Hersteller von Mobiltelefonen haben ein hohes Marktpotenzial
Handy und Organizer wachsen zusammen

Nokia war Vorreiter. Inzwischen setzen immer mehr Hersteller von Mobiltelefonen auf den Zwitter aus Handy und Organizer. Die so genannten Smart Phones ermöglichen neben dem Telefonieren und Notieren von Terminen das Empfangen von E-Mails. Die Geräte werden als Vorreiter für den Mobilfunk der nächsten Generation gehandelt.

DÜSSELDORF. Noch bis vor kurzem wussten nur die Besitzer eines Nokia Communicators, was ein Smart Phone ist. Mittlerweile haben jedoch fast alle Handy-Hersteller einen solchen Zwitter im Programm. "Die Smart Phones sind aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Nun ist der Markt reif", sagt Walter Hühn, Geschäftsführer des Bereichs Mobiltelefone von Motorola. Mit ihrem Accompli 008 wollen sich die Amerikaner - genau wie die Konkurrenz - einen Teil von dem wachsenden Markt für mobile Anwendungen sichern. Konnte der Anwender früher nur mobil telefonieren, möchte er heute unterwegs auch seine E-Mails abrufen, im Internet surfen, Termine und Adressen verwalten, Diktate aufnehmen, digitale Musik hören oder gar Videos betrachten.

Zwar könnte man das auch mit einem mobilen Computer, der über ein Kabel und Modem mit einem Mobiltelefon verbunden ist. Doch einfacher und kompakter wird das mobile Büro, wenn das elektronische Notizbuch und die Internetfunktionen in das Telefon integriert sind.

Doch wie soll so ein Multifunktionsgerät aussehen? Sagem, Trium und Siemens präferieren das flache PDA-Format und sprechen damit insbesondere Fans von Organizern an. Für derartige Geräte trifft daher auch eher der Begriff des "Wireless Information Device" (WID) zu als der des Smart Phones. Ericsson, Motorola, Nokia und Sendo wiederum setzen auf die herkömmliche Handy-Form, die sich zum Telefonieren immer noch am besten eignet. In Größe, Gewicht und Funktionsvielfalt sind ihre Geräte jedoch nicht miteinander vergleichbar.

Auch bei den Betriebssystemen gibt es große Unterschiede: Während die einen auf Microsoft Windows CE oder Stinger schwören, kommt bei anderen Epoc beziehungsweise Symbian zum Zuge. "Symbian verbraucht relativ wenig Ressourcen und erlaubt eine besonders intelligente Verbindung mit Organizer-Funktionen" erläutert Marco Kreye, Produktmanager von Nokia.

Auf ein bestimmtes Betriebssystem festlegen will sich jedoch keiner - wohlwissend, dass sich der Smart-Phone-Markt enorm entwickeln wird: Stellt er doch laut Mechthild Lüdecke, Pressesprecherin von Trium, der Handy-Marke der Mitsubishi Electric Corp. "die Vorbereitung für multimediale UMTS-Anwendungen" dar. Und auch für Stefan Müller, Pressesprecher Mobile Phones von Siemens, "werden Smart Phones die Vorreiter für neue Applikationen sein."

Für die Nutzer ist daher auch weniger das Betriebssystem entscheidend, als vielmehr die angebotenen Applikationen und ihre Benutzerfreundlichkeit. Aber gerade darin besteht für die Hersteller die größte Herausforderung: "Die Kunst ist es, ein Gerät zu entwickeln, das trotz seiner Funktionsvielfalt einfach zu bedienen ist", gibt Nokia-Mann Kreye zu bedenken. "Wir setzen hier auf ein einheitliches Konzept. Das heißt: Wenn man einmal weiß, wie man eine Kurznachricht schreibt, kann man auch E-Mails und Faxe eingeben."

Schwieriger ist es, die widersprüchlichen Wünsche der Anwender zu befriedigen: Einerseits sehnen sie sich nach einem möglichst großen Bildschirm, einer komfortablen Tastatur und einem leistungsstarken Akku - andererseits sollte das Gerät klein, leicht und nicht zu teuer sein. Das lässt sich allerdings derzeit nicht realisieren. Das perfekte Smart Phone gibt es zurzeit noch nicht.

Dennoch: Die Entwicklungen gehen in großen Schritten voran. Eine treibende Kraft ist die Programmiersprache Java, die systemübergreifende Dienste erlaubt. Die Software eröffnet eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten: von attraktiven Spielen für eine breite Kundenschar bis zu spezifischen Programmen für bestimmte Berufsgruppen. Der offene Standard wird bereits von Siemens und Motorola unterstützt.

"Farbdisplays, Sprachsteuerung und schnelle Datenübertragung im Mobilfunknetz wie GPRS und HSCSD steigern zusätzlich die Attraktivität von Smart Phones", freut sich Ericssons Pressereferentin Anja Klein. Spätestens Anfang nächsten Jahres sollen fast alle Geräte mit der schnelleren Übertragungstechnik ausgestattet sein. Sie sollen den Weg für das Multi-Media-Messaging ebnen - einen Nachrichtendienst, mit dem bunte und bewegte Bilder ausgetauscht werden können.

Dass die mobilen Alleskönner in den nächsten Jahren eine immer größere Rolle spielen werden, darauf lassen die guten Verkaufszahlen der aktuellen Modelle schließen. Der Nokia Communicator 9210 belegte bereits kurz nach seiner Markteinführung mit 25 % Verkaufsanteil den zweiten Platz in der Oberklasse der Handys (Quelle: Tech-Consult, Kassel - Marktspiegel Technik). Auch andere Hersteller verkündeten stolz, die geplanten Verkaufszahlen seien bei weitem übertroffen worden. Walter Hühn von Motorola wagt sogar eine Prognose: Er rechnet damit, dass der Marktanteil von Smart Phones in den nächsten zwölf bis 18 Monaten einen zweistelligen Prozentsatz erzielen wird.

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