Herzlicher Empfang, harte Arbeit, klare Worte
DFB-Team im WM-Quartier eingetroffen

Sie hatten kaum ein Auge zugemacht - doch Rudi Völler kannte mit seinen müden Kickern kein Erbarmen. Nach einem knapp elfstündigen Flug bat der DFB-Teamchef die deutsche Fußball-Nationalmannschaft umgehend zur ersten Trainingseinheit im japanischen WM-Quartier in Miyazaki.

HB, sid MIYAZAKI. "Wir müssen die Müdigkeit herauslaufen", begründete der 42-Jährige die frühe Übungsstunde bei bedecktem Himmel und Temperaturen von 19 Grad kurz nach der Ankunft am Donnerstagmorgen Ortszeit auf der südjapanischen Hauptinsel Kyushu. Zudem gab der Teamchef, der am Nachmittag schon die zweite Einheit angesetzt hatte, gleich zu Beginn des mindestens 20-tägigen Aufenthaltes in Japan eine exakte Marschroute für seine Stars vor: "Wir sind hier zwar nicht in einer Jugendherberge oder in einem Gefängnis, aber es gibt ein paar Grundregeln, an die sich alle zu halten haben." Einen Zapfenstreich im eigentlichen Sinne gebe es zwar nicht, sagte Völler, er baue auf die "Eigenverantwortung der Spieler". Allerdings kündigte er auch an: "Wir werden natürlich schon gewisse Dinge kontrollieren."

Klare Worte nach einem ruhigen Flug. Um 7.53 Uhr Ortszeit war der riesige DFB-Tross pünktlich in Miyazaki eingetroffen. Am Flughafen begrüßten Naoki Hashida, Vizepräsident des regionalen Fußball-Verbandes, und Dr. Johannes Preisinger, deutscher Generalkonsul in Japan, die Gäste aus Deutschland offiziell. Völler, Kapitän Oliver Kahn und DFB-Teammanager Bernd Pfaff erhielten Blumensträuße. Knapp ein Dutzend japanischer Fans schwenkte höflich deutsche Fähnchen. Der herzliche Empfang setzte sich auch im klotzigen, wenn auch noblen DFB-Hotel "Sheraton Phoenix Golf Resort" fort. Auch das Hotelpersonal stand mit schwarz-rot-goldenen Fähnchen in den Händen Spalier und hieß die prominenten Gäste willkommen. "Wir wünschen der deutschen A-Nationalmannschaft bei der WM viel Erfolg", stand zudem auf einem großen Plakat, das die deutsche "U15"-Nationalelf bereits vor Wochen bei einem Aufenthalt in Japan im deutschen WM-Lager hinterlassen hatte.

"Wir haben optimale Bedingungen angetroffen. Der erste Eindruck ist absolut positiv. Die zwei Trainingsplätze, die uns zur Verfügung stehen, sind sensationell", schwärmte Völler. Der DFB-Teamchef räumte aber zugleich ein: "Wir werden noch ein paar Tage brauchen, bis wir uns akklimatisiert und den Jetlag verarbeitet haben. Erst nach unserem Test gegen eine "U21"-Auswahl aus Miyazaki am 26. Mai geht es volle Pulle Richtung erstes Gruppenspiel gegen Saudi-Arabien in Sapporo." Die Auftaktpartie findet am 1. Juni statt (13.30 Uhr MESZ, live in der ARD). Soweit wollten die Spieler am Donnerstag noch gar nicht denken. "Wir müssen jetzt erstmal die Zeitumstellung verkraften. Danach können wir im Training mit dem taktischen Feinschliff beginnen", erklärte Torwart Oliver Kahn. Und der erst in letzter Sekunde auf den WM-Zug aufgesprungene Lars Ricken meinte: "Jetzt müssen wir sehen, dass wir den ersten Tag über die Bühne kriegen und sich dann langsam wieder normale Verhältnisse einstellen."

Normale Verhältnisse wünscht sich vor allem Michael Ballack. Der künftige Münchner, der nach den Ausfällen von Mehmet Scholl und Sebastian Deisler als einziger Hoffnungsträger für die verwaiste Schaltzentrale im deutschen Mittelfeld übrig geblieben ist, konnte auch am Donnerstag wegen seiner Fußprellung nicht mittrainieren. "Die Verletzung ist aber nicht so tragisch, dass sein Einsatz im ersten Gruppenspiel gefährdet ist", wiegelte Völler alle Spekulationen in diese Richtung ab. Bereits am Freitag soll der Noch-Leverkusener wieder am Mannschaftstraining teilnehmen.

Apropos Leverkusen: "Die Saison ist abgehakt, jetzt zählt auch für die Leverkusener Spieler nur noch die WM, alles andere ist Vergangenheit", sagte Völler und machte damit unmissverständlich klar, dass spätestens seit Donnerstag für Ballack, Oliver Neuville, Carsten Ramelow, Bernd Schneider und auch Torwart Jörg Butt eine neue Zeitrechnung begonnen hat. Ähnliches gilt auch für Marko Rehmer von Hertha BSC Berlin, der eigentlich nach seiner ausgeheilten Sprunggelenksverletzung schon am vergangenen Samstag gegen Österreich (6:2) sein Comeback im DFB-Team geben sollte, aber wegen einer Schulterverletzung erneut pausieren musste. "Ich kann im Training wieder voll mitmachen und fühle mich gut", sagte der Berliner, der bei der Landung im Cockpit an der Seite von Kapitän Karl-Heinz Henze ("Ich würde die Mannschaft gerne am 30.Juni wieder nach Deutschland zurückholen") gesessen hatte.

Rehmers Gesundheitszustand "hat sich deutlich verbessert, die Schulter bereitet ihm kaum noch Schmerzen", bestätigte auch Dr. Josef Schmitt. Der DFB-Orthopäde geht davon aus, dass spätestens am Wochenende zumindest aus medizinischer Sicht erstmals in der WM-Vorbereitung damit zu rechnen ist, dass alle 23 WM-Starter voll auf der Höhe sind.

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