Hersteller aus Hilden hat 95 Prozent Marktanteil
Dosenpfand erfreut die Hersteller von Rücknahmeautomaten

Wenn das geplante Pflichtpfand auf Dosen und Einwegflaschen tatsächlich kommt, steht vor allem ein Unternehmen auf der Siegerseite: Der Gerätefabrikant Tomra Systems aus dem nordrhein-westfälischen Hilden, der die deutschen Supermärkte nahezu im Alleingang mit Rücknahmeautomaten bestückt.

dpa-afx HILDEN/BERLIN. In den meisten Geschäften werden leere Flaschen und Kästen zwar bis heute vom Personal angenommen und sortiert, doch die Automaten sind angesichts von Preiskampf und Rationalisierungszwang im Lebensmitteleinzelhandel auf dem Vormarsch. Spätestens mit der Einführung des Dosenpfands dürften vollautomatische Sortier-Terminals unumgänglich werden. Ein Glücksfall für Tomra mit seinen rund 95 % Marktanteil. Die Hildener Firma, hinter der ein norwegischer Großkonzern steht, kann mit vollen Auftragsbüchern rechnen.

Stolze 25&nbsps;000 bis 35 000 DM kostet ein Rücknahmeautomat je nach Ausführung bei Tomra Systems. Er besteht aus einem Annahmeterminal, in den die Supermarktkunden ihr Leergut stellen, sowie aus einem Transportband und Sammelbehältern im Hintergrund. Der deutsche Tomra-Chef Thomas Dory lobt die Vielfältigkeit der Anlagen: Über 2000 verschiedene Getränkekästen, mehr als 500 verschiedene Flaschen und die marktüblichen Dosenformate in Deutschland könnten die Automaten erkennen und sortieren.

Manuelle Annahme kostet rund 30 000 Mark im Jahr

Mehrweg- und Einwegflaschen lassen sich dabei anhand der Glasdicke unterscheiden, Dosen kommen direkt in eine angeschlossene Blech-Presse, PET-Flaschen werden meist gleich zerstückelt. Der Kunde erhält einen Bon über den Pfandbetrag. "Die Anschaffungskosten haben sich blitzschnell amortisiert", sagt Dory. Die manuelle Leergut-Annahme koste einen mittelgroßen Supermarkt schließlich jedes Jahr an die 30 000 DM.

Auch der Handel geht davon aus, dass alles auf eine Automatisierung der Leergutannahme hinausläuft. Flaschen und Kästen ließen sich ja noch recht sauber annehmen und wegsortieren, aber mit "zerknüllten und tropfenden Dosen, die tütenweise angeschleppt werden, wird es dann unhygienisch", warnt Hubertus Pellengahr vom Hauptverband des deutschen Einzelhandels (HDE). "Das geht nur in Automaten." Große SB-Märkte auf der Grünen Wiese dürften seiner Prognose nach nicht nur einen, sondern gleich mehrere Automaten benötigen, wenn ab Mitte nächsten Jahres oder spätestens Anfang 2002 das erwartete Pflichtpfand auf Einweg kommt.

Handelsbranche erwartet Kosten von mehr als vier Milliarden Mark

Über die Kosten, die auf die geplagte Handelsbranche zukommen, gibt es höchst unterschiedliche Vorhersagen. Während das Bundesumweltministerium den Aufwand für Rücknahmesysteme auf 600 bis 900 Mill. DM veranschlagt, geht der HDE von rund 4,0 Mrd. DM aus. An die 200 000 Rücknahmeautomaten würden bundesweit gebraucht, und die könne Tomra so schnell gar nicht fertigen. Tomra Systems selbst gibt die Zahl der erwarteten Neubestellungen mit 30.000 bis 40D 000 Automaten denn auch deutlich bescheidener an. Derzeit stehen erst 6 000 Rücknahme-Terminals in deutschen Geschäften.

Wie in Schweden will der europäische Marktführer Tomra auch in Deutschland ab 2001 Automaten mit einer Spendentaste anbieten. Kunden können ihre Pfandbeträge - beispielsweise 30 Pfennig für eine Glas-Mehrwegflasche, sechs DM für einen Bierkasten oder künftig 50 Pfennig je Dose - dann per Knopfdruck der Deutschen Umwelthilfe zukommen lassen. Die fördert dann je nach Region gezielt Umweltprojekte. Auch Werbezettel könnte der Automat ausspucken - etwa für ein Limonaden-Sonderangebot im Nachbarregal.

Für Pellengahr sind diese Sonderoptionen eine "nette Idee", auch wenn der Handel auf das Dosenpfand ebenso wie auf die teuren Automaten "liebend gerne" verzichten würde. Er hat auch schon eine Idee für die Spendentaste: "Damit könnte man ja den notleidenden Handel unterstützen", regt der HDE-Sprecher schmunzelnd an.

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