Herzschlagfinale
Steffen schwimmt zu Gold

Britta Steffen hat bei den Olympischen Spielen in einem Herzschlagfinale über 100m Freistil die erste deutsche Schwimm-Goldmedaille seit 16 Jahren gewonnen. Einer ihrer ersten Wege führte sie an die Schulter von Franziska van Almsick.

Als Britta Steffen nach den wichtigsten 53,12 Sekunden ihrer Karriere angeschlagen hatte, hielt sie für einen ganz kurzen Moment inne. Erst dann drehte sie sich langsam um, schaute hoch zur Anzeigetafel und sah die "1" hinter ihrem Namen leuchten. "Ich habe mir erst gesagt: Genieß diesen Augenblick, egal, was es geworden ist. Dann habe ich mich umgedreht und gedacht: Haha, tatsächlich gewonnen", erklärte die neue Schwimm-Olympiasiegerin über 100 m Freistil.

Alles hatte sich für diesen einen kurzen Augenblick gelohnt, der Name Britta Steffen wird für alle Zeiten mit dem Attribut Olympiasiegerin versehen sein. Was nach dem Herzschlagfinale folgte, war ein grandioses und hochemotionales Wechselbad der Gefühle. Steffen umarmte ihre geschlagene Rivalin Lisbeth Trickett, vergoss dicke Freudentränen an der Schulter von Franziska van Almsick, lachte und weinte gleichzeitig, schrie und schwieg.

Der Nationalhymne bei der Siegerehrung lauschte sie mit Tränen der Ergriffenheit in den Augen und einem befreiten Lächeln im Gesicht. "Da war an Emotionen alles dabei. Zwischen Gedanken wie "Mama und Papa, ich hab's geschafft" und "Ja, ich hab es mir selbst bewiesen"", sagte die 24-Jährige schließlich völlig losgelöst und verfiel, als der ganze Druck der letzten Monate allmählich wich, vor lauter Aufregung in ihren Berliner Dialekt.

Etwas später, als sich der Trubel ein wenig gelegt hatte, nahm sie die Glückwünsche ihrer Mannschaftskollegen entgegen, telefonierte mit ihren Eltern und ihrem Freund Oliver Wenzel. "Genauso wichtig wie der Sieg ist es mir, dass ich Kampf und Willen gezeigt habe", sagte Steffen.

Es war in der Tat ein Triumph des Willens. Noch zur Hälfte hatte die WM-Dritte und Europarekordlerin bei der Wende auf dem letzten Platz gelegen - fast eine Länge hinter Trickett. Doch Steffen kämpfte sich heran und schließlich vorbei ("Da wurden Bärenkräfte frei"). Am Ende lag sie vier Hundertstel oder eine Fingerlänge vor der Weltmeisterin und Weltrekordlerin aus Australien.

Eine unruhige Nacht hatte Britta Steffen am Freitagmorgen hinter sich. "Ich hatte mir den Wecker auf 7.25 Uhr gestellt, aber um zwei Uhr bin ich wach geworden und konnte schlecht wieder einschlafen. Um halb sieben war ich dann komplett wach und habe gelesen. Als wir in die Halle einmarschiert sind, lief alles wie in Trance", erzählte Steffen glücklich und aufgedreht. Unmittelbar vor dem Start hatte sie noch schnell den Ring an ihrem Finger gedreht - ein Glücksbringer, in den die Namen der Geschwister eingraviert sind.

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