High-Tech-Werte noch gefährdet
Dax-Ausblick: Die Verunsicherung bleibt

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Nachdem die deutschen Aktienkurse in dieser Woche über vier Tage hinweg anziehen konnten, verdarb der Freitag die Wochenendstimmung. Auch die nächste Woche wird Analysten zufolge nicht stabil.

Die Gewinnwarnung des Internet-Portalbetreibers Yahoo und die erneute Intel-Umsatzwarnung belasteten die Technologiewerte an der Frankfurter Börse und zogen auch den Dax in Mitleidenschaft. Nach Meinung der GZ-Bank-Analysten werden die Aktienmärkte auch in der kommenden Woche labil bleiben. Dabei werde die Börse in ihrer Abhängigkeit von den US-Märkten anhaltend sensibel auf deren Konjunktur- und Unternehmensdaten achten. Die Bank hält zwar einen Zinssenkungsbeschluss der US-Notenbank nach der bevorstehenden Sitzung am 20. März für wahrscheinlich, doch sollte dies in den Aktienkursen bereits berücksichtigt sein.

Dax auf Jahressicht mit 25-Prozent-Chance

Mittelfristig gute Aussichten erkennt die Commerzbank. Das "Beige Book" konstatiere für die USA in den ersten zwei Monaten 2001 ein schwaches Wachstum, spätestens in der zweiten Jahreshälfte sollte sich dann wieder eine Erholung durchsetzen. Damit entfällt eine wichtige Belastung für die Wirtschaft in Deutschland. Eine attraktive Bewertung des Euro, niedrige Kapitalmarktzinsen sowie die Steuerreform und eingeleitete Umstrukturierungen ließen auch im kommenden Jahr einen zweistelligen Anstieg der Unternehmensgewinne erwarten. Dies bilde eine solide Basis für einen Kursanstieg beim Dax auf Jahressicht um rund ein Viertel. Auch die Rentenform mit der Notwendigkeit einer stärkeren privaten Altersvorsorge werde sich günstig auswirken.

"Der Markt ist reif für eine technische Erholung"

In der augenblicklichen Situation empfehlen die Commerzbank-Analysten privaten Anlegern einen vorsichtigen Positionsaufbau in Qualitätstiteln, wobei sie gute Chancen im Technologiebereich wie z. B. Siemens oder bei Zyklikern wie Linde sehen. Auch SGL Carbon erscheine eine interessante Anlagealternative.

Die Bankgesellschaft Berlin rechnet zunächst weiterhin mit Unsicherheit am Aktienmarkt. Zwar habe sich die Stimmung verbessert, die Trendwende lasse aber noch auf sich warten. Mit einem anhaltenden Aufschwung am Aktienmarkt rechnen die Experten erst, wenn insbesondere aus den USA wieder günstigere Konjunkturdaten kommen.

Nach Meinung von Jörg Bungeroth "ist der Markt reif für eine technische Erholung, allerdings nicht für eine breite Aufwärtsbewegung". Der Analyst von der DG Bank sieht vor allem die High-Tech-Titel noch gefährdet. Hier sei noch mit einer Reihe von Gewinnwarnungen zurechnen, die aber nicht zu Kursabschlägen führen müssten. Vielfach seien Belastungsfaktoren bereits in die Kurse eingeflossen. Positives Beispiel dafür sein in dieser Woche Epcos gewesen, die trotz einer Prognosekorrektur mit einem guten Plus aus dem Markt gegangen seien. Von der Unsicherheit bei den High-Tech-Werten profitieren Bungeroth zufolge Titel aus dem Versicherungs- und Automobilbereich.

Das Stuttgarter Bankhaus Ellwanger&Geiger rät Anlegern, kurzfristige Kursgewinne für Verkäufe zu nutzen. So werden sich Deutscher Aktienindex (Dax) und Neuer Markt der Analystenprognose zufolge zwar in den kommenden 14 Tagen eher freundlich entwickeln. Da die Europäische Zentralbank auch nach Einschätzung des Kieler Instituts für Wirtschaftsforschung die Leitzinsen nicht senken werde, halten die Experten einen Anstieg des Dax auf zunächst nur 6 400 Punkte für wahrscheinlich.

Analyst Victor Heese von der WGZ Bank in Düsseldorf geht davon aus, dass die Bankenwerte im Dax insgesamt wieder anziehen: "Langsam aber sicher geht es beständig aufwärts." Dafür seien unter anderem Kostensenkungsprogramme und der geplante Bankenumbau verantwortlich.

Analysten erwarten rückläufigen BASF-Quartalsgewinn

Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF veröffentlicht am Mittwoch seine Geschäftszahlen für das vierte Quartal 2000. Von Reuters befragte Analysten prognostizierten dazu im Vorfeld, dass das Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen auf 778 Mill. Euro (nach 852 Mill. Euro in der Vergleichsperiode des Vorjahres) zurückgehen werde. Der Vorsteuergewinn nach Sondereinflüssen im vierten Quartal 1999 wurde stark begünstigt durch den Verkauf von Unternehmens-Anteilen, unter anderem die Veräußerung eines 15-prozentigen Anteils an der Tankstellen-Kette Aral.

