Heute bestimmt das IOC, welche Städte offizielle Kandidaten für die Olympischen Spiele 2012 werden
Startet Leipzig durch?

Wenn heute das IOC die Kandidaten für die Spiele 2012 bestimmt, hat Leipzig eine Chance weiterzukommen. Oder auch nicht.Thomas Bach, des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), sagt: "Nichts Genaues weiß man nicht."

LEIPZIG. Bach macht auf gute Laune. "Don?t worry, be happy", dudelt es in der Warteschleife seiner Telefonanlage. "Zum Verzagen gibt es keinen Grund", sagt er Vizepräsident wenn er nach den Chancen der Leipziger Olympiabewerbung gefragt wird. "Zum frühzeitigen Jubel auch nicht."

Ortstermin in einem Kongresszentrum in Lausanne: Neun Bewerberstädte haben ihre Delegationen zum Mittelpunkt der internationalen Sportpolitik entsandt, an der Spitze des deutschen Teams stehen Bundesinnenminister Otto Schily und der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Klaus Steinbach. Neben Leipzig treten fast ausnahmslos Weltstädte an, davon fünf aus Europa. Einig sind sich nahezu alle Angereisten, dass "es einen Cut geben wird". Also: Nicht alle kommen durch. Wenn die Gerüchte stimmen, werden drei bis sechs Kandidaten aussortiert.

Nahezu sicher ist, dass drei Städte gesetzt sind: Paris hat ein ausgereiftes sportliches Konzept, London eine kompakte, gut durchdachte Bewerbung. Auch an New York dürfte das IOC schwer vorbeikommen. Genügend Hotels, eine leistungsfähige Infrastruktur, eine finanzstarke Wirtschaft - all das ist hier wie in Europas Hauptstädten vorhanden. So wie die sportpolitischen Kaffeesatzleser drei Favoriten ausgemacht haben, so wird auch von drei Außenseitern gesprochen - hinter vorgehaltener Hand. Havanna gilt als erster Abwahlkandidat. Kubas Hauptstadt hat zwar ein Olympiastadion, doch olympischen Standards wird es nicht gerecht, von der sonst vorhandenen Infrastruktur ganz abgesehen. Ebenfalls als kaum olympiareif stufen viele Istanbul ein - hier ist die Terrorgefahr zu groß. "Die Sicherheit ist für uns Thema Nummer eins", sagt IOC-Präsident Jacques Rogge. Ein Argument, das auch Moskau zum Verhängnis werden könnte.

Ob Leizig weiterkommt, hängt zunächst von den Konkurrenten im Mittelfeld der Bewerberstädte ab: Rio de Janeiro und Madrid. Für Rio spricht die Lage in Südamerika. Die Region gilt als Wachstumsmarkt, noch nie fand Olympia hier statt. Doch ob Brasiliens Organisatoren fähig sind, genügend Geld und einen funktionierenden öffentlichen Nahverkehr bereitzustellen, zweifeln manche Funktionäre an. Andere weisen darauf hin, dass beim Ausscheiden Havannas und Rios die Lateinamerikaner "unverhältnismäßig benachteiligt wären". Ähnlich vage sind die Aussichten für Madrid. Hier gilt die Sicherheit als Problem. Andererseits wäre es wohl ein fatales Signal, glauben vor allem Politiker, den Spaniern die Kandidatur wegen der Anschläge vom 11. März zu entziehen. "Was ist dann mit New York?", fragt mancher. Sollten die Spanier ausscheiden, "könnte Leipzig vielleicht Europas Außenseiterstelle übernehmen", spekulieren deutsche Vertreter

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