Hersteller erwartet 2002 nur bescheidenes Wachstum
Wincor Nixdorf baut Auslandsgeschäft aus

Nach dem hohen Wachstum im vergangenen Jahr stellt sich die Wincor Nixdorf GmbH & Co. KG, Paderborn, auf schwierigere Zeiten ein. "Das Jahr wird nicht ganz so einfach", sagt Karl-Heinz Stiller, Vorsitzender der Geschäftsführung, im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Unsere Kunden haben Kostenprobleme." Das im September abgeschlossene Geschäftsjahr 2000/01 hat dem Hersteller von Geldautomaten und Kassensystemen, der sich in Deutschland als Marktführer und weltweit als jeweils drittgrößter Hersteller sieht, ein Umsatzplus von 9 % auf 1,46 Mrd. Euro gebracht.

PADERBORN. Jetzt wäre Stiller mit einem schwachen Zuwachs zufrieden. Vor allem das Inlandsgeschäft lahmt. Die Banken haben im Vorjahr wegen der Euroeinführung und neuer Sicherheitsvorschriften stark investiert und halten sich derzeit mit Investitionen zurück.

Trotzdem gilt der Markt für Geldautomaten als Wachstumsfeld, da die Geräte verstärkt auch außerhalb von Bankfilialen aufgestellt werden. "Dieser Trend könnte zum Wachstumsmotor für den gesamten europäischen Geldautomatenmarkt werden", schreibt die Unternehmensberatung Frost & Sullivan in einer Branchenanalyse. Das Institut erwartet für den Markt in Europa einen Anstieg von 6 auf rund 10 Mrd. $ in den nächsten fünf Jahren. Das sieht auch Konstantin Koenigs so, Vertriebs- und Marketingchef für Mitteleuropa bei NCR, dem weltweit größten Hersteller von Geldautomaten. "Die Geräte werden künftig dort aufgestellt, wo die Kunden sind. Hier hat Deutschland Nachholbedarf gegenüber den USA und Großbritannien." Auch die Einführung von Geldautomaten für Einzahlungen wird dem Markt Impulse geben, ist Koenigs überzeugt.

Schwieriger sieht es im Arbeitsgebiet Kassensysteme aus. Hier erreichte Wincor Nixdorf auch im an sich guten Vorjahr im Inland nur ein leichtes Plus. Der Handel kämpft weiter mit Ertragsproblemen. Wachstum erwartet Stiller für das Gesamtgeschäft vorwiegend aus dem Ausland, wo es im vergangenen Jahr bereits ein Plus von 18 % gab. Stiller erwartet, dass der Auslandsanteil um einen Punkt auf 57 % steigen wird. Impulse soll der Ausbau des Kerngeschäfts in angrenzende Märkte bringen: "Wir wollen die komplette Wertschöpfungskette anbieten", betont Stiller.

So gewann Wincor Nixdorf Aufträge für Abrechnungssysteme in Lotto-Annahmestellen. Auch in der Gastronomie und in Tankstellen konnten die Paderborner mit ihren Abrechnungssystemen punkten. "Dieser Markt entsteht jetzt erst", freut sich Stiller. Der Gewinn soll aber trotzdem weiter steigen. Im vergangenen Jahr kletterte er von 77 auf 86 Mill. Euro. "Alle Geschäftsfelder arbeiten mit Gewinn. Wir streben weiter zweistellige Zuwachsraten beim Ebita an", betont der

Stiller präsentiert sich als strenger Kostenrechner: "Wir machen lieber kein Geschäft als ein schlechtes." Es bleibe bei dem bisherigen harten Kostenmanagement, zu dem auch gehört, dass es an der Spitze des Konzerns nur zwei Geschäftsführer gibt. Die Kosten sollen weiter pro Jahr um 10 % sinken.

Günstig für die Finanzierung des Wachstums wirkte sich aus, dass die neuen Eigentümer weiter auf eine Dividende verzichten. Die US-Finanzinvestoren Kohlberg Kravis Roberts & Co. Ltd und Goldman Sachs & Co. hatten zum 1. Oktober 1999 das Unternehmen von Siemens gekauft und wollen es mittelfristig an die Börse bringen. Dabei lassen sich die Investoren gerade angesichts der flauen Börsenkonjunktur Zeit.

Als weitgehend beendet sieht Stiller dagegen den Personalaufbau an. Nachdem im vergangenen Jahr die Zahl der Beschäftigten um rund 700 auf 4 430 gestiegen war, ist für dieses Jahr lediglich ein Plus von rund 100 geplant. Der Service-Bereich soll weiter gestärkt werden. Dafür hat Wincor Nixdorf vor kurzem von IBM Teile des Bereichs Financial Services mit rund 100 Beschäftigten gekauft. Stiller sieht dieses Geschäft, das bereits knapp 20 % Umsatzanteil erreicht hat, als wichtigen Baustein auf dem Weg des Konzerns zum Komplettanbieter an.

Als Wincor Nixdorf 1999 von Siemens verkauft wurde, musste die Service-Abteilung erst aufgebaut werden, jetzt besteht sie bereits aus rund 700 Personen. "Hier haben wir die Lücke geschlossen", sagt Stiller.

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