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Herzklopfen in der Achterbahn

Haßloch (dpa) - Beim Achterbahnfahren ist die Angst für viele Menschen ein zuverlässiger Begleiter. Manch einem schlägt das Herz sprichwörtlich schon bis zum Hals, wenn der Wagen auf gut 60 Meter Höhe gezogen wird, um gleich darauf in die Tiefe zu rasen.

Haßloch (dpa) - Beim Achterbahnfahren ist die Angst für viele Menschen ein zuverlässiger Begleiter. Manch einem schlägt das Herz sprichwörtlich schon bis zum Hals, wenn der Wagen auf gut 60 Meter Höhe gezogen wird, um gleich darauf in die Tiefe zu rasen.

Wie sich die Fahrt in einer bis zu 120 Stundenkilometer schnellen Bahn tatsächlich auf Herz und Kreislauf der Passagiere auswirkt, das haben Mediziner des Mannheimer Universitätsklinikums im Holiday Park in Haßloch im Kreis Bad Dürkheim bei 50 Freiwilligen untersucht.

Dabei stellten die Ärzte fest, dass allein die Aufregung die Herzfrequenz in den ersten Sekunden der Bergfahrt auf bis zu 120 Schläge pro Minute steigen lässt. Dies sei lediglich auf psychischen Stress, nicht auf körperliche Belastung zurückzuführen, erläuterte der Herzspezialist Jürgen Kuschyk. Im Alltag sind etwa 80 Herzschläge pro Minute im Ruhezustand normal.

Bei steiler Berg- und Talfahrt und Tempo 120 schnellten die Frequenzen dann auf 150 bis 200 Schläge. Kuschyk bewertete das Ergebnis zurückhaltend: «Ich würde Achterbahnfahren nicht unbedingt verschreiben, aber für gesunde Menschen können extreme Frequenzen wie beim schnellen Joggen oder Fußballspielen durchaus anregend sein», sagte er.

Bei dem Test wurden wie in der Formel 1 per Funktelemetrie sämtliche Daten des Herz-Kreislauf-Systems der Passagiere aufgezeichnet und direkt an einen Computer gesendet. Dabei wurde der älteste Testteilnehmer, ein 70-Jähriger, dabei ertappt, dass er falsche Angaben über seine Gesundheit gemacht hatte. Für wenige Sekunden konnten die Mediziner bei ihm ein so genanntes Vorflimmern, eine kurzzeitige Herzrhythmusstörung, feststellen. «Dies zeigt, warum ältere Menschen nicht unbedingt Achterbahn fahren sollten. Dies gilt insbesondere für Herzkranke», sagte Kuschyk.

Die Haßlocher Anlage war nach Parkangaben 2003 bei einer Internet- Abstimmung zur weltbesten Bahn gekürt wurde. Sie erreicht auf etwa 1,3 Kilometern Strecke nach einer Sturzfahrt aus 62 Metern Höhe eine Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometern und hat das weltweit steilste - fast senkrechte - Gefälle von 82 Grad bei gleichzeitiger Verdrehung. Der Fahrgast wird nach Angaben des Parks mitunter von einem Mehrfachen des eigenen Körpergewichts in den Sessel gedrückt.

Auf der selben Anlage war der Amerikaner Richard Rodriguez vor zwei Jahren 104 Tage lang bis zu 15 Stunden täglich gefahren. Insgesamt legte er mehr als 30 000 Kilometer zurück. Seine Herzfrequenz lag auch in extremen Kurven der Achterbahn lediglich bei 85 Schlägen. 2003 absolvierte er auf der Bahn eine siebenwöchige Tag- und Nachttour.

Mit dem Test wollten die Mannheimer Mediziner auch klären, ob auf großen Achterbahnanlagen die Grenze für eine dauerhafte gesundheitliche Beeinträchtigung bereits überschritten ist. Nach Kuschyks Angaben war es die weltweit erste Untersuchung dieser Art bei einer Bahn dieser Größenordnung.

Lediglich in den 80er Jahren habe es in Großbritannien einen Test mit 13 Personen auf einer kleinen Kirmesbahn gegeben, die mit den heutigen Achterbahnen jedoch nicht vergleichbar sei.

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