Hersteller überlassen freien Online-Börsen das Feld – Kaufentscheidung verlagert sich auf das Internet
Autokauf per Mausklick

In Deutschland wechselt mittlerweile rund jeder dritte Gebrauchtwagen seinen Halter mit Hilfe von Anzeigen im Internet. Bei Neuwagen ist das Potenzial dagegen bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

FRANKFURT/M. Bei gebrauchten Fahrzeugen ist der Autokauf über das Internet absolut in Mode. Mehr als vier Fünftel des Gebrauchtwagenangebots stehen in Deutschland mittlerweile im Netz, schätzt Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research Gebrauchtwagenangebots im Netz stehen.. Mindestens jeder dritte Halterwechsel bahnt sich seiner Meinung nach per Mausklick an.

Bei Neufahrzeugen ist die Bilanz ernüchternder. Nach Zahlen der Beratungsgesellschaft Cap Gemini wird nicht einmal ein Prozent der neuen Autos über das Web verkauft. Und das, obwohl sich gut 20 % der Autokäufer durchaus vorstellen könnten, den neuen fahrbaren Untersatz per Computer zu kaufen - allerdings nur direkt vom Hersteller.

Doch gerade die halten sich mit Rücksicht auf ihr Händlernetz in dieser Beziehung zurück. Da es aber nur die Hälfte der von Cap Gemini befragten Kaufinteressenten kategorisch ablehnt, das Internet beim Neuwagenkauf in Betracht zu ziehen, wäre es nach Meinung des Beratungsunternehmens an der Zeit, dass sich die Hersteller dringend "mit dem Konzept des Direktverkaufs beschäftigen" sollten.

Als Informations-Tool ist das Web erste Wahl. Die Seiten der Automobilhersteller werden vor einer Kaufentscheidung in den großen Märkten Deutschland und Japan von rund jedem achten Interessenten besucht. Darin liegt nach Meinung des Auto-Professors Dudenhöffer auch der eigentliche Wert, denn der "wirklich spannende Bereich ist der der Kaufentscheidung", meint er. Nach seinen Erhebungen resultieren 40 % der Kaufanfragen bei Händlern aus vorangegangenen Internet-Besuchen. "Die Kaufentscheidung verlagert sich immer stärker in das Internet, der Rest ist Umsetzung."

Während sich dieser Prozess in den USA bei Neu- und Gebrauchtwagen gleicht, sind dies in Deutschland noch völlig verschiedene Welten. Der deutsche Autokäufer ist es nicht gewöhnt, sein Fahrzeug von der Stange zu kaufen, er stellt sich den Neuwagen individuell zusammen und ist auch bereit darauf zu warten. In den USA wird viel stärker "vom Hof" gekauft. Diese Unterschiede könnten ein Grund dafür sein, dass die großen Autohersteller hier zu Lande den Trend zum Internet beim Gebrauchtwagenhandel nach Dudenhöffers Meinung "verschlafen" haben.

Eindeutige Marktführer sind unabhängige Börsen, allen voran die Marktführer Mobile.de und Autoscout24.de. Ihre Bedeutung wächst stetig, während sich die automobilen Größen von Volkswagen, Daimler & Co. im Vergleich dazu mit "Micky-Mouse-Angeboten" im Netz begnügen, sagt Dudenhöffer mit Unverständnis. So hatte Marktführer Mobile.de Anfang Oktober gut 665 000 Gebrauchte im Bestand, Autoscout24 kam auf knapp 540 000, dagegen kamen die Börsen der Hersteller VW, Audi, BMW, Mercedes-Benz und Peugeot zusammen gerade einmal auf ein Angebot von 220 000 Gebrauchten.

Entsprechend haben die freien Börsen einen enormen Bekanntheitsgrad erreicht und auch der wirtschaftliche Erfolg stellt sich langsam ein: Sowohl Mobile.de als auch Autoscout24.de schreiben nach eigenen Angaben mittlerweile operativ schwarze Zahlen.

Bislang kassieren die Börsen nur bei den Händlern, die nach einer Umfrage der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung aus dem Frühjahr mittlerweile jedes dritte ihrer Fahrzeuge über einen Kontakt im Internet verkaufen. Ein riesiges Potenzial ist wirtschaftlich noch ungenutzt: Die privaten Verkäufer. Welche Dimension das Geschäft hat, zeigen Zahlen des Flensburger Kraftfahrzeug-Bundesamtes: Danach übersteigt die Zahl der Besitzumschreibungen bei Personenkraftwagen in der Regel die der Neuzulassungen um den Faktor 2. Im vergangenen Jahr waren es mehr als 7 Millionen.

Noch will Mobile.de die Privatkundschaft schonen. Text und bis zu 5 Fotos können kostenlos eingestellt werden. Bei Autoscout24 wagt man sich weiter vor: Zumindest für Fotos wird bereits Geld verlangt und "es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch Privatanzeigen Geld kosten", hofft Autoscout-Geschäftsführer Peter Schmid.

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