Hersteller von Video-Spielen verschieben Produktstarts
Besinnliches statt harter Action

Wer konnte das ahnen? Ausgerechnet die Skyline von Manhattan hatte die Electronic Arts Inc. (EA), Redwood City, auf der Verpackung des Strategie- und Actionspiels "Command and Conquer 2: Red Alert" verewigt - und zwar in hellen Flammen. Eine peinliche und teure Austauschaktion folgte jetzt.

HB DÜSSELDORF. Doch die Probleme des Weltmarktführers EA (1,4 Mrd. $ Umsatz) mit einem weit gefächerten Sortiment von Action- bis Sportspielen erscheinen noch harmlos im Gegensatz zu den Schwierigkeiten, denen sich kleinere Firmen gegenübersehen, die ihre Umsätze oft nur mit wenigen Spielen bestreiten. Activison verschob nur einen Tag vor dem Marktstart die Veröffentlichung von "Spider- Man 2" für Sony Playstation auf unbestimmte Zeit. Superheld Spider-Man kämpft ausgerechnet zwischen den Zwillingstürmen des World Trade Centers gegen Bösewichte. Eine neue Version werde noch vor dem Weihnachtsgeschäft herausgebracht, beteuert Activision-Präsident Ron Doornink. In dieser Zeit machen Spielehersteller 50 % ihres Umsatzes und mehr. Activision gehörte zu den großen Verlierern an der Börse.

Doppelt hart war Take Two Interactive betroffen. Die Zentrale in Manhattan war tagelang unbenutzbar. Dabei mussten mehrere fast fertige Spiele für die Playstation 2 mit "unpassendem" Inhalt mit Bezug auf New York und Afghanistan dringend umgeschrieben werden. Take Two gab eine Gewinnwarnung für das vierte Quartal (zum 31. Oktober) ab. Der Umsatz soll jetzt 142 Mill. $ und der Gewinn pro Aktie 0,25 $ betragen, was die Börse mit Kursverlusten quittierte. Electronic Arts kündigte an, zwei Millionen eigene Aktien zurückkaufen zu wollen, um den Kurs zu stützen.

Der lange erwartete Japan-Start der neuen Super-Spielekonsole "Gamecube" der Nintendo Co. lief am Freitag nach dem Terroranschlag nicht nur fast unbeachtet ab, sondern auch schlechter als erwartet. Von den ausgelieferten 450 000 Stück wurden in den ersten drei Tagen nur 300 000 Stück verkauft.

Analysten warnen angesichts der Konjunkturkrise vor einem Käuferstreik

Die Branche ist im Aufruhr. Alle Aktivitäten sind auf Thanksgiving - das große Weihnachtseinkaufs- Wochenende in den USA - ausgerichtet. Zwei Spiele-Konsolen sollen mit Milliardenaufwand in den US-Markt gedrückt werden. Die "X-Box" der Microsoft Corp. und der "Gamecube". Zwar erklären Microsoft und Nintendo übereinstimmend, an ihren Plänen festhalten zu wollen. Doch Analysten warnen angesichts der Konjunkturkrise vor einem Käuferstreik. Außerdem dürfte die Neigung derzeit gering sein, sich allzu gewalttätige Spiele unter den Christbaum zu legen.

Das bietet einer Firma wie Ubi Soft Entertainment eine unerwartete Chance. Ubi muss zwar den Start des Action-Thrillers "Tom Clancy's Rogue Spear: Black Thorn" verschieben, um Szenen herauszuschneiden, die den Terroranschlägen zu sehr ähneln. Gleichzeitig wurde aber mit "Myst III - Exile" ein gewaltfreies Abenteuerspiel herausgebracht, das die Verkaufscharts stürmt. Den Spieler erwartet hochwertige Grafik und ein mystischer Orchestersound. Um weiter zu kommen, muss er Rätsel aus Naturwissenschaft und Technik lösen. "Eine Welt, in der es einfach schön ist zu sein", erklärt Michael Kripalani, CEO des Myst-Entwicklers Prestos Studios, "man wird nicht hinter jeder Ecke erschossen." Der Lohn: Myst-Fans sind zu 48 % Frauen - eine absolute Ausnahme in der von männlichen Spielern dominierten Branche.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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