Hersteller entwickeln Verkaufs- und Informationsterminals
Banken rüsten ihre Geldautomaten auf

Geldautomaten werden bald viel mehr können als nur Geld auszahlen: mit Internet-Anschluss und persönlicher Ansprache an die Kunden. Der Verkauf von bankfremden Produkten wird möglich. Internet-Surfen vor dem Bank-Automaten steht aber nicht auf dem Programm.

DÜSSELDORF. Geldautomaten stehen heute an jeder Straßenecke und werden rege genutzt: Rund 80 % der Bargeldversorgung erfolgt über diese Maschinen. Jetzt rüsten die Kreditinstitute ihre Automaten mit neuen Funktionen auf. Während die Apparate bisher lediglich Banknoten ausspucken, werden sie künftig auch Geldscheine annehmen. "Vor allem kleinere Händler haben Interesse an dieser Funktion", erläutert Konstantin Koenigs, Vertriebs- und Marketingchef für Mitteleuropa beim weltweit größten Hersteller NCR. Während große Handelskonzerne über ihre Zentralkassen und Werttransporte direkt bei den Banken einzahlen, nutzen mittelständische Händler bisher oft die Nachttresore.

Von der Einzahlung über Automaten hätten beide Seiten Vorteile: Für die Kunden wird es einfacher, die Kreditinstitute sparen Arbeit der Kassierer ein. Ab 200 Einzahlungen im Monat lohnt sich die Aufstellung eines Geldeinzahlautomaten, sagt Uwe Krause, Marketingdirektor bei Wincor Nixdorf, Marktführer in Deutschland. NCR hat bereits 18 Automaten an die Sparkasse Hof verkauft und berichtet über eine gute Akzeptanz.

Allerdings können diese Automaten das eingezahlte Geld nicht direkt wieder an Kunden ausgeben. Dieser geschlossene Kreislauf ist in Deutschland wegen Bedenken der Zentralbank bisher nicht erlaubt, noch in diesem Jahr soll sich das aber ändern. In der Schweiz sind diese so genannten Recycling-Automaten bereits seit drei Jahren in Betrieb - vor allem in Fußgängerzonen und Shoppingcentern. Das Problem der Recycling-Automaten: Ein- und Auszahlungen müssen etwa gleich groß sein, sonst muss zu häufig nachgefüllt oder geleert werden. Deshalb erwartet NCR-Manager Koenigs, dass Recyclingautomaten eher die Ausnahme bleiben werden. Doch vor allem in den USA setzen Kreditinstitute und Hersteller die Geräte jetzt verstärkt ein, um das Kundenverhalten zu testen.

Künftig sollen Bankautomaten aber noch viel mehr als nur die Bargeldversorgung regeln. "Technisch ist vieles möglich", sagt Uwe Krause von Wincor Nixdorf. "Die Frage ist, ob Banken und Kunden es akzeptieren." Wincor Nixdorf hat in Spanien bereits mehrere Automaten ausgeliefert, die Eintrittskarten für Veranstaltungen verkaufen; in Frankreich geben Automaten Briefmarken aus. Dies wird in Deutschland zumindest in den Bankfilialen aber die Ausnahme bleiben. Koenigs erwartet eher Werbung für banknahe Produkte. "Anderes werden die Banken nicht erlauben", meint Krause.

Anders sieht es bei Bankautomaten aus, die außerhalb der Bankfilialen aufgestellt werden. Hier erwartet Koenigs zahlreiche Werbeansprachen oder auch die Ausgabe von Coupons.

In etwa zwei Jahren soll es sogar möglich sein, Mobilfunkkarten am Bankautomaten aufzuladen. Die Verhandlungen zwischen Banken und den Mobilfunkanbietern über die notwendigen Standards laufen bereits.

Geldautomaten werden demnächst auch an das Internet angeschlossen. Surfen am Automaten oder die E-Mail auf den Kontoauszug drucken stehen aber nicht auf dem Programm. Dies würde zu lange dauern und wartende Kunden verärgern. Wolfram Köhler, Vertriebsleiter bei Diebold, sieht vor allem die Möglichkeit, den Kunden individuell anzusprechen, da er sich über seine Kontonummer ja identifiziert hat. Koenigs hält es auch für möglich, einfache Produkte ohne große Auswahlmöglichkeiten wie Pauschalreisen zu festgelegten Terminen über den Bankautomaten zu verkaufen. "Die Transaktion darf aber allerhöchstens eine Minute dauern", sagt Köhler.

Bereits heute arbeiten Handy und Geldautomat zusammen. So hat NCR kürzlich in Dänemark bei der Spar Nord Bank und der Laan & Spar Bank drei Automaten aufgestellt, bei der die Kunden per Handy den abzuhebenden Betrag festlegen und die Pin-Nummer eingeben. Über eine Infrarotschnittstelle werden die Daten an den Geldausgabeautomaten übertragen, was Kartenbetrügern das Erspähen der Pin-Nummer erschwert. Um die Sicherheit am Geldautomat ist es allerdings gar nicht schlecht bestellt: Missbrauch ist äußerst selten.

Deshalb sieht Konstantin Koenigs von NCR auch keinen Bedarf für biometrische Sicherheitsmaßnahmen wie Fingerabdruck oder Iris-Vergleich. Und Wolfram Köhler von Diebold weist darauf hin, dass dazu auch erst wieder einheitliche Standards entwickelt werden müssten. Neue Sicherheitsmaßnahmen kommen deshalb wohl erst, wenn sie nur geringe Änderungen am Netzwerk der Automaten erfordern. Zur Verbesserung der Sicherheit reicht es nach Ansicht der Hersteller aus, die Daten auf dem Chip statt auf dem Magnetstreifen zu speichern.

Von WOLFGANG GILLMANN, Handelsblatt

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