Herthas Charaktertest
Letzte Ausfahrt Fulham

Fünf Monate nach dem Amtsantritt von Huub Stevens steht Hertha BSC am Scheideweg. Der niederländische Trainer packt erstmals in Berlin den eisernen Besen aus. Die Profis des Hauptstadtclubs spielen am Donnerstag (18 Uhr/ARD live) im "Loftus Road Stadium" von London nicht nur um den ersten Einzug der Berliner ins Uefa-Pokal-Achtelfinale seit 24 Jahren. Auch die nähere Zukunft und der Weihnachtsfriede von Hertha stehen im Drittrunden-Rückkampf gegen den FC Fulham auf dem Spiel.

HB/dpa LONDON. "Wenn du es mit der C-Jugend zu tun hast, musst du es ab und zu erklären. Aber ich denke, dass es Profis sind, die wissen, worum es geht", sagte Stevens.

Im nationalen Pokal längst draußen, in der Bundesliga nur im Niemandsland der Tabelle - der Europacup ist nach dem 2:1 im Hinspiel die letzte Chance für die Berliner, wenigstens ein Ziel in dieser Saison zu erreichen. Stevens setzte ein Zeichen, ließ Ex- Nationalspieler Stefan Beinlich in Berlin zurück, obwohl der sich nach einer Knieprellung wieder fit gemeldet hatte. "Ich bin unheimlich enttäuscht", meinte Beinlich, der zuletzt den Ansprüchen an einen Führungsspieler nicht gerecht wurde. "Er hat Training nötig", sagte Stevens emotionslos.

Die riesige Diskrepanz zwischen Anspruch und sportlicher Wirklichkeit bekamen der Chefcoach und seine 19 Spieler mit dem Flug LT 9764 auf die Insel noch einmal vorgeführt. Erstmals in der Vereinsgeschichte konnten die Berliner am Mittwoch einen "eigenen" Flieger im Hertha-Design nutzen, den Partner LTU ab sofort durch die Welt schickt. Einen solchen Werbeträger kann bisher nur das große Hertha-Vorbild FC Bayern nutzen.

Für die Berliner, die im Stadion der Queens Park Rangers neben Beinlich auch den ebenfalls nicht berücksichtigten Bartosz Karwan sowie Alex Alves und Denis Lapaczinski (verletzt) verzichten, geht es um Perspektiven und viel Geld. "Es bricht nichts zusammen, wenn wir ausscheiden. Aber ein Weiterkommen würde die Möglichkeiten des Vereins auf allen Gebieten erhöhen", unterstrich Manager Dieter Hoeneß. Über zwei Mill. ? könnte die nächste EC-Runde bei einem zu erwartenden attraktiven Gegner bringen.

Von einer zusätzlichen Motivationsprämie wollte Stevens, der im Abschlusstraining bei zwei Grad in London noch einmal die angeschlagenen Arne Friedrich und Nene testete, nichts wissen: "Ich habe nie über Geld gesprochen, ich will immer gewinnen. Da brauchst du keine Prämien zahlen." Vielmehr ordnete der Trainer die Partie als Charaktertest ein. "Wir müssen auf Sieg spielen", forderte Jung- Nationalspieler Friedrich viel Mut.

Für eine Reihe der Hertha-Profi könnte ein erneutes Scheitern in der dritten Uefa-Pokal-Runde nach 2000 und 2001 bitter werden: Gleich 14 Verträge laufen zum Saisonende aus, ein radikaler Umbruch scheint unumgänglich. Auch Profis, die noch nicht damit rechnen, könnte es in Zeiten immer leerer Kassen treffen. "Ich muss mit dem auskommen, was ich jetzt habe", deutete der Trainer an, dass einige "Altlasten" nicht in sein Konzept für die kommenden Jahre passen.

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