High-Tech-Firmen vor magerem Herbst
Bitkom halbiert Wachstumsprognose für 2001

In die düsteren Prophezeiungen hat die deutsche Computer- und Telekommunikationsbranche lange nicht einstimmen wollen. Doch die Nachfrage schwächelt mehr als erwartet, und Unternehmen geben weniger für neue Geräte aus. Der Verband Bitkom hat nun seine Wachstumsprognose gegenüber dem Jahresanfang halbiert.

jojo/tnt MÜNCHEN/FRANKFURT. Die erfolgsverwöhnte deutsche Informationstechnik- und Telekommunikationsbranche (ITK) muss mit einem deutlich gebremsten Wachstum klar kommen. Im vergangenen Jahr hatte die Branche noch um 10,7 % Prozent zugelegt und gehofft, das Tempo in etwa auch 2001 beibehalten zu können. Doch nach der aktuellen Einschätzung des Branchenverbandes Bitkom, dem mehr als 1 200 Unternehmen der Branche angehören, wird der IT- und Telekommunikationsmarkt in diesem Jahr nur noch um 4,6 % wachsen.

Vor allem die unerwartet starke Abkühlung der Konjunktur, die Terroranschläge in den USA und die Krise wichtiger Bereiche wie der Hardware-Hersteller und der Telekommunikations- Ausrüster haben das Wachstum gedrückt. Für Deutschland erwarte Bitkom jetzt einen Umsatz von 254 Mrd. DM nach 243 Mrd. im vergangenen Jahr, sagte Verbandspräsident Volker Jung gestern in München. Auch für das nächste Jahr sieht der Siemens-Vorstand keine Besserung und geht von einem Wachstum "zwischen vier und fünf Prozent" aus.

Deutscher Markt im europäischen Vergleich besonders schwach

Der deutsche Markt sei im europäischen Vergleich "besonders schwach". Weltweit werde die ITK-Branche im laufenden Jahr vermutlich um 7 % zulegen. "Die für das vierte Quartal erwartete Belebung verschiebt sich", nahm Jung jede Hoffnung auf bessere Verkäufe im Weihnachtsgeschäft.

Noch im Sommer hatten die meisten Unternehmen auf ein starkes Geschäft zum Jahresende gesetzt, das u.a. durch das neue Microsoft - Betriebssystem Windows XP angekurbelt werden sollte. Daran glaubt nach den Attacken in den USA fast niemand mehr.

"Rund 1,5 Prozent Wachstum werden die IT-Branche die Terroranschläge in den USA weltweit kosten", schätzt Wafa Moussavi-Amin, Analyst des Marktforschers IDC. Dabei taxiert Moussavi-Amin das globale Marktvolumen der Informationstechnologie (IT) auf rund eine Billion Dollar. Für den größten IT-Markt USA erwarten die IDC-Analysten nach den Terroranschlägen noch ein Wachstum in der Größenordnung von drei Prozent.  

Handy-Markt in besonders schwieriger Situation

Der Analyst betont aber, dass diese Prognosen auf so genannten "Worst- Case-Szenarien" beruhen, die sich am unteren Ende der konjunkturellen Erwartungen orientieren. Für Westeuropa erwartet IDC ein Wachstum zwischen 7 und 8 %. "Das liegt vor allen Dingen daran, dass Europa sowohl bei der Nachfrage als auch bei der Kostenentwicklung auf Seiten der Anbieter weniger zyklisch reagiert als die USA", so der IDC-Analyst.

Ob auch der deutsche Markt wieder stärker wächst, hängt vom Mobilfunk ab. Insbesondere auf dem Markt für Handys sei die Situation derzeit schwierig, räumte Bitkom-Präsident Jung ein. "Hier müssen wir einen Umsatzrückgang von 25 Prozent hinnehmen." Eine Belebung erhofft sich die Industrie für 2002 insbesondere vom Start des neuen Mobilfunk-Standards UMTS. Mit dessen neuen technischen Möglichkeiten soll dem Internet endlich auch auf dem Gebiet des Mobiltelefons der Durchbruch gelingen.

Ganz sicher ist sich die Industrie ihrer Sache freilich nicht: Denn Sorge bereitet ihr die in Deutschland verbreitete Angst vor elektromagnetischen Feldern, die von Mobilfunk-Anlagen ausgehen.Um UMTS flächendeckend anbieten zu können, müssen im ganzen Land neue Sendeanlagen gebaut werden. In ganz Deutschland wehren sich die Menschen aber immer heftiger gegen neue Sendeanlagen.

IT-Dienstleistungen werden voraussichtlich um 10 % wachsen

Jung zeigte sich besorgt, dass UMTS hier zu Lande um Jahre verzögert werde, wenn die zahlreicher werdenden Bürgerinitiativen vor Gericht zögen. Angesichts der Milliarden, die die Telekom-Unternehmen in Lizenzen für neue Mobilfunknetze investiert und für die Entwicklung neuer Geräte ausgegeben hätten, wäre eine Verzögerung durch eine Prozesswelle der Alptraum der Industrie. "Bei UMTS können wir uns keinen Flop leisten", warnt Jung.  

Doch gibt es neben den von Preisverfall und Nachfragerückgang gebeutelten Segmenten wie den Computerherstellern auch boomende Bereiche. So treiben Internet- und Onlinedienste das Wachstum mit einem voraussichtlichen Plus von rund 40 %. Auch der immer größer werdende Bereich IT-Dienstleistungen wird im laufenden Jahr nach Bitkom-Schätzungen voraussichtlich um 10 % auf 36 Mrd. DM wachsen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%