Hewlett-Packard kauft Compaq
Kommentar: Carlys Coup

Endlich wieder eine Megafusion! Mit diesem Stoßseufzer nahmen die Aktienbörsen der Welt gestern die Nachricht von der Übernahme des Computerherstellers Compaq durch den Konkurrenten Hewlett-Packard auf. Sogleich begannen die Spekulationen ins Kraut zu schießen: Wer könnte jetzt als Nächstes wen schlucken? Doch die vorübergehende Begeisterung entzündete sich vor allem daran, dass in der von einem beispiellosen Konjunktureinbruch gelähmten Informationstechnologie-Branche überhaupt wieder jemand so einen Schritt wagt. Die konkrete Fusion ist indessen überhaupt kein Anlass zur Euphorie.

Ein Vergleich reicht, um zu illustrieren, dass sich hier keinesfalls zwei Sieger vereinen: Die Fusion per Aktientausch hat ein Volumen von 25 Milliarden Dollar - vor einem Jahr wäre es noch weit mehr als doppelt so viel gewesen. Der zusammengerechnete Börsenwert der beiden Computerkonzerne ist in dieser Zeit von 183 auf 66 Milliarden Dollar geschrumpft. Hewlett-Packard und Compaq fusionieren also nicht aus einer Position der Stärke heraus - es geht um die Konsolidierung in einer angeschlagenen Branche.

Für die Hewlett-Packard-Chefin Carly Fiorina, die auch den neuen Computerriesen führen wird, ist der Kauf von Compaq ein Befreiungsschlag. Als sie 1999 bei Hewlett-Packard antrat, versprach sie nichts weniger als eine Neuerfindung des legendären Traditionsunternehmens des Silicon Valley innerhalb von drei Jahren. Zwei Jahre sind vergangen, und ihr ist nicht viel gelungen.

Der ersehnte Einstieg in das lukrative und relativ krisensichere Geschäft der IT-Dienstleistungen scheiterte, als der Kauf des Beratungsgeschäfts von Pricewaterhouse Coopers misslang. Die anfängliche Begeisterung der Anleger für die charismatische Führungsfrau schwand, als Fiorina ihre Gewinnprognosen im Laufe dieses Jahres deutlich verfehlte. Und intern ist Fiorina mit ihrer Reform der schwerfälligen Strukturen noch lange nicht bis hinunter in die operativen Einheiten vorgedrungen.

Die Übernahme von Compaq wird Fiorinas Hauptprobleme nicht lösen. Der Umsatzanteil der Dienstleistungen ist vorher exakt so groß wie nachher: 17 Prozent. Hauptkonkurrent IBM kommt hier auf runde 40 Prozent. Hewlett-Packard ist also nach wie vor stark hardwarelastig. Zudem bleibt die Abhängigkeit vom kriselnden PC-Markt hoch. Ein Drittel seines Umsatzes wird der neue Konzern also mit einem Produkt erwirtschaften, dessen Absätze schrumpfen und dessen Preise immer tiefer abrutschen. Compaq hat keine Antwort auf die Direktverkauf-Strategie des Konkurrenten Dell gefunden und musste ihn deshalb an die Spitze des Weltmarktes vorbeiziehen lassen. Hewlett-Packard und Compaq zusammen können eine erheblich breitere Angebotspalette vorweisen, aber wie wollen sie die Margen anheben?

Da gibt es nur einen Weg, und der wird schmerzhaft sein: Die Fusion macht nur Sinn, wenn ihr massive Kostensenkungen folgen. Schon vor der Fusion sollten bei Compaq 8 500 und bei Hewlett-Packard 6 000 Stellen wegfallen. Nun steht dem vergrößerten Hewlett-Packard-Konzern eine neue Entlassungswelle bevor. Von 5 000 weiteren Arbeitsplätzen war zunächst die Rede. Doch dabei wird es angesichts der Überlappungen und des starken Drucks auf die Margen nicht bleiben. Wenn diese Fusion Sinn machen soll, muss sie Überkapazitäten auf dem PC-Markt eliminieren.

Carly Fiorina hat von ihrem bisherigen Scheitern abgelenkt, ihre Macht gesichert - und sich eine noch weitaus schwerere Aufgabe aufgehalst.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%