Highway 101 – Die Silicon Valley Kolumne
Online-Revival

Manche Grundweisheiten kann man offenbar nicht oft genug wiederholen. Hierzu gehört auch die Erfahrung der Wahrnehmung neuer Technologien: "Menschen überschätzen stets den kurzfristigen Effekt neuer Technologien, und unterschätzen gleichzeitig deren langfristige Auswirkungen."

Wichtige globale Unternehmen halten offenbar jetzt die Zeit der neuen Internetgeschäfte für gekommen. Betrachtet man den sechsmonatigen Zeitraum von Februar bis Juli diese Jahres, so sieht man, dass allein die in der Tabelle (PDF-Format, siehe unten) aufgeführten Deals sich auf über 9 Mrd. $ zusammenläppern.

Tabelle: Mergers & Acquisitions

Am aggressivsten war hierbei sicherlich InterActive Corp. (IAC), den meisten noch unter dem Namen US Interactive geläufig. Dies ist das Unternehmen von Barry Diller, einer der schillerndsten Persönlichkeiten der US-amerikanischen Unterhaltungsbranche, über den im Zusammenhang mit der post-Messier Restrukturierung von Vivendi viel spekuliert und geschrieben wurde.

InterActive Corp. hält unter anderem "Traditionsmarken" wie Expedia, Hotels.com, Home Service Network (HSN - dies noch aus Prä-Internet-Zeiten), Ticketmaster, Match.com, LendingTree und mehr. IAC fokussiert seine Akquisitionen auf transaktionsorientierte Unternehmen und scheut sich bisher vor werbefinazierten Geschäftskonzepten. Mit dieser Strategie brachte IAC es letztes Jahr immerhin auf 40 Millionen Transaktionen und 4,6 Mrd.$ Umsatz. Diese Jahr wird ein Umsatz von 6 Mrd.$ erwartet. Der einstige Außenseiter übertrifft damit die Internetgiganten aus dem Silicon Valley (und Seattle): Amazon.com (Umsatz 2002: 4,2 Mrd.$), Ebay (Umsatz 2002: 1,5 Mrd. $), Yahoo (Umsatz 2002: 953 Mill. $) und auch Shooting Star Google, welches als privates Unternehmen seinen genauen Umsatz allerdings geheim zu halten sucht.

Doch eigentlich geht es allen obigen Spielern sehr gut. Yahoo Ist beispielsweise sehr erfolgreich in seinen Kooperationen im Breitbandbereich mit SBC in den USA, Softbank in Japan und inzwischen auch mit BT in Großbritannien. Ebay?s Achillesferse ist noch nicht gefunden - es hat als einziges Internetunternehmen nie enttäuscht (abgesehen von einstigen technischen Schwierigkeiten, an die sich kaum noch jemand erinnern kann). Und auch Amazon ist inzwischen zwar nicht gerade hochprofitabel, aber doch aus dem Buchhandel nicht mehr wegzudenken.

Bei all diesen Unternehmen verstehen die Kunden inzwischen ihren Nutzen, welcher oft auf harter Kalkulation und Erfahrung beruht, und sind zunehmend bereit, dafür zu zahlen. Die Wachstumsraten sind solide im hohen zweistelligen Bereich und so können selbst bodenständige Businessleute die Geschäftskonzepte nachvollziehen. Die Bewertungen waren allerdings in der ersten Jahreshälfte noch stark irrational: oft sehr niedrig, aber vereinzelt auch schon wieder sehr hoch - ein günstiges Umfeld für Akquisiteure.

Das Beispiel AOL zeigt, dass nicht alle großen Internetunternehmen derzeit automatisch auf Rosen gebettet sind. Aber es ist doch eine neue Ära im Internet-Business angebrochen.

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