Hersteller setzen auf Multimedia-Handys
Mobile Alleskönner verdrängen den einfachen PDA

Der einfache Handcomputer - auch PDA, Persönlicher Digitaler Assistent, genannt - ist out. Die Kunden wollen mit ihrem Taschen-PC künftig nicht nur Adressen und Termine verwalten, sondern auch Telefonieren, im Internet surfen, Fotos knipsen und Musik abspielen.

DÜSSELDORF. Nach einer Studie des amerikanischen Marktforschungsunternehmens IDC werden mobile Alleskönner - so genannte Smartphones, die die Funktionen von Handhelds und Mobiltelefonen vereinigen - zunehmend klassische PDAs ablösen. So erwarten die Marktforscher aus Framingham im US-Bundesstaat Massachusetts, dass bis Ende dieses Jahres mehr als 13 Millionen Smartphones verkauft werden, während der Absatz von PDAs mit traditionellen Funktionen weltweit um 8,4 % auf rund 11,4 Millionen Einheiten zurückgehen wird. Damit weist dieses Marktsegment zum zweiten Mal in Folge ein rückläufiges Jahresergebnis auf.

Als Grund für die steigende Nachfrage nach Smartphones nennt IDC-Analyst Kevin Burden ein verbessertes Design und die Multifunktionalität der Geräte. Sie seien nicht nur kleiner geworden, auch die Leistung der Batterien habe sich deutlich verbessert. Zudem sei der Preis für diese Geräte mittlerweile so niedrig, dass sich auch der normale Privatkunde ein Smartphone leisten könne. Der Durchschnittspreis für die mobilen Alleskönner lag 2002 in den USA noch bei 578 $, im laufenden Jahr ist er auf 462 $ gesunken.

Mit dem Handcomputer telefonieren

Die Geräte-Hersteller haben sich längst auf diesen Trend eingestellt. Die Hersteller von Handys - wie Nokia, Motorola, Samsung, Sagem, Siemens, Sony Ericsson und Trium - und auch die Produzenten von Taschen-PCs - wie Palm, Hewlett Packard und Compaq - setzen auf Multifunktionsgeräte, mit denen man Daten verwalten und kommunizieren kann. Auf der Computermesse Cebit im vergangenen Frühjahr wurde eine Vielzahl neuer Geräte vorgestellt, die jetzt im Herbst rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft auf den Markt kommen.

Während Nokia mit seinem "Communicator 9210i" noch recht bodenständig ist und nur die klassischen Funktionen eines Taschencomputers, wie Adress- und Terminverwaltung, Textverarbeitung sowie E-Mail-Funktionen, integriert hat, setzen Anbieter wie Samsung, Siemens oder Sony Ericsson auf Privatkunden und integrieren MP3- Player, Digitalkamera und Funktionen für die Bildbearbeitung. Äußerlich sehen das "SX1" von Siemens und das "P800" von Sony Ericsson eher wie ein größeres Handy aus, während das "SGH-i700" von Samsung einem herkömmlichen Pocket-PC ähnelt.

Mehr als ein elektronisches Notizbuch

Den Smartphones, die von den PDA-Herstellern angeboten werden sieht man auf den ersten Blick an, dass sie ihren Ursprung bei den Taschencomputern haben. In einem ersten Schritt konnten die Nutzer nur über Zusatzmodule, die beispielsweise an den Palm-Computer gesteckt wurden, telefonieren. Heute ist das Telefon integriert. In den nächsten Monaten bringt Handspring, der ehemalige Konkurrent von Palm, mit dem "Treo 600" erstmals ein Gerät auf den Markt, das auch mit einer Digitalkamera ausgestattet ist. Geknipste Bilder lassen sich dann per MMS (Multimedia Messaging Service) versenden oder aber einem Kontakt im Adressbuch zuweisen, so dass man später bei einem Anruf auf dem Bildschirm statt der Telefonnummer das Foto erscheint. Der "Treo 600" wird das letzte Gerät von Handspring sein, bevor das Unternehmen im Herbst dieses Jahres mit Palm fusioniert.

Wie die heutigen Handys sind die meisten Smartphones inzwischen mit einem Farbbildschirm ausgestattet, und die Funktechnik Bluetooth hat die Infrarotübertragung ersetzt. Die Multimediageräte besitzen Steckplätze für Speicherkarten, auf denen die Musikdateien und digitalen Bilder gespeichert werden können. Optimierte Lithium-Ionen-Batterien sorgen dafür, dass die Multifunktionsgeräte unterwegs mit Strom versorgt werden. Sie müssen allerdings öfter an die Steckdose als ein einfacher PDA oder ein Handy, da die zusätzlichen Funktionen wie Fotografieren oder Musik abspielen dazu führen, dass die Geräte intensiver genutzt werden.

Von dem wachsenden Markt für Software für Smartphones will nun auch Microsoft profitieren. Der Softwareriese versucht, durch Partnerschaften mit Handyherstellern und Mobilfunkbetreibern in dem bislang vernachlässigten Markt Fuß zu fassen. Bisher ist hier Symbian, ein Joint-Venture der großen Handyproduzenten wie Nokia, Sony Ericsson und Motorola, klarer Marktführer. Die Software ist laut dem britischen Marktforscher Canalys zurzeit auf 94 % aller verkauften Smartphones installiert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%