Hersteller bewegt sich in einem Nischenmarkt
Hop Lun macht Unterwäsche zum modischen Event

Der Hongkonger Wäschehersteller Hop Lun hat mit seiner modischen Dessous-Kollektion eine Marktnische entdeckt. Wäsche, nicht nur für drunter, sondern auch für drüber.

KAARST. Erik Ryd, Gründer des Damen-Dessous-Herstellers Hop Lun in Hongkong, dachte nicht an die aufmüpfigen 68er Polit-Revolutionäre, als er seiner Wäschekollektion den Markennamen Sixty Eight verpasste. Der Schwede, der als ehemaliger Wäscheeinkäufer von Hennes & Mauritz nach Hongkong gekommen war und hier seine Zelte aufgeschlagen hat, meinte es philosophisch, als er sich für den außergewöhnlichen Markennamen mit der eigenwilligen Schreibweise "6ixty 8ight" entschied. Im chinesischen Feng Shui ist die Zahl sechs der Begriff für Geld und Wohlstand, die Zahl acht steht für ein langes Leben.

Wirtschaftliche Erfolge kann der Schwede bereits aufweisen. Das 1992 in HongKong unter dem Phantasie-Namen "Hop Lun" gegründete Unternehmen mit 15 Vertriebsgesellschaften und 25 Vertriebsagenturen weltweit, macht 300 Mill. Euro Umsatz. Ryd betreibt zwei Produktionsstätten in China und eine in Bangladesh. Kerngeschäft von Hop Lun ist das Private-Label-Geschäft, das heißt, die Produktion von Eigenmarken für Einzelhändler wie Hennes & Mauritz, Tchibo, Auchan oder Carrefour. Damit macht der Hersteller zwei Drittel seiner Erlöse. Den Fuß nach Deutschland setzte das Hongkonger Unternehmen 1999 mit der Gründung der Hop Lun GmbH in Kaarst bei Düsseldorf.

Als im Private-Label-Geschäft die Wachstumsraten niedriger wurden, beschloss Erik Ryd Neuland zu betreten: den Aufbau einer Kollektion unter eigener Marke - halt "Sixty Eight". Mit der ersten Kollektion kam Hop Lun Anfang 2002 auf den Markt.

Dass man für den Wechsel in ein neues Geschäftsfeld - und wenn es nur der Aufbau einer Marken-Kollektion in einem ansonsten bekannten Produktionsgebiet ist - andere Erfahrung braucht, merkte das Unternehmen schnell. "Wir haben Fehler gemacht", gibt Petra Steinheimer, Geschäftsführerin der Hop Lun GmbH Deutschland, zu. "Wir stellten fest, dass man mit Marken anders arbeiten muss, als im Private Label-Geschäft."

Das Zeitmanagement stimmte zunächst nicht. Im Geschäft mit der Handelsmarke kommen Kunden wie Hennes & Mauritz oder Tchibo schon mit Konzepten und klaren Vorstellungen zu Hop Lun. "Bisher hatten wir einen fertigen Auftrag", berichtet Steinheimer, "dann sind wir losgezogen und haben das Material eingekauft und alles weitere erledigt". Bei der ersten eigenen Markenkollektion berücksichtigte das Unternehmen den Vorlauf zu wenig und begann zu spät mit der Produktion. Daraus hat man inzwischen gelernt, ein Unternehmens-Splitting vorgenommen und mit der Hop Lun International Fashion ein eigenes Brand-Team (Marken-Team) gegründet. Der andere Unternehmensteil, die Hop Lun Hongkong Ltd., führt das Private-Label-Geschäft.

Mit ihrer trendigen Kollektion für topmodische Frauen jeder Altersgruppe, die über den gehobenen Facheinzelhandel, Filialisten, Warenhäuser und Versender vermarktet werden, traf Hop Lun offenbar den Nerv der Zeit. "Die Kollektionen kamen gut an", berichtet Steinheimer. Etwa 10 Mill. Euro setzt Hop Lun in Deutschland mit den eigenen Marken um - weltweit sind es bereits 100 Mill. Euro. Anbieter mit einer vergleichbaren modischen Aussage im Preissegment zwischen 19,95 und 35 Euro sieht Steinheimer nicht. Das Besondere an der Kollektion: Sie ist so modisch, dass sie nicht nur als Wäsche, sondern auch als Oberteil getragen werden kann. Diese Einschätzung teilt auch Margit Jandali, Geschäftsführerin von Mode Media, Presse-Company der Düsseldorfer Mode-Messe Igedo: Es sei Hop Lun gelungen, eine Nische zu besetzen, da andere Anbieter bei jungen Leuten nicht so stark vertreten seien.

Durch die ersten Erfolge mutig geworden, legte Hop Lun unter dem Namen "No Romeo" auch eine Kollektion für Teens und junge, sehr trendige Frauen auf. Bei seiner Bademode (O-Beach) brachte Hop Lun den ersten Wende-Bikini auf den Markt. Das neueste Projekt ist eine Linie im hochwertigen Bereich unter dem Namen "Marie Meili". "Wir meinen, dass wir es billiger können als namhafte Unternehmen wie beispielsweise La Perla", rechnet sich Steinheimer aus.

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