Hersteller packen neue Funktionen in den Türöffner
Autoschlüssel speichert Daten

Die Tendenz, mehr Funktionen in Kleingeräte wie Handys zu packen, setzt sich nun auch bei ganz unscheinbaren Gebrauchsgegenständen wie Autoschlüsseln durch. Die neue Generation der Fahrzeugschlüssel, die zurzeit entwickelt wird, öffnet nicht nur das Fahrzeug, sondern führt ein kleines Logbuch über die wichtigsten Kenndaten des zugehörigen Autos.

DÜSSELDORF. Wenn es nach Siemens-Forschern geht, dann wird sich das Auto der Zukunft von allein öffnen oder schließen - je nachdem ob der Besitzer des Autoschlüssels sich dem Fahrzeug nähert oder sich von ihm entfernt. Über Radar soll spätestens ab dem Jahre 2006 das Fahrzeug feststellen können, wo sich Fahrer und Schlüssel befinden. Dazu sendet das künftige Auto fortwährend Funkimpulse aus und sucht so ständig nach dem zugehörigen Schlüssel.

Auf diese Weise werden die Bewegungen des Fahrzeughalters registriert, um festzustellen, ob dieser weggeht oder sich auf das Auto zubewegt. Erst wenn sich der Fahrer den Türen bis auf rund einen Meter nähert, werden diese entriegelt. Ein Vorteil der neuen Technik: Auch das automatische Verriegeln der Türen beim Weggehen wird dann möglich. Bisher besteht bei manuell bedienten Funkschlüsseln die Gefahr, durch versehentliches Drücken an der falschen Stelle das Auto wieder zu entriegeln.

Radarsystem erkennt ob der Fahrer kommt oder geht

Einen ähnlichen Komfort bieten die Autoschließsysteme zwar schon heute, sie sind aber noch an Sensoren gekoppelt, die nach Ansicht der Siemens-Forscher durch das Radar wegfallen können. So sind die Schließsysteme, die inzwischen von Herstellern wie BMW, Renault oder Mercedes serienmäßig oder als Komfortausstattung angeboten werden, an eine Näherungssensorik im Türgriff gekoppelt. Wenn der Fahrer den Griff anfasst, erkennt dies ein Sensor. Das System sendet dann ein Signal aus. Trifft dieses auf den zum Fahrzeug passenden Schlüssel, werden die Türen per Funk entriegelt. Die Technik wird inzwischen von einer Vielzahl unterschiedlicher Automobilzulieferer wie Siemens VDO, Hella oder dem französischen Entwickler Valeo in den Autos eingebaut.

Auch bei der Huf GmbH - die beispielsweise Mercedes, BMW und den neuen VW Phaeton ausstattet - besitzt der mechanische Schlüssel lediglich Backup-Funktion für den Notfall, dass die Elektronik des Fahrzeugs versagt. Bei der Mercedes S-Klasse werde der Autoschlüssel zusätzlich zu einer Smart Card ausgeliefert, sagt Ute Hoppe, Pressesprecherin der mit Siemens VDO zusammenarbeitenden Huf GmbH. Bei anderen Fahrzeugen gebe es eine Kombination aus High-Tech- und normalem Schlüssel.

Über das Auf- und Zuschließen hinaus kann jedoch eine Vielzahl weiterer Funktionen in einen Funkschlüssel integriert werden. Möglich wäre beispielsweise die Fernsteuerung von Standheizungen oder Klimaanlagen, so dass Fahrer stets ein wohl temperiertes Fahrzeug vorfänden. Realisiert worden ist dies allerdings noch nicht. Solche Funktionalität wird derzeit nur über individuelle Fernbedienungen der Hersteller von Standheizungen erreicht.

Logbuch im Schlüssel gespeichert

Darüber hinaus könnte der Schlüssel zum Datenspeicher werden und als kleines Logbuch für das Fahrzeug fungieren. Für BMW hat Huf den "KeyReader" entwickelt - ein Lesegerät, das allerlei gespeicherte Informationen aus einem Autoschlüssel liest. Damit kann der BMW-Kundendienst beispielsweise wichtige Daten wie Fahrgestellnummer, Bremsdruck, Öl- und Kilometerstand in Sekundenschnelle erkennen. Auch Fehlermeldungen der Bordelektronik lassen sich in dem Schlüssel speichern. Doch nicht nur der Kfz-Mechaniker profitiert von der neuen Technik, sondern auch der Kunde: Er erhält beim Werkstattbesuch laut Ute Hoppe rasch Auskunft über Umfang und Kosten einer Inspektion, weil der Wartungsplan sofort an der Servicetheke aufgerufen werden kann.

Die Attraktivität für den Kunden erschöpft sich aber nach Ansicht des Marketingexperten Sven Krentz möglicherweise nicht im Praktischen. So sei der "Spielzeugeffekt eines solchen Schlüssels vor allem bei Männern wichtig", sagt der Dozent an der Rhein-Sieg-Kunst-Akademie, einer Hochschule für Kommunikationsdesign.

Dass der Spielzeugeffekt nach hinten losgeht, brauchen Autobesitzer übrigens nicht zu befürchten. Autodiebe haben es mit dem Funkschlüssel zwar leichter, das zugehörige Fahrzeug zum gestohlenen Schlüssel zu finden - es blinkt kurz auf, wenn die Funksteuerung in der Nähe des Fahrzeuges betätigt wird. Die Versicherungen sehen nach den Worten von Kirsten Rüters vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft auch die neuen intelligenten Schließgeräte als sicher an.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%