Sal. Oppenheim: Lufthansa weiter im Aufwind

Das Bankhaus Sal. Oppenheim stufte die Aktien der Deutschen Lufthansa erneut als "Kauf" ein. Analyst Robert Gülpers sagte am Freitag, die Fluggesellschaft sei langfristig gut positioniert und habe inzwischen ein effektives Netzwerk an Kooperationen aufgebaut. Das Kursziel betrage weiterhin 31 Euro, aktuell wird der Titel um 23 Euro gehandelt.

Zu leichten Kursturbulenzen habe zuletzt die Absage des Bundeskartellamtes an den Zusammenschluss der Lufthansa mit der deutschen Regionalfluglinie Eurowings geführt. Gülpers wollte "diesen Fall" allerdings nicht überbewerten: "Ob mit oder ohne Eurowings - die Lufthansa ist und bleibt Marktführer".

Analysten sehen Aixtron weiterhin positiv

Sehr angetan von den Geschäftsberichtszahlen der Aachener Aixtron AG stuften am Freitag gleich mehrere Analysten den Hersteller von Maschinen für die Produktion von Verbindungshalbleitern herauf. So stuften die Experten der Hamburger SES Research Aixtron von "Marketperformer" auf "Outperformer" hoch. Grund seien die ausgezeichnete Positionierung des Unternehmens und die Prognosen für 2001, hieß es.

Fast gleichlautend äußert sich das Hamburger Bankhaus M.M. Warburg. "Kaufen" statt zuvor "Halten" empfehlen die Analysten. Die Umsatz- und Ertragsschätzungen würden auf Grund der "hervorragenden Zahlen" angehoben. Das Kursziel der Aktie wurde auf 110 Euro festgelegt.

Hoch eingeschätzt wird Aixtron auch von den Fachleuten der Düsseldorfer WGZ-Bank. Zwar stufen sie die Aktie nicht höher, sondern belassen sie bei "Outperformer". Die Gewinnreihe für 2001 erhöhen sie jedoch von 0,84 Euro auf 0,94 Euro und für 2002 von 1,45 Euro statt 1,57 Euro. Der Gewinn im Jahr 2000 und der Ausblick auf 2001 hätten die Erwartungen übertroffen.

Unternehmensdaten in der nächsten Woche

In der kommenden Woche geben in den USA unter anderem aktuelle Zahlen zu den Einzelhandelsumsätzen, den Erzeugerpreisen, der Industrieproduktion und zur Kapazitätsauslastung näheren Aufschluss über das Potenzial einer weiteren Zinssenkung durch die US-Notenbank.

In Deutschland werden unter anderem BASF, Schering, Münchener Rück, Hannover Rück, Rheinmetall, Continental und Klöckner die Geschäftsaussichten erläutern. Siemens geht an Montag an die Wall Street.

In der unten stehenden Tabelle finden Sie die strategischen Empfehlungen der Hessischen Landesbank für die im Dax notierten Standardwerte.



Hessische Landesbank

Gewinn je Aktie 00

Gewinn je Aktie 01

Empfehlung

Datum Empfehlung

adidas Salomon4,204,80übergewichten03.11.00

Allianz

10,813,3neutral15.02.01

BASF

2,213,09übergewichten10.11.00

Bayer

2,692,94untergewichten


(neutral)
24.01.01

BMW

1,862,80neutral01.08.00

Commerzbank

3,382,41neutral20.11.00

DaimlerChrysler

3,501,80neutral15.02.01
Dt. Bank7,907,90neutral28.11.00
Degussa2,352,52übergewichten12.12.00
Dresdner Bank3,762,38neutral09.11.00
Dt. Telekom-0,060,14neutral23.01.01

E.ON

5,303,93neutral11.12.00

Epcos

3,684,33neutral04.08.00

FMC

2,513,02neutral10.11.00

Henkel

Vz.
3,243,52neutral14.11.00
HypoVereinsb2,413,58neutral25.07.00

Infineon

1,831,53neutral08.11.00
Karstadt Quelle1,202,10übergewichten24.10.00

Lufthansa

1,601,80übergewichten28.08.00

Linde

2,292,60übergewichten28.02.01

MAN

2,522,55neutral06.03.01

Metro

1,101,30übergewichten10.10.00
Münchner Rück.8,609,80neutral13.02.01
Preussag1,922,10untergewichten19.10.00

RWE

2,242,57übergewichten15.02.01

SAP

Vz.
2,033,160 (übergewichten)19.06.00

Schering

1,702,12neutral08.02.01

Siemens

4,465,00neutral17.11.00
Thyssen Krupp1,021,14neutral11.12.00

Volkswagen

4,585,91übergewichten30.10.00
Frank G. Heide
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Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor
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