Hersteller investierten in die Forschung
Sportschuhe mit eingebauter Klimaanlage

Schneller, höher, weiter: Heutige Sportschuhe haben mit traditionellen Turnschuhen nicht mehr viel gemeinsam. Die Sportartikelkonzerne bauen immer neue Technologien in ihre Spitzenprodukte ein.

HERZOGENAURACH. In der 20 Quadratmeter großen Waschküche der Mutter soll Adi Dassler 1920 seine ersten Laufschuhe zusammengenäht haben. Ganz ohne Strom und mit den handgefertigten Nägeln eines befreundeten Schmiedes produzierte Dassler ein Paar Spikes. Die Schuhe sollten den Grundstein für einen Konzern bilden, in dem heute 46 Spezialisten allein mit der Schuh- und Bekleidungsforschung beschäftigt sind.

Adidas Innovation Team (Ait) nennt sich die Eliteeinheit, die am Firmensitz von Adidas-Salomon in der fränkischen Kleinstadt Herzogenaurach sowie an der amerikanischen Westküste in Portland an neuen Technologien für Sportkleidung tüftelt. Die Franken haben beispielsweise einen Schuh auf den Markt gebracht, der durch schräg gestellte Lüftungsschlitze über eine eigene Art Klimaanlage verfügt. Ventilationsbereiche in der Sohle sowie Gittereinsätze in der Zunge sorgen darüber hinaus für die Zufuhr und den Abfluss der Luft.

Selbst die Einlegesohle des "Clima Cool" genannten Schuhs ist so gestaltet, dass die Luft sich möglichst viel bewegen kann. Die jüngste Generation des Laufschuhs soll den Fuß ein Drittel kühler halten als herkömmliche Modelle.

Ait-Chef Al Van Noy hat mit seiner Mannschaft zweieinhalb Jahre an der Entwicklung der ersten Version von "Clima Cool" gearbeitet. Das Konzept hat sich weltweit durchgesetzt: Vergangenes Jahr hat Adidas mehr als eine Million Exemplare verkauft. Der Konzern lässt sich seine Entwicklung allerdings teuer bezahlen: Die Schuhe kosten zum Teil weit mehr als 100 Euro. Wichtig ist deshalb, dass die Neuentwicklungen halten was sie versprechen. "Wir dürfen den Leuten kein Spielzeug anbieten", betont Industriedesigner Van Noy. "Was wir produzieren muss Sinn machen."

Fast fünf Jahre lang hat das Ait an seiner neuesten Errungenschaft gearbeitet, dem Sportschuh A3. Auf den ersten Blick sieht der Schuh aus, als hätte er eine Art Sprungfeder unter der Ferse. Einzelne, voneinander getrennte Elemente zwischen Schuh und Sohle sollen dafür sorgen, dass der Fuß besser gedämpft wird und die Kräfte in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Je nach Sportart haben die Experten die Schuhe anders konstruiert. "Wir haben die Bewegungsabläufe ganz genau analysiert und daraufhin unsere Schuhe für die unterschiedlichen Bereiche optimiert", sagt Van Noy. Verschieden harte Schaumstoffe kommen genauso zum Einsatz wie eine Abrollplatte aus Thermoplastmaterial.

Neben der Technik ist jedoch vor allem das Aussehen der Schuhe entscheidend für den Erfolg im Laden. Hilary Edwards, Marken-Managerin vom Adidas-Konkurrenten Puma: "Die Leute stehen vor dem Spiegel, bevor sie auf den Tennisplatz gehen. Deshalb ist das Design sehr wichtig." Doch nicht alle Schuhe lassen sich an allen Orten verkaufen. "In Asien müssen die Schuhe ganz anders sein als hier zu Lande", betont Van Noy, "weil die Menschen leichter und die Füße anders geformt sind." Auch die Geschmäcker sind in jedem Land verschieden. Puma-Managerin Edwards: "Sogar innerhalb von Europa haben wir unterschiedliche Kollektionen."

Branchenbeobachter sind sich sicher, dass in wenigen Jahren auch Elektronik in den Schuhen einen Platz bekommen wird. Über ihre Zukunftsprojekte halten sich die Sportartikelkonzerne allerdings bedeckt. Nur so viel ist klar: Viele Anregungen kommen aus anderen innovativen Branchen wie der Auto- und Computerindustrie. So hat Adidas bereits zusammen mit dem Fahrzeugbauer Audi einen Schuh auf den Markt gebracht.

Während Adidas stärker auf sportliche Innovationen setzt, verstärkt Puma seinen Ruf als modischer Trendsetter. Hilary Edwards: "Vier von fünf Leuten kaufen ihre Sportschuhe doch gar nicht, um zu joggen." Frische Luft an den Füßen kann freilich auch beim Einkaufsbummel oder im Kino nicht schaden.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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