Hersteller setzen zunächst auf sparsamere Varianten gängiger Motoren
Brennstoffzelle im Auto kommt später als geplant

Umweltschützer fordern schon seit langem, dass Autokonzerne die Abgase bei den Wagen beseitigen. Dies ließe sich mit Elektromotoren bewerkstelligen, die ihre Energie aus Brennstoffzellen beziehen. Doch die Technik ist längst nicht ausgereift. Die Hersteller versuchen vorerst Sprit zu sparen, indem sie herkömmliche Motoren verbessern.

HB FRANKFURT/M. Die Autokonzerne kommen bei der Entwicklung der Brennstoffzelle nicht so schnell voran wie erhofft. Die umweltfreundliche Technologie könne frühestens in 10 bis 15 Jahren breit genutzt werden, teilten einige Hersteller während der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt mit. Sie arbeiten deshalb an Konzepten, mit denen gängige Motorenmodelle sparsamer arbeiten.

Einige Autohersteller wollen den Verbrauch senken, indem sie den Treibstoff direkt einspritzen. So hat Audi einen FSI genannten Benzindirekteinspritzer entwickelt. Der 2-Liter-Motor soll bei 15 % mehr Leistung 15 % weniger Sprit verbrauchen. Ähnlich wie die Diesel-Direkteinspritzer arbeitet der FSI mit der Hochdruckeinspritzung. Einen neuen Weg geht Ford mit seiner Kompakt-Van-Studie "Fusion Concept". Der Wagen wird von einem Ottomotor angetrieben, der aus drei Zylindern mit 1,1 Liter Hubraum 110 PS bringen soll. Damit wäre er so stark wie ein 1,8-Liter-Vierzylinder - und sparsamer.

Weniger Umweltbelastung durch Ergasantrieb

Eine größere Auswahl gibt es bereits heute bei Autos, die mit Erdgas weniger umweltschädlich betrieben werden: Fiat hat den Multipla im Programm, Opel den Zafira. Ford bietet mit Ka, Fiesta, Focus und Transit gleich vier umgerüstete Modelle, bei Volvo werden der V70 und der S80 mit Erdgas betrieben. Die Mehrheit der Autos ist für den bivalenten Betrieb ausgelegt. Das heißt: Die Motoren können Benzin oder Erdgas verbrennen. Die Triebwerke sind zwar auf Erdgasbetrieb ausgerichtet. Allerdings schaltet der Wagen auf Benzin um, wenn der Gastank leer ist - es gibt derzeit erst wenige Erdgas-Tankstellen.

In der Praxis sind die Spitzenreiter im Rennen um den geringsten Verbrauch bei ordentlicher Leistung unverändert die Diesel-Direkteinspritzer. Volvo hat jüngst seinen Fünfzylinder mit der zweiten Generation der Common-Rail-Einspritzung von Bosch vorgestellt. Ford und Peugeot/Citroën (PSA) wollen demnächst die Gemeinschaftsentwicklung mit 1,4 Litern und Partikelfilter auf den Markt bringen. Renault bietet den Clio mit einem neuen 1,5-Liter-dCi-Motor an. Die zusammen mit Delphi entwickelte Einspritzung arbeitet im Gegensatz zur Common-Rail-Technik mit einem kugelförmigen Hochdruckspeicher. Der eignet sich besonders für Kleinwagen.

Die ersten Brennstoffzellen waren Nachbauten von Modellen aus der Raumfahrt

Parallel forschen die Konzerne weiter an der Brennstoffzelle. Seit rund zehn Jahren entwickeln die Forscher des Stuttgarter Herstellers Mercedes-Benz neue Ansätze. Die ersten Brennstoffzellen waren noch Nachbauten von Modellen aus der Raumfahrt. Dort versorgen sie Shuttles und Raumstationen mit elektrischer Energie. Sie benötigen Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O2). Beide Gase sind an Bord eines Raumschiffes vorhanden, weil Antrieb und Steuerdüsen damit befeuert werden. In der Brennstoffzelle werden Wasserstoff und Sauerstoff jedoch nicht, wie in den Raketenmotoren, direkt gemischt und verbrannt. In den einzelnen Elementen der Zelle sind die beiden Gase durch eine hauchdünne Folie, die so genannte Membran, voneinander getrennt.

Die Membran ist für elektrisch geladene Teilchen, die Ionen, durchlässig. Ionen sind positiv geladen und wandern von der Wasserstoff- auf die Sauerstoffseite. Dadurch entsteht beim Wasserstoff ein Überschuss an negativ geladenen Elektronen. Auf der Sauerstoffseite überwiegt die positive Ladung. Verbindet man die beiden Seiten elektrisch, fließt Strom. Mit diesem Strom werden in Brennstoffzellen-Autos Elektromotoren betrieben.

Mercedes stellte 1994 das erste Experimentalfahrzeug mit Brennstoffzelle vor. Der Necar I war ein umgebauter Transporter, dessen Laderaum bis unter das Dach mit der Brennstoffzelle, dem Wasserstofftank und der zugehörigen Steuerelektronik vollgestopft war. Dieses Paket lieferte gerade genug Energie, um sich selbst und zwei Menschen im Fahrerhaus zu bewegen. Ihm folgten Necar II bis V. Von Modell zu Modell wurde die Energieversorgung kompakter. Ende dieses Jahres sollen die ersten 60 Omnibusse in sechs europäischen Städten (darunter Hamburg und Stuttgart) mit der Mercedes-Technik den Liniendienst aufnehmen. Im Jahr 2004 werden die ersten Fahrzeuge der A-Klasse in Fuhrparks von Hermes oder dem Otto Versand in der Praxis getestet.

Bei Ford, Opel und Toyota will man den flüssigen Wasserstoff ebenfalls in Brennstoffzellen umsetzen. Der Ford Focus FCV (Fuel Cell Vehicle) wird gegenwärtig in den USA erprobt. Während der Opel Zafira "Hydrogen 3" nach Firmenangaben "auf dem Weg zur Serienreife" ist, will der japanische Wettbewerber sein FCHV-4 bereits im Jahr 2003 in begrenzter Stückzahl auf den Markt bringen. Doch Projektleiter Norihiko Nakamura räumt ein, dass mindestens zehn Jahre vergehen werden, bis die Brennstoffzellen-Autos den Massenmarkt erreichen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%