Hersteller setzen bei Vermarktung neuer Modelle auf die Leinwand
Autoindustrie fährt auf Filmstars ab

Alte Liebe rostet nicht. James Bond, der legendäre britische Geheimagent, fährt im neuen 007-Film statt eines BMW wieder einen Aston Martin. Es war jedoch keineswegs die fixe Idee eines Drehbuchautors, sondern ein Millionen-Deal mit dem Werbepartner Ford, die den britischen Geheimagenten zurück in einen Aston Martin brachte.

hz FRANKFURT/M. Dass der Ford-Konzern einen zweistelligen Millionenbetrag in Dollar bar auf den Tisch legte, um BMW vom Lenkrad zu vertreiben, ist zwar eine Legende. "Geld ist allein in unsere Marketingkampagne geflossen", sagt ein Ford-Sprecher. Aber das Werbebudget, um die Luxusmarken ins rechte Licht zu rücken, kann sich mit geschätzten 120 Mill. $ durchaus sehen lassen.

Dafür soll Bond am Ende nicht nur die Welt ein weiteres Mal gerettet, sondern auch das Image und möglichst den Umsatz des Ford-Konzerns gehoben haben. So fährt der Autohersteller einen ganzen Fuhrpark seiner Nobelmarken in dem Film auf, um sie mit dem 007-Logo schmücken zu können. Neben Bond im Aston Martin halten auch Ko-Star Halle Berry mit einem Ford Thunderbird sowie Bösewicht Zao mit einem Jaguar XKR die Flagge des Konzerns hoch. Die Ford-Manager knüpfen damit werbewirksam an eine alte und erfolgreiche Partnerschaft an. Schon 1964 nahm Sean Connery in "Goldfinger" hinter dem Steuer eines Aston Martins Platz und schwor auch später noch auf das britische Auto.

Die Trauer darüber, den Geheimagenten schon wieder als Kunden an Aston Martin verloren zu haben, hält sich bei BMW jedoch in Grenzen. "James Bond fuhr dreimal hintereinander BMW. Irgendwann sinkt das Interesse der Öffentlichkeit. Jetzt müssen mal andere Hersteller ran", sagt Johannes Schultz, Leiter der Abteilung Audiovisuelle Medien bei BMW.

Tatsächlich soll BMW sich freiwillig von 007 getrennt haben und die Option auf die jüngste Episode nicht genutzt haben, so heißt es jedenfalls bei Ford. Trotzdem wollen auch die Bayern die werbeträchtige Verbindung von Film und Fahrzeug keineswegs aufgeben. Erst vor kurzem brachte BMW den neuen Mini wirkungsvoll im dritten Teil des Kassenschlagers Austin Powers unter.

Der Trend der Autoindustrie zum "Product Placement", wie das Platzieren von Produkten in Kinofilmen heißt, ist ungebrochen. Auffallend viele Autokonzerne versuchen in letzter Zeit, die Konsumenten neben den ausgetretenen Pfaden der Fernsehwerbung auch über solche Schleichwege zu erreichen.

Opel rückte erst vergangenes Jahr im Kinostreifen "Viktor Vogel - Commerical Man" den Opel-Sportwagen Speedster ins rechte Licht. Ein Audi TT durfte jüngst Hugh Grant im Kinohit "About a Boy" begleiten, und Mercedes-Benz lieferte die M-Klasse nach dem Debut in "Jurassic Parc II" auch für die Helden von "Men in Black II".

Da die Filmproduzenten gerne Premiumwagen einsetzen, zahlen die Autohersteller oft deutlich weniger für dieses Product Placement als Firmen aus anderen Branchen. Der werbewirksame Auftritt ist damit meist günstiger als eine aufwendige TV-Kampagne - und kommt zudem häufig auch besser an.

Die Marketingabteilungen der Autoriesen bauen fest darauf, dass sich das positive Image der Kinohelden auf die Fahrzeuge überträgt - und so ein wenig Glanz aus Hollywood auch auf die Produkte fällt. Mercedes integrierte zum Beispiel "Men in Black" direkt in die Markteinführung der E-Klasse in den USA. Messbar ist die Ertragskraft solcher Werbeauftritte allerdings nicht. Dennoch ist sie manchen Firmen Millionen wert.

Es gibt allerdings Unternehmen, die kommen selbst in den neuen Bond-Film noch kostenlos. So zahlte die Schweißtechnik-Firma Kuka aus Augsburg keinen Cent dafür, dass ihre Roboter, die sonst Autoteile in Ingolstadt oder Wolfsburg zusammenschweißen, samt gut sichtbarem Firmenlogo auf der Leinwand neben Bondgirl Halle Berry erscheinen. Firmensprecher Michael Hauptmann hat dafür eine einfache Erklärung: "Roboter sind schließlich keine Konsumgüter."

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