Hersteller experimentieren mit unterschiedlichen Betriebssystemen für Handys: Mobilfunker auf der Suche nach Standards

Hersteller experimentieren mit unterschiedlichen Betriebssystemen für Handys
Mobilfunker auf der Suche nach Standards

Damit neue Multimediadienste auf jedem Handy funktionieren, müssen sich die Mobilfunker auf zusätzliche Standards zu einigen. Das ist jedoch nicht einfach: Eigeninteressen stehen dem Ziel gelegentlich im Wege.

DÜSSELDORF. Die Mobilfunkbranche will das digitale Funknetz zu einer riesigen Multimedia-Drehscheibe ausbauen: Handynutzer sollen künftig nicht nur Hits oder Cartoons von Anbietern im Netz kaufen und auf ihr Handy laden, sondern die bunten Bilder und Töne auch mit Freunden tauschen können. Damit sie das tun können, ohne die Urheberrechte oder den Kopierschutz zu verletzten, muss eine Lösung her, mit der das Kopieren der Lieder, Fotos und Spiele abgerechnet werden kann. Noch gibt es ein solches Abrechnungssystem nicht. "Etwa 20 Prozent der Lösung haben wir, an dem Rest werden wir noch etwas arbeiten müssen", sagt Niklas Savander, Senior Vice President der Software-Sparte des weltgrößten Handyherstellers Nokia.

Kopierschutz und Urheberrecht, das sind Probleme, deren Lösung sich der finnische Konzern gemeinsam mit anderen Unternehmen in der Organisation Open Mobile Alliance (OMA) ganz oben auf die Fahnen geschrieben hat. Die OMA will offene Schnittstellen und Standards für die Branche schaffen, um Mobiltelefone und Netze unterschiedlicher Hersteller miteinander kompatibel zu machen und so die Verbreitung neuer Dienste zu fördern. Der erste Schritt zur Lösung des Kopierschutz-Problems: Die Unternehmen haben bisher eine Art Sperre entwickelt, so dass einmal heruntergeladene Songs nicht weiterverschickt werden können. "Aber das ist noch keine befriedigende Lösung", sagt Savander.

Die Mobilfunkbranche will ihre Umsätze mit mobilen Internetdiensten antreiben. Dazu gehören Services wie das Verschicken von Fotos, das Herunterladen von Spielen und anderen Inhalten aus dem mobilen Internet. Netzbetreiber wollen so die durchschnittlichen Erträge pro Kunde steigern, Hersteller von Mobiltelefonen hoffen, über die neuen Merkmale der Geräte ihren Absatz anzukurbeln.

Noch verzögert aber das Fehlen einheitlicher Standards die Akzeptanz vieler neuer Dienste. Die Interoperabilität sei noch nicht gegeben, sagen die Experten. Die Folgen: Werden beispielsweise Multimedia-Nachrichten mit Ton und Bild, kurz MMS genannt, von einem Siemens - zu einem Nokia-Handy verschickt, kommen sie teilweise noch unvollständig an. Immerhin: Abhilfe naht. "Wir haben uns auf einen entsprechenden Standard verständigt, er muss noch umgesetzt werden", sagt Savander von Nokia. Die nächste Generation der MMS-Handys werde wohl keine Probleme mehr bereiten.

Ein weiteres Projekt der OMA: eine stärkere Standardisierung von Java mit dem Ziel, dass Spiele, die mit der Software programmiert wurden, beim Verschicken von einem Handy zu einem Gerät eines anderen Herstellers in ihrer Ursprungsfassung ankommen und genauso genutzt werden können. Um die Kompatibilität zu verbessern, setzen Handyhersteller wie Siemens, Sony Ericsson und Matsushita auf die Softwareplattform "Serie 60" von Nokia. Diese basiert auf der Symbian-Software, einem Betriebssystem, das ein Konsortium aus Handyherstellern rund um Nokia und Motorola gemeinsam entwickelt hat. Ob noch weitere Handyhersteller die "Serie 60" von Nokia gegen Lizenzgebühren übernehmen werden, ist noch nicht klar.

Klar ist jedoch, dass eine Einigung bei den Betriebssystemen für das Handy immer schwieriger wird. Microsoft versucht gerade mit einem eigenen Programm den Mobilfunkmarkt aufzurollen und konnte dabei vor einer Woche einen wichtigen Erfolg feiern: Zusammen mit dem Mobilfunker T-Mobile will der US-Konzern im Sommer das erste gemeinsam entwickelte Mobiltelefon mit PC-Funktionen - ein so genanntes Smartphone - auf den Markt bringen.

Fast zeitgleich hat der US-Handykonzern Motorola - auch ein Mitglied der OMA - als erster Anbieter ein Gerät angekündigt, bei dem das offene Betriebssystem Linux mit Java kombiniert wird. Der Grund ist einfach: "Bei Symbian werden Lizenzgebühren fällig, bei Linux nicht. In Zeiten, in denen jeder Euro zweimal umgedreht wird, ist das nicht unwichtig", sagt Bob Schukai, Director für UMTS-Produkte bei Motorola. Niklas Savander von Nokia sieht diese Entwicklung gelassen: "Am Ende entscheidet der Kunde, dann sehen wir ja, was am besten funktioniert."

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