Hilfe für Flutopfer verschleiert aber die Talfahrt
Baukonzerne entgehen der Krise

Während die Baubranche immer weiter in die Krise schlittert, koppeln sich die großen Baukonzerne von der schlechten Konjunktur in Deutschland ab. Sie verdienen ihr Geld inzwischen weitgehend im Ausland. Gleichzeitig setzen sie auf lukrative neue Geschäftsfelder und steigen in das Dienstleistungsgeschäft rund um den Bau ein.

DÜSSELDORF. An den großen Baukonzernen geht die Baukrise in Deutschland anscheinend spurlos vorüber. Nach Branchenprimus Hochtief aus Essen hat jetzt auch Deutschlands Nummer zwei, die Mannheimer Bilfinger Berger, die Prognose für 2002 bestätigt und eine Ergebnisverbesserung in Aussicht gestellt. Im Sommer hatten bereits die Kölner Strabag und Walter Bau aus München ein besseres Ergebnis angekündigt. Das Erfolgsgeheimnis: Die Großen der Branche verdienen ihr Geld überwiegend im Ausland.

Hochtief beispielsweise erzielt 84 % seiner Bauleistung im Ausland. Bilfinger-Berger-Chef Herbert Bodner kündigte jetzt an, dass der Konzern den Anteil des deutschen Baugeschäfts von weniger als einem Drittel auf mittelfristig unter ein Viertel reduzieren will. Er begründete dies mit der rückläufigen Baukonjunktur in Deutschland und den schlechten Aussichten: "Die jüngsten Gesetzesinitiativen lassen zusätzliche negative Impulse und erhebliche Mehrbelastungen erwarten."

Während aber die großen Konzerne regionale Konjunkturschwankungen relativ gut wegstecken, könne sich der zumeist regional tätige Mittelstand der Baukrise kaum entziehen, sagte dagegen Heiko Stiepelmann, Geschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), dem Handelsblatt. Die Baukrise habe sich im Herbst zugespitzt. Die deutsche Bauwirtschaft erlebe ihr siebtes Krisenjahr. "Der Umsatz im Bauhauptgewerbe wird 2002 noch einmal um mindestens 6 % zurückgehen", sagte Stiepelmann. Der Umsatz liegt damit 26 % niedriger als 1995. Die ohnehin mageren Erträge des deutschen Baugewerbes seien stark unter Druck geraten. Immer mehr Unternehmen schrieben Verluste. Stiepelmann: "Die Unternehmen verfügen kaum noch über Eigenmittel, um nach der langen Rezessionsphase wieder Investitionen zu finanzieren." Zudem seien auch die Banken angesichts der niedrigen Eigenkapitalquoten und erhöhter Anforderungen an die Kreditsicherheit bei der Kreditvergabe auf einen restriktiven Kurs eingeschwenkt.

Die Bauindustrie erwartet für 2003 ein weiteres Krisenjahr. Die Insolvenzwelle werde sich durch die Sparbeschlüsse der Bundesregierung noch beschleunigen, sagte Stiepelmann. Der Verlust von bis zu 120 000 Arbeitsplätzen drohe. Allerdings werde die negative Entwicklung durch öffentliche Programme zur Beseitigung der Flutschäden gemildert. Deshalb rechne die Branche mit einem Umsatzminus von 1,5 bis 2,5 %. "Durch die Fluthilfe ist dies aber keine nachhaltige Verbesserung", warnte Stiepelmann.

Bodner erwartet für 2003 eine Steigerung der Bauleistung im Konzern auf mehr als 5 Mrd. Euro. Er begründete dies neben dem Auslandsgeschäft vor allem mit dem Ausbau des Bereiches Dienstleistung. Für das kommende Jahr erwartet Bodner allein in der Service-Sparte bei einer Leistung von 1,1 Mrd. Euro ein operatives Ergebnis (Ebita) von 40 Mill. Euro.

Analysten bewerteten positiv, dass Bilfinger Berger die Prognose für 2002 bestätigt hat. Danach will der Konzern die Bauleistung auf 4,9 (4,6) Mrd. Euro und das Konzernergebnis auf 60 (52) Mill. Euro steigern. Dabei ist ein außerordentlicher Ertrag aus dem Verkauf der Beteiligung an der Dresdner Bank von 161 Mill. Euro noch nicht berücksichtigt. Über die Verwendung sei noch nicht entschieden, sagte Bodner. Nutznießer könnten sowohl die Aktionäre über eine höhere Dividende als auch das Unternehmen durch weitere Akquisitionen oder eine verbesserte Vorsorge sein. Die im M-Dax gelistete Aktie notierte gestern etwas schwächer bei 17 Euro.

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