Highway 101 – Die Silicon Valley Kolumne
Restrukturierung á la High-Tech Industrie

Die unausweichliche Restrukturierung und Konsolidierung der High-Tech Industrie in den nächsten Jahren wird voraussichtlich anders als in traditionellen Industriesegmenten verlaufen. Mehr schwache Unternehmen werden sterben, als akquiriert werden. Und der eigentliche Kampf wird gegen Giganten aus benachbarten Feldern und immer wieder gegen die Zeit ausgetragen.

Wer heute aus Silicon Valley kommt und bei den Worten "High-Tech is different" ertappt wird, erntet in der Regel nur einen mitleidigen Blick restukturierungsgestählter Kollegen aus traditionellen Industriezweigen. Ihr Rat lautet: Statt Internetträumereien nachzuhängen, solle man doch besser einmal seine Hausaufgaben in klassischer Unternehmensführung nachholen.

So berechtigt diese Botschaft sein mag, sie greift letztlich zu kurz. Keiner bezweifelt, dass High-Tech inzwischen eine reife Industrie ist, die zudem in einer Rezession steckt. Es ergeben sich jedoch ungewöhnliche Konsequenzen, wenn man die Eigenheiten der Industrie bedenkt:

  • Moore?s Law:

    Auch in den nächsten 15 Jahren wird die Welt einen Faktor 1 000 an Leistungsfähigkeit bei Chips "geschenkt" bekommen. In einem nur noch schwach wachsenden Markt bedeutet dies, dass selbst bei hoher Innovation der Wert von "Hardware" weginflationiert.
  • Globalität:

    High-Tech ist ungewöhnlich global. Es gibt daher zum einen kaum Potenzial für geographische Konsolidierung. Zum anderen ist die Konkurrenz der Schwellenländer China und Indien unmittelbar zu spüren.
  • Zyklizität:

    In Rezessionen fallen die Werte von High-Tech Unternehmen überdurchschnittlich, wobei sich eine zusätzliche Kluft zwischen Marktführern und dem Rest des Feldes auftut.
  • Vernetzung:

    In vielen Bereichen ist die IT- und Telkommunikationslandschaft heute so vernetzt, dass eine lokale Innovation kaum mehr Marktchancen hat.

Einerseits führen diese Faktoren dazu, dass die Starken stärker werden. Führende Unternehmen der Branche, wie IBM, Microsoft, Intel, Dell, SAP, Oracle, Cisco brauchen keine Akquisitionen um die Dominanz in ihrem Kerngeschäft auszubauen. Die "Followers" wie HP (Compaq) oder jüngst Peoplesoft (J.D.Edwards) versuchen zwar, durch Akquise zu den Marktführern aufzuschließen, aber dies ist eher ein Zeichen von Schwäche und die Juryentscheidung über den letztlichen Erfolg steht aus. Marktanteile kann man in High-Tech auch organisch schnell gewinnen, während sich die interessantesten Akquisitionen auf komplementäre Gebiete konzentrieren.

Seit dem Abflauen des High-Tech Hypes werden die Großen auch kaum mehr durch innovative Start-Ups bedroht. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Marktführer in High-Tech nun ein ruhiges Leben haben. Zum einen werden ihre Produkte und Dienstleistungen aufgrund von Moore?s Law schnell trivialisiert und von den "Fast Followers" aus Asien übernommen. Die traditionellen Mobiltelefonanbieter machen gerade als Gruppe diese schmerzhafte Erfahrung. Innovationen zur Sicherung und Steigerung des Umsatzes sind gefragt. Andererseits gibt es kaum ein erfolgreiches Unternehmen, welches nur "Schneller Laufen" als Langfriststrategie durchgehalten hätte. Daher versuchen die Unternehmen wichtige Kontrollpunkte zu identifizieren und zu besetzen, wie die nachfolgende Auflistung beispielhaft demonstriert.

  • Unternehmen:


    IBM


    Strategische Kontrollpunkte:


    - SW-Infrastrukturplattform


    - Account Kontrolle (Global Services)
  • Unternehmen:


    Microsoft


    Strategische Kontrollpunkte:


    - Desktop Software


    - Home Entertainment und Wireless Plattformen


    - SW-Infrastrukturplattform
  • Unternehmen:


    Intel


    Strategische Kontrollpunkte:


    - Mobile Architektur


    - Netzwerkarchitektur
  • Unternehmen:


    Dell


    Strategische Kontrollpunkte:


    - Schaltzentrale der IT-Logistikketten
  • Unternehmen:


    Cisco


    Strategische Kontrollpunkte:


    - IP-basierte Kommunikationsknoten
  • Unternehmen:


    SAP


    Strategische Kontrollpunkte:


    - SW-Integrationsplattform
  • Unternehmen:


    Oracle


    Strategische Kontrollpunkte:


    - SW-Integrationsplattform

Inwieweit diese Identifizierung und nachhaltige Besetzung strategischer Kontrollpunkte gelingt, wird letztlich den langfristigen Erfolg der Unternehmen bestimmen. In High-Tech ist das heutige Kerngeschäft letztlich nur Cash-Generator und Sprungbrett. Dies gilt auch in Rezessionen, da Innovationszyklen oft kürzer sind als Wirtschaftszyklen.

So wichtig daher traditionelle Mangementtugenden in High-Tech sind, sie werden selbst in der nun gereiften Industrie nur ein Teil der Antwort auf die täglichen Herausforderungen darstellen. Und Andy Groves merkwürdig anmutender Titel "Only the Paranoid Survive" wird in der Industrie noch eine Weile seine Gültigkeit behalten.

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