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"Hidden Champions bieten reizvolle Jobs"

Siegfried Grass sprach mit Professor Dr. Waldemar A. Pförtsch über Hidden Champions. Pförtsch lehrt "International Business" an der Fachhochschule Pforzheim.

Herr Prof. Pförtsch, ist die Beschäftigung mit den heimlichen Marktführern in wirtschaftlich schweren Zeiten besonders lehrreich?

Ja, speziell in Zeiten schwacher Konjunktur sieht man die Stärken der echten "Champions". Natürlich bekommen auch sie konjunkturelle Schwankungen zu spüren, erholen sich jedoch sehr schnell wieder und sind weniger in Gefahr, insolvent zu werden. Einige bauen ihre Position derzeit sogar aus.

Hidden Champions halten sich gerade nicht an gängige Theorien. Ist der gesunde Menschenverstand nicht die wirklich erfolgversprechendere Strategie?

Das ist zum Teil richtig: Sicher machen gesunder Menschenverstand und harte Arbeit einen Teil des Erfolges aus.

Vor allem aber können sich Hidden Champions durch Flexibilität im Handeln und direktes Management ohne bürokratische Hemmnisse optimal an die Bedingungen anpassen. Hinzu kommt: Die betriebswirtschaftlichen Theorien werden meist aus der Empirie abgeleitet, und Hinweise, die uns die Hidden Champions geben, können die Theorien verändern. Erste Ansätze sind etwa die Serviceorientierung bei Technologieführerschaft. Das ist im Investitionsgüterbereich eine beachtenswerte Entwicklung.

Wie meistern Hidden Champions die schwierige Konjunktur?

Sie haben sich auf einen bestimmten Nischenmarkt spezialisiert, so dass die Wogen größtenteils an ihnen vorbeischwappen. Das kann natürlich auch in die andere Richtung gehen. In der Telekommunikation haben kleine Unternehmen den Erfolg der großen erst ermöglicht, jetzt stehen sie im Regen. Die Siemens dieser Welt haben vieles in ihre Unternehmen verlagert, was sie vorher noch von den Kleinen bezogen haben.

Wie beugen Hidden Champions möglichen Krisen vor?

Das ist in der Tat ein wunder Punkt: Grundsätzlich verfolgen sie eine kurz- und mittelfristige Strategie, und die Kapitalausstattung ist oft nicht ausreichend, um längere Krisen überstehen zu können. Ihre besten Vorsorgemaßnahmen sind die Flexibilität und ihre Mitarbeiter. So sind sie in der Lage, kurzfristig und effektiv zu reagieren. Ihre Zukunftssicherung ist die Forschung und Entwicklung. Diese Aufwendungen machen oft einen großen Teil des Budgets aus. Dadurch wird der Technologievorsprung ständig ausgebaut. Das hilft Krisen aktiv anzugehen.

Sollte sich jeder Student der Wirtschaftswissenschaften mit den Hidden Champions beschäftigen?

Ja, weil sie eine andere Sichtweise von Unternehmen vermitteln. Hidden Champions sind in der Regel interessante Nischenunternehmen, die zudem reizvolle Arbeitsplätze bieten und in denen die Belange der Arbeitnehmer oft mehr respektiert werden als in Großkonzernen. Der Studierende bekommt zudem ein Gefühl dafür, dass Erfolg sich nicht in ein Schema pressen lässt.

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