Highway 101 – Die Silicon Valley Kolumne
Trends in High-Tech jenseits der Rezession

Die Gewitterwolken verdichten sich zunehmend über der Wirtschaft der USA und der Welt. Sektoren wie Telekommunikation, Finanzen und High-Tech selbst, welche traditionell stark in Informationstechnologien investiert haben, sind besonders schwer getroffen. Im Silicon Valley stehen bald ein Drittel der Büroflächen leer. Kein Wunder, dass sich die meisten Hochtechnologieunternehmen derzeit mehr Gedanken über das Überstehen des Winters machen, als über Megatrends.

Doch um bei den anhaltend schmerzhaften Restrukturierungen die richtigen Entscheidungen zu treffen, müssen Manager in der High-Tech Industrie ein Bild davon entwickeln, wie die Welt am anderen Ende des Wirtschaftszyklus aussehen wird. Hierbei werden Hardware, Software und Services unterschiedliche Entwicklungen vollziehen.

Hardware aus China
Wenn man zu Hardware nur ein einziges Wort sagen dürfte, so wäre es "China". Wir wollen ein wenig ausführlicher sein.

Hardware ist interessanterweise das einzige Segment der High-Tech Industrie, welches in den vergangenen vier Jahrzehnten zweifellos dramatische Fortschritte gemacht hat, die uns den PC, das Mobiltelefon und vieles mehr beschert haben. Dieselben Leistungsstei-gerungen, welche die historische Rechenkraft der gesamten Welt auf nur einen Chip gebannt haben, bewirken aber auch ein stetige Abnahme des Werts der Hardware innerhalb der High-Tech Industrie und die zunehmende Herabstufung zur "Commodity".

Diese Entwicklung bringt eine Abwanderung der Produktion in Niedriglohnländer Asiens mit sich, zunächst in die einstigen Tigerstaaten Korea, Taiwan, Singapore sowie die Philippinen. Inzwischen konzentriert sich allerdings alles auf China, das zudem selbst massiv in IT als Kernkompetenz investiert. China wird in absehbarer Zukunft sowohl der größte Wachstumsmarkt als auch das schnellst-wachsende Produktionsland sein.

Das Beispiel Computer Laptops möge die Dynamik dieses Trends illustrieren: Dieses Jahr werden ca. 70 % der weltweit verkauften Laptops aus Taiwan kommen, das heißt fast alle Marken außer den Japanern beziehen von dort. Bis 2001 wurden diese Laptops aufgrund starker Reglementierung noch zu ca 90 % in Taiwan selbst produziert. Nach nur zwei Jahren erwartet man für 2003, dass bereits über die Hälfte der Produktion an taiwanesische Fertigungsstätten auf dem chinesischen Festland abgewandert ist, wo die Lohnkosten um einen Faktor sechs geringer sind.

Analoges spielt sich bei Mobiltelefonen und in anderen Bereichen von Hardware und Komponenten ab, mit Korea und Singapore als möglichen Zwischenstationen. Wer glaubt, dass die heute "höherwertigen" Systeme diesem Trend entgehen werden, der sollte sich "Moore?s Law" nochmals vor Augen halten . IT und Telecom-Hardware wird in ein paar Jahren so selbstverständlich "Made in China" aufgedruckt haben wie heute Textilien. Selbst wenn die globalen Hersteller das Branding weiterhin in ihrer eigenen Regie halten sollten - was keineswegs sicher ist - so wird die Wertschöpfung bei allen Hardwareunternehmen in den USA und Europa stetig sinken.

Der Joker Software
Die Softwareindustrie, mit den globalen Spitzenreitern Microsoft, IBM Software, Oracle, SAP und Computer Associates, ist einer der ungewöhnlichsten Sektoren der Weltwirtschaft, dessen Entwicklung schwer vorhersagbar bleibt.

Ein Paradoxon der heutigen Industrie besteht darin, dass bei Software aufgrund der verschwindenden Produktionskosten und des Interoperabilitätszwangs die "Großen größer" werden und ein "natürliches Monopol" entstehen sollte, die reale Softwareindustrie aber bis 2001 noch fragmentierte: Während jedes einzelne Segement innerhalb von Software in der Tat der ökonomische Logik zu Monopolen a la Microsoft nur schwer entgehen konnte, wurden andererseits stetig neue Segmente geschaffen, welche die Industriestruktur redefinierten.

