Highway 101 – Die Silicon Valley Kolumne
Hinter den Kulissen von Microsoft vs. Linux

Microsoft bringt mit großem Fanfarenklang seine mächtige neue Server-Plattform Windows 2003 auf den Markt. Erstmals ist der Hauptkonkurrent die OpenSource Software Linux. Doch dahinter verbirgt sich der Machtkampf mit dem Industriegiganten IBM und zunehmend dem Rest der IT-Welt.

Erst hieß er Windows.NET Server und war für das Jahr 2002 angekündigt. Doch dann unterzog Bill Gates seine Entwickler einem intensiven Sicherheitstraining und ließ sie das gesamte Produkt nochmals diesbezüglich revidieren. Zuletzt wurde auch noch der Name dem nüchternen Zeitgeist angepasst und so kommt Microsofts neue Serverplattform mit fast einem Jahr Verspätung unter der lapidaren Bezeichnung Windows 2003 auf den Markt. Doch das Resultat kann sich sehen lassen. In den kritischen Dimensionen Sicherheit, Verlässlichkeit, Verfügbarkeit und Skalierbarkeit ist Windows 2003 ein gewaltiger Sprung nach vorn.

Mythos und Realität von Linux

"Auf dem Rücken kostengünstiger Intel-basierter Hardware tritt die Microsoft Plattform ihren Siegeszug in das Herz aller Unternehmen dieser Welt an. Aller Unternehmen? Nein! Ein kleine Schar freiheitsliebender Linux-Programmierer leistet erbitterten Widerstand und bringt den Vormarsch des übermächtigen Microsoftheeres zum Stillstand" - so à la Asterix sieht ein Teil der harten Linux-Basis noch immer die Welt. Andere Mitglieder der OpenSource Bewegung haben ein noch stärkeres Selbstbewusstsein: "First they ignore us, then they ridicule us, then they fight us, then we win " lautet ihre an Mahatma Gandhi angelehnte Parole. Nun bringen die Teile 1-3 dieser Aussage die Reaktion von Microsoft gegenüber Linux in der Tat prägnant auf den Punkt. Dafür ist der letzte Teil heute schon widerlegt. Unabhängig davon, wie sich Linux vs Windows letztlich entwickeln wird, hat die Basisbewegung ausgesorgt. Linux ist zum Spielball der Giganten geworden, allen voran Über-Goliath IBM, welcher in Linux ein Gegengift zur Microsoftinfektion von Unternehmen gefunden zu haben glaubt.

Das Rezept ist einfach: Man verdiene sein Geld mit einer Middleware-Plattform namens Websphere und einem Integrator namens Global Services. Dann leihe man seine Reputation und ein wenig Kleingeld (ein paar Milliarden Dollar genügen) zur Unterstützung eines funktionellen, aber ansonsten möglichst einfachen Betriebssystems namens Linux. Letzteres sollte allerdings ohne Middleware und Integration nur begrenzt einsatzfähig sein. Dieses Linux werde dann von Distributoren an Kunden verschenkt, damit man sich nicht selbst an der gefährlichen OpenSource-Lizenz infiziere (kein Mittel ist ganz ohne Nebenwirkungen). Fertig ist die Mixtur. Als Beilage empfiehlt sich eine Marketingkompagne, in der man sich als Gönner der freiheitliebenden Basisbewegung positioniert.

Die schleichende Isolierung Microsofts

Nun ist Microsoft wahrlich kein Waisenkind in Bezug auf offene oder verdeckte Machtkämpfe. Es hat folgerichtig seine Kompagne ganz auf die "Total Cost of Ownership" (Gesamtkosten über den Lebenszyklus der Installation) ausgerichtet. Mit über 40 Milliarden US$ auf der Bank, einem inzwischen gerichtlich zertifizierten Monopol bei Endgeräten und einem leistungsfähigen Produktspektrum lässt es sich ja auch gut kämpfen. Trotzdem ist die aktuelle Situation unangenehm.

Zunächst muss Microsoft, welches bisher stets mit kostengünstigen Gesamtlösungen angriff, sich plötzlich selbst auch am unteren Ende gegen Linux verteidigen. Und in einer Rezession wiegen heutige bare Einsparungen oft schwerer als morgige errechnete Kostenvorteile. Hinzu kommt, dass jede direkte Marketingkampagne gegen Linux unverzüglich mit einem viralen Sturm der Entrüstung von der noch immer aktiven Linux-Basis beantwortet wird.

Wichtiger ist, dass Kunden auch langfristig verunsichert sind. So wunderbar reine Microsoftlandschaften funktionieren mögen, so utopisch sind sie angesichts der heterogenen Systemlandschaft vieler real existierender Unternehmen. Die attraktive Dot.Net Plattform gibt es aber beispielsweise nur mit Microsoft-Betriebssystemen. Hinzu kommt, dass die Sicherheitsproblematik nicht aus der Welt ist: Die moderne Landwirtschaft hat jedem verdeutlicht, dass selbst die leistungsfähigsten Monokulturen inhärent krankheitsanfällig sind. Die Analogie zu Computerviren ist kaum wegzudiskutieren.

Am schwersten wiegt möglicherweise, dass Microsoft immer isolierter für seine Produkte wirbt. Dass eine IBM andere Interessen verfolgt und der selbsternannte Erzrivale Oracle keine Lobeshymne singen wird ist klar. Aber fast alle Integratoren machen ein besseres Geschäft mit einer Linuxinstallation. Auch gute Microsoftpartner wie SAP und Computer Associates haben sich Linux geöffnet. Und selbst die einstigen Blutsbrüder Intel und Dell unterstützen zunehmend die Penguin-Plattform. Es gibt kaum mehr ein IT-Unternehmen, dessen Geschäftserfolg von einem Vordringen von Linux gegen Microsoft nicht auf seine Weise profitieren könnte.

"Der Weg nach vorn"

Der Kampf um die Vormacht bei Serverplattformen bleibt somit spannend. Während Unixsysteme - und mit ihnen traditionsreiche Anbieter wie SUN - an Boden verlieren, wird Linux von IBM und zunehmend anderen Industriegiganten als Mittel gegen ein weiteres Vordringen Microsofts propagiert. Vielleicht bewegt dies ja das Redmonder Unternehmen, seine Dot.Net Plattformen auch auf andere Betriebsysteme auszudehnen und sich intensiver um Freunde zu bemühen. Dies würde sicher auch bei den Kunden gut ankommen.

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