High-Tech-Arenen sollen Zuschauer anziehen
Schlauchboot mit Außenbeleuchtung

Die Hoffnungen wachsen schnell in den Himmel. Ein neues Stadion bringt mehr Zuschauer, glauben die Bundesligaclubs.

HB DÜSSELDORF. Die Weisheit von Fußball-Legende Adi Preissler scheint außer Kraft gesetzt: "Entscheidend ist auf?m Platz", hatte Preissler einst geunkt. Inzwischen heißt es: Je moderner das Stadion, desto üppiger fließen die Einnahmen. So verkauft Schalke-04 in Gelsenkirchen nach Angaben von Sprecher Gerd Voss dank modernem Catering pro Spiel doppelt so viel Bier, wie zu Zeiten des alten Parkstadions. Die Spiele der Königsblauen besuchen im Schnitt 15 000 Zuschauer mehr. Der Hamburger Sportverein konnte trotz mäßigem sportlichen Erfolg seit dem Stadionumbau vor drei Jahren seinen Besucherdurchschnitt um knapp 12 000 erhöhen. Dem niederländischen Erstligisten Ajax Amsterdam gelang sogar eine Verdoppelung seiner Fangemeinde.

Deswegen, und weil die Organisatoren der Fußball-Weltmeisterschaft einen 141 Seiten dicken Anforderungskatalog geschrieben haben, wird zurzeit allerorten an technischen Superlativen gewerkelt. Die meisten Städte haben jedoch außer Modellen noch wenig vorzuweisen, weswegen die Verantwortlichen zu möglichst originellen, mitunter aber auch etwas gezwungenen Vergleichen greifen: Die Frankfurter Arena soll wegen ihres Hubdachs zum "größten Cabrio der Welt" reifen. Die an einen aufgeblasenen Rettungsring erinnernde Münchner Stadienarchitektur wird als "Schlauchboot mit Außenbeleuchtung" gehandelt.

Neue Spielstätte in Mönchengladbach

Konkreter sind die Pläne etwa in Mönchengladbach. Dort entsteht für die bescheidene Summe von 87 Mill. Euro eine neue Spielstätte mit mehr als 43 000 Sitzplätzen. Dabei handelt es sich um eine abgespeckte Version. Statt einer Multifunktionsarena gibt es nur ein Stadion mit Vip-Logen unter einer der Haupttribünen. Dort wird eine kleine Halle für 1 700 Personen integriert. "Die Größe kann aber bei Bedarf mit einem Zelt verdoppelt werden", erläutert Architekt Dietmar Haasen. Immerhin hat das Stadion ein Dach für die Zuschauer, um den WM-Anforderungen zu genügen.

Damit ergibt sich ein neues Problem: Der Rasen leidet unter Lichtmangel. In der Hamburger AOL-Arena muss deswegen das heilige Grün alle drei Monate für 80 000 Euro renoviert werden. "Auf Schalke" kostet jede Bewegung der 11 000 Tonnen schweren Rasen-Schublade 6 700 Euro, wodurch für die 17 regulären Spiele einer Bundesligasaison knapp eine Viertelmillion Euro an Kosten entstehen. Damit die Gladbacher nicht das gleiche Schicksal erleiden, wird deren Stadion durch vier große Tore, offene Seiteneingänge und einen Luftschlitz zwischen Ober- und Unterrang natürlich belüftet. Außerdem ist die Überdachung teilweise aus transparentem Acryl, um Licht hineinzulassen. Kostenpunkt für die Konstruktion: 20 Mill. Euro.

Riesige Video-Leinwände

Gladbachs Architekt Haasen fand bei seinen Recherchen in anderen Stadien aber auch Nachahmenswertes: Die 50 Quadratmeter großen Video-Leinwände des neuen Stadions werden nach Dortmunder Vorbild in zwei diagonal gegenüberliegenden Stadionecken installiert. 6 400 Leuchtdioden pro Quadratmeter sollen bei den bewegten Bildern für optimale Auflösung sorgen.

Unklar ist noch, wie man die von den WM-Organisatoren verlangte elektronische Eingangskontrolle gestalten soll. Dauerkartenbesitzer sollen künftig eine Chipkarte erhalten, die per Lesegerät kontrolliert wird. Das spart Personalkosten. Für Tageskarten sind die Lösungen noch unbefriedigend. "Auf Schalke" ist ein Barcodesystem installiert. Der Haken: Bislang muss noch für alle zwei bis drei Automaten ein Mitarbeiter abgestellt werden, der den Besuchern das System erklärt.

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