HGB - IAS - US-GAAP
Unterschiedliche Bilanzansätze

Die Art und Weise der Bilanzierung als auch die Bewertung von Vermögensgegenständen ist in verschiedenen Rechtskreisen und Ländern unterschiedlich geregelt.

Experten unterscheiden aktuell vor allem drei Systeme: die des deutschen Rechts nach HGB (Handels- und Gesellschaftsrecht), die Bilanzierung nach IAS (International Accounting Standard) und diejenige nach US-GAAP (United Staates General Accepted Accounting Principles).

Das deutsche Rechtsverständnis geht nach dem Prinzip Vorsicht davon aus, Vermögen eher niedrig zu bewerten, um so aus Gläubigersicht ein auch im Liquidationsfall zur Verfügung stehendes Kapital bzw. Vermögen auszuweisen. Letztgenannter Standard (US-GAAP) kann für alle angelsächsisch geprüften Rechtsauffassungen genannt werden und versucht, möglichst den aktuellen Marktwert des Vermögens zu ermitteln. Das Vermögen wird dadurch tendenziell höher angesetzt als beim Prinzip Vorsicht. Die IAS spielen hier eine Zwitterrolle und vereinen Elemente von beiden Systemen.

Viele Kritiker des US-Systems gehen davon aus, dass die aktuellen Bilanzfälschungen nur in einem System möglich waren, in dem Gutachter Zukunftswerte und aktuelle Werte mangels realer Marktpreise abschätzen dürfen. So können US-Unternehmen bis dato zukünftige Umsätze ganz legal als Vermögenswert ("asset") in eine heutige Bilanz schreiben, da es sich nach deren Auffassung ja um ein vermögenswertes Recht handelt. Es sei ein Recht auf Zahlung von Forderungen, die ja auch in der Bilanz ausgewiesen werden. Nach deutschen Standards gilt das Realisationsprinzip, d.h. derartige Umsätze dürfen erst dann ausgewiesen werden, wenn sie auch realisiert, d.h. vertraglich gesichert und damit als Forderungen oder bei Barzahlung als Kassenzunahme in den Büchern auszuweisen sind. Fiktive oder denkbare Erfolge ("Optionen") dürfen nicht ausgewiesen werden.

Prinzip Vorsicht schützt nicht vor Betrug

In einer aktuellen Umfrage unter 58 Investmentgesellschaften bzw. Fonds in Europa wurde deutlich, dass die große Mehrzahl der europäischen Fondsmanager davon ausgeht, dass ähnliche Bilanzfälschungen wie in den USA in Europa aufgrund der vorsichtigen Bewertungsmethodik nicht vorkommen. Das Prinzip Vorsicht, das Realisationsprinzip, die Verpflichtung stets bei Vorliegen von zwei Bewertungsansätzen den niedrigeren Ansatz zu wählen (Niederstwertprinzip § 252 HGB) u.a. HGB-Vorschriften würden also vor Bilanztricks schützen. Dem kann eingeschränkt zugestimmt werden, indem zumindest fiktive Zukunftserfolge nicht als aktuelle Werte angesetzt werden. Dennoch bestehen auch in Deutschland ausreichend Gestaltungsspielräume bei Bilanzen.

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