Hewlett-Packard und Compaq
Computerbranche erwartet weitere Fusionen

Selbst Konkurrenten freuen sich: Die Übernahme von Compaq durch Hewlett-Packard wird als erster Schritt zu einem Abbau der Überkapazitäten am Markt gesehen. Cisco-Chef John Chambers (Foto) geht von einer weiteren Bereinigung aus.

HB/jojo/sgr DÜSSELDORF. Der Zusammenschluss von Hewlett-Packard und Compaq zum zweitgrößten Computerkonzern der Welt markiert nach Ansicht von führenden Unternehmern den Anfang einer großen Bereinigungswelle bei den Anbietern von Informationstechnologie. "Ich denke, das ist nur ein erster Schritt", kommentierte der Vorstandsvorsitzende des weltgrößten Netzwerkausrüsters Cisco Systems, John Chambers, die Megafusion. Er erwartet "eine sehr flotte Konsolidierung in der Branche über alle Sektoren hinweg".

Auch Paul Stodden, Vorstandsvorsitzender von Fujitsu Siemens Computers (FSC), zeigte sich im Gespräch mit dem Handelsblatt überzeugt, dass die Überkapazitäten in den USA zu weiteren Zusammenschlüssen führen werden. Durch den Boom in den vergangenen Jahren hätten die US-Computerbauer einen Produktionsüberhang aufgebaut. "Es ist gut, dass jemand Kapazität aus dem Markt nimmt", freut sich der Chef von Europas größtem Computerbauer. Denn der Markt wird nach Einschätzung des ehemaligen Siemens - Managers die früher üblichen zweistelligen Wachstumsraten nicht mehr erreichen.

Am Dienstag hatte HP die Übernahme des US-Konkurrenten Compaq für 25 Mrd. $ bekannt gegeben. Vorrangiges Ziel der Übernahme ist die Kostensenkung, außerdem wollen die Unternehmen das lukrative Dienstleistungsgeschäft ausbauen.

FSC-Chef Stodden rechnet jedoch damit, dass die Integration der beiden Firmen schwierig wird und sich über zwei Jahre hinziehen kann. Dies gebe Konkurrenten Zeit, dem neuen Computerriesen Kunden abzujagen. FSC selbst hat fast zwei Jahre gebraucht, um die Fusion der Computersparten der japanischen Fujitsu und von Siemens zu verdauen. Im laufenden Geschäftsjahr werde das Joint Venture erstmals ein positives Ergebnis vorlegen, betonte Stodden. Allerdings liege der PC-Verkauf an Privatkunden am Boden.

Gerade in diesem Segment hatten HP und Compaq zuletzt gegenüber ihrem Hauptkonkurrenten Dell deutlich an Boden verloren. Im Zuge der Fusion wollen sie nun weltweit 15 000 Stellen streichen. Branchenkreise erwarten, dass der Personalabbau in Europa vor allem Compaq trifft, da das Unternehmen in Großbritannien und Tschechien besonders stark vertreten ist. Schwerpunkte des HP-Geschäfts sind dagegen Frankreich und Deutschland, wo das Arbeitsrecht wesentlich strenger ist.

Bei Compaq in München ist die Unsicherheit über die Zukunft groß. "Die Konsequenzen sind intransparent", drückte sich gestern ein Sprecher von Compaq-Deutschland diplomatisch aus. Die Belegschaft im Deutschland-Hauptsitz in München rechnet jetzt jedenfalls mit wesentlich mehr Entlassungen als den rund 300 Stellen, die bislang wegfallen sollten.

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