Vermögensberater beraten lässt, bekommt längst nicht in jedem Fall eine unabhängige, kompetente Finanzplanung.

fgh DÜSSELDORF. Ein Beispiel dafür, wie Versicherungskonzerne die Beratung und Finanzplanung ihrer Kunden mittels Strukturvertrieb wahrnehmen und ausbauen, liefert die zur Ergo-Gruppe gehörende Hamburg-Mannheimer Versicherungs-AG (HM). Sie widmet sich seit Anfang dieses Jahres besonders der von den Banken vernachlässigten Zielgruppe der "breiten Mitte" der Haushalte mit einem Nettoeinkommen zwischen 4 000 und 8 000 DM. Die auch dank der "Herr Kaiser"-Werbung bekannt gewordene Versicherung kassiert für eine Beratung über Vorsorge, Vermögensaufbau, Portfolio-Design und Steueroptimierung 275 DM Gebühr vom Kunden.

Kunden, die als Gegenleistung für diese Gebühr eine unabhängige Beratung erwarten, liegen allerdings falsch. Denn die durch den eigenen Strukturvertrieb, von Banken, Maklern und Mehrfachagenten angebotenen Produkte dürfen nach Angaben des HM-Vorstandsvorsitzenden Götz Wricke nur aus dem eigenen Haus stammen. Die HM plant weiterhin, bis Mitte 2001 zehn Büros mit jeweils 10 bis 15 Beratern in deutschen Großstädten zu eröffnen. Wie viele dieser so genannten "Financial Planning Center" bislang eröffnet wurden, wollte das Unternehmen auf Anfrage nicht mitteilen. Immerhin dürfte die Namensgebung den Verbraucher schon jetzt in die Irre führen. Denn während in den Büros der HM nur zu Gunsten der Eigenprodukte beraten wird, sehen die Richtlinien zur Ausbildung eines "Certified Financial Planners" gerade dessen Verpflichtung zur produktneutralen Vermögensplanung und-strukturierung der Kundengelder vor.



Vermögensverwalter begrüßen Qualitäts-Maßnahmen



Dass es - im Sinne des Kunden - auch anders geht, wird am Finanzplatz Luxemburg bewiesen. Dort werden, bedingt durch die hohe Bankendichte, nicht nur hohe Anforderungen an die Kernkompetenzen von Vermögensplanern gerichtet. Auch für Vermögensverwalter gibt es hier bereits transparente Normen. Die Qualität der Leistung wird durch Zertifizierungen in der Vorgehensweise sowie durch Benchmark-Vergleiche der Ergebnisse überprüft. Die GZ-Bank International S.A. beispielsweise prüft die Qualität in der Vermögensverwaltung durch eine Zertifizierung, die nach dem Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems nach ISO 9001 erteilt wird.



Beim Frankfurter Verband der Unabhängigen Vermögensverwalter, dessen rund 60 angeschlossene Firmen nach eigenen Angaben ein Kundenvermögen von 15 Mrd. DM verwalten, sieht man das Vorhaben von ISO und DIN differenziert. VUV-Vorstand Lutz Gebser sagte im Gespräch mit Handelsblatt.com: "Eine normierte Beratung macht keinen Sinn. Es gibt zu viele unterschiedliche Anlagetypen. Dem kann man mit einer Norm nicht beikommen. Die Qualität einer Vermögensberatung kann so nicht gemessen werden."



Doch auch er gibt zu, dass dem angekratzen Image der Vermögensberatungsbranche ein wenig mehr Ansehen und ein Vertrauen schaffendes Gütesiegel nicht schaden könnte: "Jede Maßnahme, die geeignet ist, die Qualität und den Anspruch der Vermögensberatung zu erhöhen und die diejenigen Berater vom Markt fernhält, die nur auf schnelles Geld aus sind, finden wir gut." Sein Verband begrüße daher jede Initiative, die auch das "Standing" des Vermögensverwalters im Kapitalmarkt stärke.



Weitere Informationen zum Berufsbild des Vermögensverwalters finden sie hier.

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