Hilfe durch eine Stiftung
Aegon bekommt Geld vom Hauptaktionär

Anleger begrüßen die Finanzspritze für Aegon. Ein einzigartiger Milliarden-Deal ermöglicht dem Versicherungskonzern eine Aufstockung des Kapitals, ohne den Gewinn zu verwässern. Möglich ist das, weil der Haupteigner eine Stiftung ist. Der Einfluss dieser "Vereinigung Aegon" wird aber beschnitten.

BRÜSSEL. Mit einem Kursaufschlag belohnte gestern die Amsterdamer Börse die Kapitalverstärkung des Versicherers Aegon N.V. um rund 2,3 Mrd. Euro. Damit wird die drohende Abwertung der Kreditwürdigkeit des Haager Konzerns abgewendet und seine Flexibilität erhöht. Analysten begrüßten den Schritt. Bei europäischen Wettbewerbern, deren Kapitalstöcke wegen der Börsenflaute ebenfalls geschwächt sind, dürfte die Konstruktion einen gewissen Neid wecken. Denn sie ermöglicht eine Kapitalverstärkung ohne Gewinnverwässerung. Das kann zum Beispiel der Schweizer Konzern Zurich Financial Services, der eine milliardenschwere Aktienemission ankündigte, nicht bieten.

Der Hauptanteilseigner des Haager Konzerns, die "Vereinigung Aegon" (37 % Kapitalanteil), platziert rund 25 % aller ausstehenden Aktien neu. Der Erlös von etwa 3,8 Mrd. Euro fließt aber zu fast zwei Dritteln direkt an Aegon. Der weltweit zu den Top-10 zählende Versicherer wird damit einen Teil der kurzfristigen Darlehen ablösen. Das Eigenkapital überschreitet dann die selbst gesteckte Marge von 70 % am Gesamtkapital. "Es ist logisch, in diesen volatilen Zeiten eine außerordentlich starke Kapitalbasis zu haben", meinte der im April angetretene Vorstandschef Don Shepard.

Das Eigenkapital war geschmolzen infolge der Wertverluste von Unternehmensbeteiligungen an den Börsen sowie durch hohe Risikorückstellungen für schlechte Kredite bei Worldcom & Co. Laut Analysten hatte Aegon genau die durch die Neuplatzierung erwarteten rund 2 Mrd. Euro an frischem Kapital nötig, um eine Senkung des Kreditratings von AA- durch die Ratingagentur Standards & Poors?s zu verhindern.

Der einstige Börsenstar war in diesem Jahr durch enttäuschende Ergebnisse und die Warnung vom Juli, der Gewinn breche um bis zu 35 % ein, zum Verlierer der Branche mutiert. Der Börsenkurs sackte seit Jahresbeginn um rund zwei Drittel. Shepard will das Anlegervertrauen unter anderem mit dieser Transaktion zurück gewinnen. Durch die Neuplatzierung steigt der frei gehandelte Kapitalanteil auf 88 %. Dies führt zu einer stärkeren Gewichtung bei wichtigen Indizes. Dadurch werde die Nachfrage nach der Aktie steigen, meinen Analysten.

Auch die jüngsten Kaufempfehlungen dürften Shepard erfreuen. Der Aktienkurs habe den Boden erreicht, urteilen Marktbeobachter. Der erwartete Gewinneinbruch auf 1,6 bis 1,8 Mrd. Euro resultiere vorwiegend aus einmaligen Abschreibungen. "Dadurch wird aber nicht der Cashflow beeinträchtigt", betonte Bart Hosten, Analyst bei Van Lanschot Bankiers. Verglichen mit europäischen Wettbewerbern bleibe die Dividende auf relativ hohem Niveau und sei ein wichtiger Puffer gegen weiteren Kursverfall.

Langfristig sei günstig, dass Aegon eine starke Position auf dem US-Markt für Lebensversicherungen habe, meinte Hosten. Da fast zwei Drittel des Gewinns in den USA entstünden, sei für 2003 mit einer starken Gewinnsteigerung und Erholung der Aktie zu rechnen. Auch ING Barings und ABN Amro empfehlen die Aktie.

Für den Milliarden-Deal blieb auch aus einem zweiten Grund keine andere Wahl. Durch den Kursverfall von Aegon verdampfte ein großer Teil des Vermögens der "Vereinigung Aegon". Ihre Beteiligung galt aber als Sicherheit für Darlehen, mit der sie Akquisitionen des Instituts mitfinanziert hatte. Mit dem Schwinden der Sicherheiten drohten für diese Darlehen höhere Konditionen. Zugleich verliert die Vereinigung aber wegen des Gewinneinbruchs bei dem Versicherer einen Teil ihrer Einkünfte. Es entstand die Gefahr, dass sie nicht mehr die Zinsen für die Darlehen bezahlen könnte. Der Verkauf eines großen Aktienpakets war der einzige Ausweg: Mit dem Erlös senkt sie ihre Schulden um mindestens 1,5 Mrd. auf unter 2 Mrd. Euro.

Die Vereinigung bleibt mit 12 % größter Aktionär. Ihr von 52 % auf 33% sinkendes Stimmrecht werde aber eventuell die nächste Hauptversammlung auf 25 % begrenzen und somit die Stellung der anderen Aktionäre verbessern, kündigte Shepard an. Die Vereinigung entstand 1983 bei der Fusion zweier Versicherer zu Aegon.

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