Ein zweites Paradoxon findet sich darin, dass die Softwareindustrie einerseits als außergewöhnlich dynamisch und innovativ gilt, andererseits aber immer wieder polemisch diskutiert wird, ob sie im Laufe ihrer kurzen Geschichte selbst wesentliche Fortschritt erzielt, oder nur von den Verbesserungen der Hardware profitiert hat.

Sicher ist jedoch, dass die Softwareindustrie heute vor dem Problem steht, dass Programme stetig komplexer werden und Implementierungskosten explodieren, die damit erzielten Produktivitätsverbesserungen aber zunehmend in Frage gestellt werden. Auch muss die Industrie lernen, wie sie alte Programme so integrieren kann, dass diese den Fortschritt nicht hemmen. Diese "Legacy"-Problematik ist nicht nur ein Integrations-Kosten-(und Zeit)-Faktor, sondern kreiert auch fundamentalere Probleme: Für die Zukunft, wie man beim Jahr 2000-Sprung erlebt hat. Und für die Vergangenheit, wie beispielsweise die schnell vergänglichen Lesbarkeit alter Daten demonstiert.

Insgesamt sind sich die Experten einig, dass sich Software in Zukunft fundamental ändern muss, wenn sie die Interaktion der Menschen mit Informationstechnologie effektiv unterstützen soll. Doch niemand kann sagen, wann und wie dies geschehen wird. Der derzeitige Trend zu sogenannten "Web Services" , welche Software zu einem über das Internet lose gekoppeltem Legosystem umzuwandeln sucht, könnte eine solche Umwälzung einleiten. Aber obgleich die großen Software Spieler derzeit aller hinter der Web Services Entwicklung stehen, ist es noch nicht klar, ob dies die endgültige Richtung sein wird.

Software nimmt daher die Stellung als Joker in der Zukunft der High-Tech Branche ein.

Restrukturierung der IT Services
Der Dienstleistungsteil der High-Tech Industrie erfreute sich in den letzten Jahrzehnten eines ungebrochenen Wachstums bei hohen Margen. Industrieführer IBM hat sich beispielsweise von einem Hardware-Hersteller zu einem Unternehmen gewandelt, welches heute den Löwenanteil seines Umsatzes aus Dienstleistungen bestreitet.

Derzeit ist der gesamte IT Service Sektor jedoch in eine Restrukturierungs- und wohl auch Konsolidierungsphase getreten, welche die nächsten Jahre dominieren dürfte.

Zunächst geht Druck von den Kunden aus. Allein Systemintegration war in 2001 zu fast einem Drittel der Investitionenen in Informationstechnologie angeschwollen - Tendenz steigend. Damit haben sich die IT-Dienstleistungen in den Fokus vieler Kostensenkungsmaßnahmen katapultiert. Der Sektor muss lernen, seine Leistung zu "industrialisieren" und damit kosteneffizienter zu erbringen.

Neben dem Kundendruck wid die Restrukturierung auch durch eine interne Indsutriedynamik getrieben, nämlich der Herauslösung der IT-Consulting Arme aus den großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Dieser Trend wurde durch den Interessenskonflikt und Kollaps von Arthur Anderson noch beschleunigt. Erste große Fusionen, wie Cap Gemini/Ernst&Young oder IBM Global Services/ PriceWaterhouseCooper, wurden bereits vollzogen. Unabhängig davon, ob diese Merger nun Wert schaffen oder nicht wird die Restrukturierung der Industrie schnell voranschreiten. Die Schreckensmeldungen der EDS in den letzten Wochen, welche den Aktienkurs des Unternehmens kollabieren ließen, lassen darauf schließen, dass auch das Outsourcing-Segment nicht von diesem Restrukturierungsdruck verschont bleibt.

Impulse für die Neugestaltung des Dienstleistungssegments könnten beispielsweise von den oben erwähnten Web Services kommen, welche eine neuartige Modularisierung der IT-Services ermöglichen. Oder auch von der Tendenz der IT-unterstützten Fernerbringung von Dienstleistungen in Ländern wie Indien , welche die Kostenstruktur fundamental umwälzen könnte.

Verlust des Sonderstatus "High-Tech"?
Zusammenfassend kann man sagen: In Bezug auf Hardware und Services wird die High-tech Industrie zunehmend ihren Sonderstatus verlieren und sich zu einem typischen Industriesegment entwickeln. Software, hingegen, wird weiterhin schwieriger zu kategorisieren sein und einiges an Überraschungen in petto halten. Alle High-Tech Unternehmen sollten jedoch die Megatrends sorgfältig analysieren, um nicht nur die Probleme von heute zu bewältigen, sondern sich für die Welt von morgen zu rüsten.

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