Hickhack um das Hedge-Fonds-Zertifikat der Deutschen Bank – Aufsicht überfordert
Was ein Fonds darf und was nicht

Die zunehmende Komplexität der Finanzinstrumente eröffnet dem Fondsmanager Grenzbereiche des gesetzlich Erlaubten. Personalengpässe im zuständigen Aufsichtsamt verschärfen die Bewertungsprobleme. Faktisch werden die Wirtschaftsprüfer sowie die Controller in den Fondsfirmen immer stärker gefordert.

FRANKFURT/M. Die Reaktion fiel heftig aus. Dabei hatte der BVI Bundesverband Deutscher Investment-Gesellschaften doch nur seine Meinung kundgetan, dass der Kauf eines bestimmten Produktes für einen Investmentfonds seiner Meinung nach unzulässig ist. Mindestens eine Anlagefirma wehrte sich gegen die an alle BVI-Mitgliedsgesellschaften verbreitete Einschätzung. "Das übersteigt Eure Kompetenz", kritisierte der Top-Vertreter einer Fondsgesellschaft.

Auslöser der Diskussion ist das "Xavex HedgeSelect Zertifikat", ein von der Deutschen Bank emittiertes Papier, dessen Performance sich an der Wertentwicklung eines Portefeuilles von Hedge Fonds orientiert. Der BVI begründete sein "Nein" so: Die Risiken eines einzelnen Hedge Fonds - dessen Manager praktisch unkontrolliert agieren - sind kaum zu kalkulieren, Termingeschäfte auf Rohstoffe sind möglich, nur einmal im Monat wird für das Zertifikat ein Preis festgestellt. All das sei nach dem Blick in die einschlägigen Paragrafen des Gesetzes über Kapitalanlagegesellschaften (KAGG) unverträglich mit den Anforderungen an die Anlagen eines Investmentfonds.

Inzwischen haben sich die Wogen geglättet, denn der Verband korrigierte den Inhalt seines Rundschreibens vom 6. September an die Mitgliedsgesellschaften. Die neue Leitlinie: Jede Gesellschaft muss - zusammen mit ihren Wirtschaftsprüfern - selbst bewerten, was sie in den Fonds hineinnehmen darf und was nicht.

Graubereich besser als Selbstbeschränkung

"Es ist viel zu gefährlich, wenn der BVI sagt, etwas sei nicht erlaubt; in rechtlichen Grauzonen schränken wir dann unsere eigenen Geschäftsmöglichkeiten ein", ist aus dem Umfeld der Deutsche-Bank-Fondsgesellschaft DWS zu hören. Gleichzeitig wird glaubhaft versichert, dass die ursprüngliche Anfrage nicht aus dem Hause DWS stamme. Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers bestätigen den Eindruck der zunehmenden Schwierigkeiten, das Erlaubte einzugrenzen. Immer öfter gelte es im Einzelfall zu prüfen, was ein Fonds darf und was nicht.

Die Diskussion um das Xavex-Zertifikat wirft ein Schlaglicht auf die steigende Bedeutung von Investmentmöglichkeiten, die durch das rechtliche Rahmenwerk zumindest nicht ausdrücklich erlaubt scheinen - und von der Aufsicht kaum zu kontrollieren sind. Die zunehmende Komplexität der Finanzwelt und ihrer Produkte sorgt für Grenzbereiche. "Da kann der rechtliche Rahmen nicht Schritt halten", bemerkt ein Wirtschaftsprüfer.

Das klingt für den Anleger bedrohlich, darf aber nicht überschätzt werden. Schließlich bauten die Investmentgesellschaften in den vergangenen Jahren wirksame interne Systeme für das Risikomanagement in ihren Portfolios auf. Um die in Spezialfonds anlegenden institutionellen Investoren muss sich ohnehin niemand ernsthaft Gedanken machen. "Die können sich im Zweifel auch gut selber schützen", kommentiert ein Experte, der dem zuständigen Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred) nahesteht. Dennoch beobachten Kapitalmarktprofis sorgenvoll das stetige Auseinanderdriften zwischen der zunehmenden Komplexität von Finanzprodukten auf der einen Seite und dem anhaltenden Ressourcenverlust im BAKred zur Kontrolle der rechtlichen Regeln.

Ein Fünkchen Hoffnung für die Aufsicht

"Eine wirksame Aufsicht ist nicht mehr möglich", heißt es aus einer glaubhaften Quelle. Während die für das Investmentwesen zuständige Abteilung des Amtes unter anderem wegen des geplanten Umzugs von Berlin nach Bonn kaum qualifiziertes Personal einstellen kann, stellt die Flut der zu genehmigenden neuen Fonds ihre Mitarbeiter vor unlösbare Aufgaben. Eine sorgsame Durchsicht der Rechenschaftsberichte der inzwischen über 5 000 Spezialfonds und weit über 1 000 Publikumsfonds ist unter dieser Voraussetzung praktisch unmöglich geworden.

Die Berliner Kontrolleure haben das Problem seit langem erkannt - ohne dass ihre Hilferufe bei den zuständigen politischen Instanzen auf Gehör stießen. Sie planen jetzt für das nächste Jahr neue bzw. ergänzte Prüfungsberichtsverordnungen für die Rechenschaftsberichte der Fonds bzw. Jahresabschlussberichte der Anlagegesellschaften. Diese sollen einen besseren Einblick in Geschäfte ermöglichen, die jenseits der Standardaktivitäten anzusiedeln sind.

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