Hilfe für institutionelle Anleger
Kursbewegung durch die eigene Order abschätzen – jetzt ein Kinderspiel

Nicht alle Wertpapier-Handelskosten liegen klar auf dem Tisch. Institutionelle Anleger beeinflussen durch ihre größeren Aufträge die Kurse. Die Deutsche Börse stellt ein Liquiditätsmaß vor, mit dem Vermögensverwalter die Qualität ihrer Broker kontrollieren können.

ina FRANKFURT/M. Der Kauf und Verkauf von Wertpapieren kostet Geld. Die in manchen Fällen am stärksten belastende Kostenkomponente ist für den Anleger aber unsichtbar: der so genannte Markteinfluss. Es handelt sich um jenen Teil der Kursbewegung des betroffenen Titels, der durch die eigene Order ausgelöst wird. Mit einem Serviceangebot für den institutionellen Handel im elektronischen System Xetra will die Deutsche Börse AG diese unbekannte Größe kalkulierbarer machen. "Das ist auch international ein einzigartiges Angebot", ist Uwe Schweickert überzeugt. Als Verantwortlicher für das neue Produkt nennt er Anwendungsmöglichkeiten für Anleger: Portfoliokonstruktion, Orientierungshilfe bei Umschichtungen, Qualitätskontrolle der mit der Orderausführung beauftragten Broker.

Das Angebot bezieht sich auf die rund 1 150 auf Xetra gehandelten in- und ausländischen Werte. Darunter sind die Segmente Dax, MDax, Euro Stoxx 50 und US Stars. Mit dem so genannten "Xetra Liquiditätsmaß" misst die Börse seit 1. Juli die impliziten Transaktionskosten im elektronischen Orderbuch unter der Annahme einer sofortigen Oderausführung.

Liquidität und damit eine schnelle Tauschmöglichkeit des Wertpapiers in Geld bzw. umgekehrt ist für Institutionelle zwar ein entscheidendes Kriterium bei der Titelauswahl. "Bisher verwandte Näherungsgrößen wie Umsatz, Marktkapitalisierung, Zahl der Geschäfte oder Transaktionshäufigkeit führen aber häufig in die Irre", sagt Schweickert. Eine Umsatzzahl sei beispielsweise kaum aussagekräftig, wenn sich dahinter nur wenige große Geschäfte verbergen würden.

Schweickert gibt ein Beispiel für die eigenen Vorgehensweise. In der dritten Juli-Woche musste ein Anleger beim Kauf von Deutsche-Bank-Aktien im Volumen von 0,1 Mill. Euro mit durchschnittlich 0,07 % an impliziten Kosten kalkulieren, bei MLP dagegen mit weit höheren 0,48 %. In diesen Prozentsätzen ist die Hälfte der Geld/Brief-Spanne berücksichtigt, aber zusätzlich und insbesondere die tatsächliche Orderbuchsituation. Zum Hintergrund: Das Orderbuch listet alle Kauf- und Verkaufsangebote mit den jeweils gültigen Limits auf.

Die erwähnte Kauforder über 0,1 Mill. Euro arbeitet sich nun - gedanklich - stetig ins Orderbuch hinein, bis der Gesamtauftrag abgewickelt ist. Mit steigendem Orderumfang steigen demnach auch die impliziten Handelskosten. Es wird zuerst das am nächsten liegende Verkaufsangebot berücksichtigt (bei Deutsche Bank etwa 9315 Euro zu einem Kurs von 62,10 Euro), dann das folgende (etwa 4970 zu 62,13) und so weiter. Daraus wird ein durchschnittlicher Einstandskurs errechnet, der - inklusive der halben Geld/Brief-Spanne - in der dritten Juli-Woche den erwähnten 0,07 % entsprach.

Ausführung - Qualität kontrollieren

Das Produkt der Deutschen Börse, die "Xetra Transaktionskostenanalyse", ist laut Schweickert schon im Einsatz. Eine Anwendung für die Institutionellen sei die Kontrolle der Ausführungsqualität der Orders bei den mit dem Handel beauftragten Broker. In der Regel würden Orders nicht sofort ausgeführt, sondern über eine gewisse Zeit verteilt. Der Deutsche-Börse-Mann: "In diesen Fällen kann der Anleger prüfen, was bei sofortiger Ausführung hätte erzielt werden können." Er müsse nur die entsprechenden Daten zur Analyse an die Börse reichen.

Michael Fuss von Deutsche Asset Management, dem zweitgrößten Spezialfondsverwalter in Deutschland, hat das Angebot bereits getestet. Er begrüßt den neuen Service, "denn ein unabhängiger Anbieter liefert exzellente und verlässliche Daten". Auch die Consultants sehen Fortschritte. "Konzeptionell gut durchdacht", urteilt Hartmut Leser, Geschäftführer von Feri Institutional Management. Christian Schlenger, Geschäftsführer von Alpha Portfolio Advisors, sieht die Initiative ebenfalls "positiv".

Nur wenige Einschränkungen machen die Experten. "Bei längerer Zeitdauer für die Auftragsabwicklung ändert sich die Orderbuchlage. Insoweit ist das Liquiditätsmaß nur eine Annäherung an die Realität", sagt Leser. Ähnlich meint Schlenger: "Es ist eine Abschätzung, aber näher kommt man an die Wirklichkeit nicht heran."

Quelle: Handelsblatt

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