Hersteller erwarten Preiserhöhung in kleineren EU-Ländern
Neue Regelung verändert Automarkt nur langsam

Die von der EU-Kommission beschlossene Neuordnung des Automobilhandels wird die Branche nicht von heute auf morgen revolutionieren.

zel DÜSSELDORF. "Es wird sich nur langsam etwas bewegen", sagte Jürgen Creutzig, Präsident des europäischen Autohändlerverbandes Cecra, in einer ersten Reaktion auf die Brüsseler Entscheidung. Autofahrer könnten nicht damit rechnen, dass sich das Preisgefüge auf einen Schlag ändern würde.

Unklarheit herrscht allerdings darüber, in welche Richtung sich die Preise verändern werden. Verbraucherverbände äußerten sich optimistisch, vor allem in Ländern mit hohen Autopreisen wie Deutschland und Österreich würden die Preise fallen. "Davon profitiert der deutsche Autokäufer", sagte auch Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Gelsenkirchen.

Aus Industrie und Handel kommen ganz andere Stimmen. Die Automobilhersteller bestätigen zwar, dass sich die Preise in Europa angleichen werden. Das allerdings nur in einer Richtung: In Ländern mit niedrigen Preisen wird es deutliche Erhöhungen geben. "In den großen Märkten bleiben die Preise mehr oder weniger stabil", betonte Klaus Fricke, Marketing-Chef in der Turiner Fiat-Zentrale. Von Preissteigerungen würden vor allem Südeuropa, die skandinavischen Länder sowie der Benelux-Bereich betroffen sein. Wegen der niedrigen Renditen bei Herstellern und Händlern sei nicht daran zu denken, dass die Autopreise entscheidend fallen.

Renault hat bereits vor der Brüsseler Entscheidung den Anfang mit Preiserhöhungen gemacht: Zum 1. Juli sind Autos des französischen Herstellers in Dänemark um durchschnittlich 6,5 % teurer geworden. Von Fiat verlautete dazu, dass der italienische Hersteller in ähnlichem Umfang wie Renault für den Herbst Preiserhöhungen plane. In einer ersten Runde seien Griechenland, Portugal, Spanien und Dänemark davon betroffen. Später kämen Belgien und die Niederlande dazu. Die Autohändler rechnen nicht mit einer völligen Angleichung der Preise. "Eine Differenz von acht bis zehn Prozent wird immer bestehen bleiben", glaubt Cecra-Präsident Creutzig.

Entscheidende Veränderungen sind auf Seiten der Händler zu erwarten. "Der zusätzliche Wettbewerb sorgt für eine Konzentration", sagte Erik Burgold, Automobilanalyst bei der Frankfurter BHF-Bank. Der ohnehin schon bestehende Strukturwandel auf Seiten der Händler werden durch die Brüsseler Neuregelung noch einmal beschleunigt: Kleinere Handelsbetriebe verschwänden vom Markt.

Nicht ganz zufrieden mit der Monti-Entscheidung zeigte sich der Verband der Automobilindustrie (VDA), die einflussreiche Interessenorganisation der deutschen Hersteller. "Wir hätten uns eine klarere Regelung der Markenexklusivität gewünscht", sagte VDA-Präsident Bernd Gottschalk. Der Verband stört sich daran, dass vom Jahr 2005 an tatsächlich europaweit eine Niederlassungsfreiheit für die Händler eingeführt und auch grundsätzlich der Mehrmarkenhandel zugelassen wird. Ein VDA-Sprecher ergänzte, dass der Verband trotzdem "gelassen" auf das Monti-Papier reagiere. Eine Reihe von Vorschlägen aus der Autoindustrie seien noch in die Brüsseler Regelungen eingeflossen.

Positiv reagierte der Einzelhandel auf die Entscheidung der EU-Kommission. Die Liberalisierung des Autohandels sei dringend notwendig und sorge für mehr Wettbewerb, sagte ein Sprecher des deutschen Einzelhandels-Verbandes HDE.

Quelle: Handelsblatt

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