"Herz & Schmerz" als neues Erfolgsrezept
RTL 2 will Liebe statt Gewalt

Josef Andorfer, Chef des Fernsehsenders RTL 2, kannte bisher in Sachen Sex & Gewalt keine Berührungsängste. Das hat sich geändert: Herz & Schmerz heißt sein neues Erfolgsrezept.

Der Münchner Minikanal plant zum 10. Geburtstag von RTL 2 im März nächsten Jahres einen Frauenkanal namens "Victoria". Ausschließlich mit Telenovelas - sentimentalen Billig-Serien aus Lateinamerika - will Andorfer sein weibliches Zielpublikum zwischen 20 und 40 Jahren anlocken.

Noch im Frühjahr schwärmte der RTL2-Chef für einen Kanal mit japanischen Zeichentrickfilmen, den so genannten Mangas. Auf der Filmmesse in Cannes kaufte der renditebewusste Österreicher die meist gewalttätigen, sexistischen Cartoons fleißig ein. Doch das Massaker in Erfurt und der Disput um Gewalt im Fernsehen machten den exzentrischen Plan zunichte. Andorfer hat schnell umgeschaltet: Liebe statt Aggression. Eine endgültige Entscheidung über "Victoria" fällt allerdings erst im Herbst. Dann setzen sich die Gesellschafter RTL-Group, Herbert Kloiber (Tele-München-Gruppe) und Verlage Heinrich-Bauer sowie Hubert Burda zusammen. Die Begeisterung der Herren dürfte sich in Grenzen halten, denn so mancher Medienunternehmer erinnert sich an TM 3. Der 1995 gestartete Frauensender mit seiner Mischung aus Herz & Schmerz-Filmen und Talksendungen scheiterte kläglich am Werbemarkt - damals in den goldenen Zeiten des Fernsehens.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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