Hersteller treiben Machtkampf auf Spitze
Formel Gold statt Formel 1

Mit neuen Drohungen und ersten Namensvorschlägen für eine künftige Gegen-Serie haben die Automobilhersteller den Poker um die Macht in der "Königsklasse" auf die Spitze getrieben und den neuen Mehrheitseigner Leo Kirch noch stärker unter Druck gesetzt.

dpa MONTE CARLO. Formel Gold statt Formel 1: "Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass die Formel 1 nicht allein von einem Medienkonzern organisiert und betrieben werden kann", betonte Jürgen Hubbert, das bei DaimlerChrysler für die Formel 1 zuständige Vorstandsmitglied, vor dem Großen Preis von Monaco. "Es macht keinen Sinn, mit einer neuen Serie zu drohen, wenn man sie nicht durchführen will", wurde auch McLaren-Chef Ron Dennis so deutlich wie nie zuvor.

"Wenn sie 2002 anfangen wollen, schicken sie das Reglement im Oktober. Und wenn alles in Ordnung ist, dann wird es auch genehmigt", beschrieb Max Mosley, der Präsident des Automobil-Weltverbandes FIA, in einem dpa-Gespräch am Sonntag die mögliche Prozedur. Zwar sind die Hersteller bis 2007 vertraglich gebunden, doch "die Teams sind nur verpflichtet, zwei Autos zu schicken. Aber es steht in keinem Vertrag drin, welche zwei Autos sie nehmen müssen", stellte Mosley klar.

Obwohl die Konzerne alle Trümpfe in der Hand halten, glaubt der Brite nicht, dass sie ausgespielt werden: "Das Ganze ist ein Geschäft. Es ist klar, dass eine Spaltung weder im Interesse der großen Hersteller noch von Kirch liegt. Jeder weiß, es kann nur eine Meisterschaft geben." Allerdings geisterten bereits Namen für die neue Serie durch Monaco. "Vielleicht Golden Formula" dichtete Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo.

"Macht haben wir in diese Sache keine mehr", räumte Mosley ein. Mitte April hatte der Weltverband die Vermarktungsrechte in einem 100-Jahre-Vertrag für umgerechnet über 600 Millionen DM an die mehrheitlich von der Kirch-Gruppe beherrschte Holding SLEC abgegeben, die ursprünglich Bernie Ecclestone gehörte. Nun spukt das Pay-TV- Gespenst durch die Welt, fürchten die Hersteller, dass die Formel 1 im Bezahl-Fernsehen verschwindet.

Kirch-Gruppe mit Härte in die Knie zwingen

Ein Dorn im Auge der mächtigen Konzerne, die immer nachhaltiger Beteiligungen und Mitspracherecht fordern. "Man kann von den Herstellern nicht erwarten, dass wir unter der Tür durchkriechen und betteln", sagte Hubbert. Er und seine Vorstandskollegen wollen die Kirch-Gruppe mit Härte in die Knie zwingen. Das eindeutige Signal: Nur wenn die Forderungen erfüllt werden, gibt es eine Einigung.

"Da gibt es Möglichkeiten, die müssen auf dem Tisch liegen. Sollte in dieser Richtung etwas passieren", so Hubbert, "dann werden wir nicht so dumm sein, uns nicht an einen Tisch zu setzen und darüber zu reden. Niemand will aus Spaß oder Tollerei etwas gut Funktionierendes zerstören."

Geld allerdings soll nicht fließen. "Warum sollen wir für 25 Prozent eine Sache kaufen, die eigentlich uns gehört?", fragte di Montezemolo und gab die Antwort selbst: "Die Formel 1 ohne Teams, ohne Fahrer ist nichts wert." Die Wunschvorstellung der Hersteller ist offenbar, Kirch los zu werden. Dann allerdings wären die Millionen-Investitionen der Kirch-Manager wertlos gewesen.

Die vor gut einer Woche von den Herstellern gegründete Formel-1- Gesellschaft Newco bedeutet zusätzlichen Druck. "Noch nie gab es eine so mächtige Gruppe in der Formel 1", sagte Mosley. Die Autokonzerne hätten Einfluss und Ressourcen ohne Ende. Künftig soll die Macht der Hersteller-Vereinigung ACEA, in der neben DaimlerChrysler (McLaren - Mercedes) auch Fiat (Ferrari), Renault (Benetton-Renault), BMW (Williams-BMW) und Ford (Jaguar) vertreten sind, noch größer werden. Toyota hat den Wunsch geäußert, über eine Integration zu sprechen, sobald die Firma ab dem nächsten Jahr in der Formel 1 dabei ist. Auch Honda hat Interesse bekundet.

Dies ist zudem ein klares Signal für ein weiteres Engagement dieser Firmen im Motorsport. Hubbert: "Ohne dass es ausgesprochen wurde, ist das eindeutig Teil dieses Abkommens."

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