Heute am Kiosk
Wohin geht die Reise?

Die erste Seite des Handelsblatts präsentiert sich unseren Lesern heute in einer ungewöhnlichen Form. Malerei statt Meldungen, Kunst statt Kommerz, Baselitz statt Börsenkurse. Warum diese ungewöhnliche Aktion? Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (K20) in Düsseldorf, Grabbeplatz, zeigt die Afrika-Sammlung von Georg Baselitz bis zum 24. August.

Kommentar: Wohin geht die Reise?

Redaktion und Verlag wollen ein Zeichen setzen - ein Zeichen gegen festgefahrene Denkstrukturen, gegen Stillstand, gegen Mutlosigkeit. Wir haben für diese Aktion Georg Baselitz gewinnen können - einen der bedeutendsten und vielseitigsten deutschen Maler der Gegenwart. Baselitz und seine Arbeit stehen für den Streit wider zementierte Strukturen, gegen die Übermacht von Institutionen zu Lasten des Individuums. Baselitz rebellierte früh gegen das sozialistische Regime seiner Heimat, der DDR. Wie oft mag er heute, in der neuen Bundesrepublik, denk-ähnlichen Strukturen begegnen, die Reformen und den Aufbruch behindern?

An dieser Stillstandsmentalität leiden wir, darüber klagen wir in Deutschland seit langer Zeit. Wir alle wissen dabei ganz genau: Es gilt, von den ausgetretenen Pfaden unserer tradierten Argumentations- und Denkweisen abzuweichen. Deutschland steckt in einer tiefen Krise, die mittlerweile alle Züge einer Depression aufweist. Dieses Land, so mag man meinen, gefällt sich in dieser Depression. Es gefällt sich in der Rolle, wechselseitig auf die Politik oder die Wirtschaft, die Gewerkschaften oder die Bürger zu zeigen und zu sagen: Du bist schuld an dieser Krise und meinem Dilemma.

Die Wahrheit ist: Wir alle sind schuld. Jeder in unterschiedlicher Form, an seinem Platz und in seiner Funktion in der Gesellschaft. Wir alle müssen begreifen: Jetzt, wo wir den Weg der alten Deutschland AG verlassen, weil wir es müssen - jetzt gilt es auch, die Grenzen unserer üblichen Handlungsmuster zu sprengen. Wir müssen etwas wagen, wir müssen quer denken, wir müssen auf Risiko setzen. Wir müssen gegensteuern, wenn die Krise enden soll und wir die in ihr liegenden Chancen ergreifen wollen. Sinnbildlich: Wir müssen dieses Land und unser Denken auf den Kopf stellen, damit es wieder auf die Beine kommt.

Georg Baselitz fragt auf der von ihm gestalteten Seite 1: "Wohin geht die Reise, lieber Leser?" Alle Teilnehmer am ökonomischen Prozess, alle Bürger an ihrem Platz in der Gesellschaft kennen die einzig mögliche Antwort auf diese Frage: "Wohin die Reise geht - das bestimmen wir." Auf uns kommt es an.

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