Hersteller bauen Überkapazitäten ab
Der Handymarkt wächst langsamer

Der weltweite Mobilfunkmarkt hat sich gründlich gewandelt. Schienen vor einigen Monaten die Bäume für die Handyhersteller noch in den Himmel zu wachsen, so bestimmen jetzt pessimistischere Prognosen das Bild. Gewinnwarnungen sind an der Tagesordnung, die Absatzplanungen werden nach unten revidiert.

DÜSSELDORF. Das Jahr 2000 war für den Handymarkt offensichtlich das Jahr mit den höchsten Wachstumsraten. Jetzt wächst der Absatz zwar weiter, doch langsamer als geplant und weniger stark als im Vorjahr. Das Marktforschungsinstitut Gartner Dataquest hat für das vergangene Jahr einen weltweiten Absatz von 412 Millionen Handys ermittelt, ein stolzes Wachstum von 45,5 % gegenüber dem Vorjahr.

Doch seit Jahresanfang werden die Hersteller mit ihren Prognosen vorsichtiger. Weltmarktführer Nokia erwartet jetzt für das laufende Jahr nur noch einen Gesamtmarkt von 450 bis 500 Millionen verkaufter Handys. Ende Januar hatten die Finnen noch mit einem weltweiten Absatz von rund 550 Millionen Mobiltelefonen gerechnet. Auch die anderen großen Anbieter wie Motorola, Ericsson und Siemens erwarten ein schwächeres Wachstum des Weltmarktes als noch vor einigen Monaten. Mit Prognosen über den eigenen Absatz halten sich die meisten Hersteller inzwischen zurück.

Ihre Kapazitäten hatten die Hersteller auf einen Weltmarkt von 550 Millionen Mobiltelefonen ausgelegt. "Die Folgen sind Überkapazitäten bei den Herstellern", sagt Technologie-Analyst André Jäkel von der BHF-Bank. Dadurch liegen bei vielen Händlern und Herstellern Handys auf Lager und lassen sich jetzt nur mit hohen Abschlägen verkaufen. Alcatel hat deshalb vor kurzem bekannt gegeben, dass die Produktion in den beiden französischen Werken für insgesamt zwei Wochen ruhen soll, um die hohen Lagerbestände abzubauen. Motorola, immerhin weltweit zweitgrößter Hersteller, will im Laufe des Jahres 7 000 Stellen im Handybereich streichen, ein deutliches Zeichen für Überkapazitäten. "Die Hersteller passen ihre Kapazitäten an die reduzierten Markteinschätzungen an", erläutert Analyst Jäkel.

Gesättigte Märkte

Obwohl weltweit erst 12 % der Bevölkerung ein Handy besitzt, sind in vielen europäischen Ländern die Märkte doch gesättigt. Vor allem in Skandinavien und Italien aber auch in England und Deutschland hat über die Hälfte der Bevölkerung bereits ein Handy, da wird es für die Netzanbieter schwieriger und teurer, neue Kunden zu gewinnen.

Damit wird der Ersatzmarkt immer wichtiger. Hier sind Marke und Design entscheidend. Wer nicht die richtigen Modelle anbieten kann, wie lange Zeit Ericsson und Motorola, verliert Marktanteile. Wenn dann noch die Kosten zu hoch sind wie bei Ericsson, stellen sich schnell rote Zahlen ein. Aus diesem Grund haben die Schweden vor kurzem entschieden, ihre gesamte Handyfertigung an den US-Konzern Flextronics abzugeben. Andere wie Siemens und auch Nokia erhöhen den Anteil der bei fremden Firmen gefertigten Handys.

Zudem spürt die Branche vor allem in Europa eine deutlich zurückhaltendere Einkaufspolitik der Netzanbieter. "Die Anbieter verschleudern ihre Bestände in der jetzigen GSM-Technik und halten sich mit Bestellungen zurück, weil sie auf den neuen Standard GPRS setzen", erläutert Jäkel. Die Branche hoffe auf eine hohe Nachfrage nach diesen neuen Handys im zweiten Halbjahr. Auf der nächste Woche beginnenden Cebit in Hannover wollen die Netzgesellschaften für ihre GPRS-Dienste werben, von den Handy-Herstellern werden Aussagen erwartet, wann die GPRS-Handys endlich auf den Markt kommen sollen.

Zusätzliche Probleme bereitet den Handyherstellern, dass die Netzgesellschaften die Subventionen für die Mobiltelefone kürzen, da sie selber weniger Geld haben. "Dies macht den Markt schwieriger", betont Jäkel. Nokia könne dies durch seinen höheren Marktanteil ausgleichen, andere bekämen Probleme. Deshalb erwartet er, dass kleinere Anbieter wie Alcatel oder Philips aus dem Markt aussteigen oder verstärkt mit anderen Anbietern kooperieren. Eine Mindestmenge von 60 Millionen Handys sei nötig, um dauerhaft rentabel zu arbeiten. Diese Zahl haben im vergangenen Jahr lediglich Nokia und Motorola erreicht. Trotzdem sieht Analyst Jäkel die Probleme der Handybranche als wesentlich geringer an als in vielen anderen Konsumbranchen. Der Markt wachse immer noch mit Raten, von denen andere nur träumen könnten.

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