Hickhack um den Aufbau von „Herkules“ – Prestigeprojekt verzögert sich
SAP bleibt bei der Bundeswehr hängen

Eines der weltweit größten SAP-Projekte steckt in Schwierigkeiten. "Es ist Viertel vor Zwölf", mahnte Adolf-Peter Bröhl, bei der Bundeswehr zuständiger Programmmanager für das Projekt SASPF, jüngst auf einer Expertentagung in Bonn. Hinter dem umständlichen Kürzel steckt eines der für den Walldorfer SAP-Konzern langfristig wichtigsten Entwicklungsprojekte: Die Einführung der betriebswirtschaftlichen Software R3 bei der Bundeswehr.

DÜSSELDORF/BERLIN. Der Mammut-Auftrag aber kommt nicht recht vom Fleck. Sowohl bei SAP als auch unter den Soldaten wächst der Unmut. Die Bundeswehr kämpft vor allem gegen unklare Zuständigkeiten im Verteidigungsministerium, überdies fehlen Fachkräfte. Die Folge: Immer wieder verstreichen wichtige Termine ohne Ergebnis, während sich die Kosten für die Berater immer höher türmen. In informierten Kreisen heißt es, das Projekt verschlinge pro Tag 350 000 Euro allein an Beraterhonoraren. "Die Fachleute bei der Bundeswehr arbeiten oft in einer Art Vakuum", sagt Werner Dilzer, bei SAP für das Projekt zuständig.

Dabei gilt SASPF als technische Basis, auf der die gesamte Bundeswehrreform fußen soll: Effizienz steigern, Kosten senken, dafür sollen die Walldorfer die Software-Basis liefern. Nun aber könnte die Hängepartie mit R3 dem Gesamtprojekt namens "Herkules" gefährlich werden, fürchtet Programmmanager Bröhl. Für Herkules, das bisher größte Gemeinschaftsprojekt öffentlicher Stellen und privater Unternehmen, will der Bund in den kommenden zehn Jahren jährlich 650 Mill. Euro bereitstellen. Die Streitkräfte sollen damit eine einheitliche Kommunikations- und IT-Infrastruktur erhalten. "Wenn die SAP-Einführung scheitert, dann gibt es bei der Bundeswehr nur eine Vielzahl von Insellösungen", warnt Bröhl.

Für die Verzögerung gibt der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Rainer Arnold, jedoch der Industrie und vor allem SAP eine Mitschuld: "Wenn ein zehnjähriger Vertrag über ein solches Volumen abgeschlossen wird, geht dies nicht ohne Risikobereitschaft auch der Firmen."

Die Nervosität in Berlin jedenfalls wächst, das liegt auch daran, dass um das Projekt Herkules selbst neuer Streit entbrannt ist. Denn das Konsortium, das unter Führung des Systemhauses CSC Ploenzke den Zuschlag erhalten hat, sieht sich neuer Konkurrenz ausgesetzt. Die Regierung bemüht sich nach Informationen des Handelsblatts, weitere Firmen bei Herkules einzuschleusen - neben dem Konsortium um Ploenzke, EADS und die angeschlagene Mobilcom sollen auch die Telekom-Tochter T-Systems und die Siemens Business Service sowie IBM beteiligt werden. Nach Angaben der Bundeswehr ist die Ausschreibung für Herkules erst zur Hälfte über die Bühne.

"Alle Beteiligten haben in das Projekt Millionen gesteckt. Wenn es kippt, wären Schadenersatzforderungen die Folge", sagt Klaus Hahnenfeld, Leiter des Gründungsstabes der IT-Gesellschaft im Ministerium, die als private Tochter der Bundeswehr Herkules steuern soll. "Wenn wir den Hauptvertrag nicht vor dem Sommer zu Stande bekommen, wird sich das Projekt totlaufen", fürchtet er.

Die Walldorf haben große Erwartungen an das Projekt mit der Bundeswehr. Seit einem Jahr hat SAP einen Defense-Bereich. Das langfristige Geschäft mit den Militärs verspricht gute Profite. So hat der Logistik-Arm der US-Army ein Software-Paket von 680 Mill. $ geschnürt, an dem SAP beteiligt ist. Unter den SAP-Kunden sind viele Nato-Partner. Das strategisch wichtigste Projekt ist aber die deutsche Armee, da die SAP-Lösung für die Bundeswehr nicht nur das Management in der Heimat erleichtern soll, sondern per mobiler Datennetze auch im Ausland.

Herkules ist im Verteidigungsministerium inzwischen Chefsache geworden. Denn manches IT-Projekt hat schon für viel Ärger gesorgt. Ein abschreckendes Beispiel für miserable Datenverwaltung ist die Ausgliederung des Bundeswehr-Fuhrparks: Die neue Gesellschaft stellte fest, dass rund 30 % der Daten über Standort und Zustand der Fahrzeuge nicht stimmten. Verteidigungsminister Peter Struck will Herkules jetzt mehr Aufmerksamkeit widmen und hat einen neuen IT-Direktor im Ministerium auserkoren: Gerhard van der Giet, bisher Referatsleiter für IT-Grundsatzfragen beim Bundestag.

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